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Tronic
8/2005
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| Das
Spiel
Das letzte der drei
deutschsprachigen Adventures von Klaus Küchler und Fritz Rach (Sagor,
der Eroberer / Harcon, Hüter des Lichts / Tronic) spielt in der
Zukunft. Es erschien 1986.
Wie die beiden
vorausgegangenen Adventures verbindet auch dieses Spiel grafische
Elemente mit einem Textparser. Die Steuerung der Hauptperson und das
Vorantreiben der Handlung erfolgt also über Texteingaben unter
Beachtung bestimmter Eingabemuster und des (nicht offen gelegten)
Wortschatzes. Die Umweltbedingungen sind teils vordefiniert, teils
zufallsgesteuert – aber immer variabel. Außer der bloßen Fortbewegung
der Figur in verschiedene Richtungen werden dem Spieler vor allen
Dingen außerordentliche Fähigkeiten beim Lösen der Rätsel abverlangt.
Tronic ist
vielleicht das raffinierteste, auf jeden Fall aber das komplizierteste
aller Adventures von Küchler & Rach.
Um was geht es?
Kurz gesagt: Der geniale Prof. Hoover (2027-2133) hat einen bislang nie
da gewesenen Supercomputer entwickelt: den BTS-Computer. Außer dem
„Multi-Chip“ zeichnet diesen Computer aus, dass er halb organisch
aufgebaut ist und von daher über ein beunruhigendes Maß an
intelligentem Eigenleben verfügt.
Hat das BTS bisher
nur Hilfestellung geleistet, etwa bei der Regelung des Straßenverkehrs
oder bei der Wetterkontrolle, so strebt es nunmehr die komplette
Weltherrschaft an. Und es stellt ein entsprechendes Ultimatum an die
bestehenden Regierungsbehörden: BTS will „meiner neuen Zivilisation den
angestammten Platz unter den mächtigen Völkern der Galaxis zuweisen“
(Tronic-Handbuch). Es ist Aufgabe des Spielers, in der Rolle des
tapferen Tronic-Agenten Silverman dieses Endzeit-Szenario noch in
letzter Minute zum Guten zu wenden …
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General
Silverman, der Mann mit der Lizenz zur Weltverbesserung
Silverman gefiel sich in
der Rolle des Weltretters, obgleich er sich auf der langen Reise
manchmal Gedanken machte, ob er mit dem klapprigen
Gebraucht-Kurzstreckengleiter von der zuständigen Regierungskommission
nicht etwas dürftig ausgerüstet worden war. Vielleicht nahmen „die da
oben“ die Gefahr doch noch nicht allzu ernst.
Na ja, obgleich irgendwie
weiblich – das BTS war die hässlichste Konstruktion der ganzen Galaxie
und noch dazu nur ein unbeweglicher Computer, kein Roboter. Aber Prof.
Hoover hatte zu Lebzeiten ganze Arbeit geleistet: An guten Tagen konnte
seine Kreation den Philosophen Descartes zitieren, ohne je ein Buch in
Händen gehalten zu haben! In einem einzigen Satz brachte es alles auf
den Punkt: „Ich denke, also bin ich“ …
An einem Tag im August
hatte es alle Autofahrer der Welt in einen 3.709 Kilometer langen Stau
umgeleitet, ein anderes Mal beharrte es auf dem Bau von hunderten von
Atomkraftwerken, nur um sein schier unerschöpfliches Bedürfnis nach
bassdröhnender Technomusik stillen zu können. In dieser Art waren die
Einfälle des BTS-Computers mal mehr, mal weniger gut. BTS begrub Pizza,
Fritten und Hamburger in seinen halb organischen Laufwerksöffnungen,
schleuderte sonntags Wäsche und stellte seinen Hausmüll (Ionenbomben,
Titanwürfel und Atronitalsäure) einfach vor die Wohnungstür. Folglich
wurde es sowohl von Freunden als auch von Nachbarn und Gegnern
respektvoll nur „das System“ genannt.
Silverman lässt seinen
männlichen Falkenblick über die krasse Bordelektronik der
Orbitalstation schweifen. Gegen den Laser war ja an sich nichts
einzuwenden, aber diese Dinger funktionierten doch schon seit Jahren
nicht mehr mit Energieakkus. Er würde ein verdammtes Energiemagazin
suchen müssen. Widerwillig greift er nach den Konzentraten:
Vitaminkonzentrat, Wasserkonzentrat. Er würde sich in den nächsten
Monaten daran gewöhnen müssen. Der Translator hingegen war kaum zu
gebrauchen, verstand er doch neben dem Sächsischen nur ca. 3.640
Planetial-Dialekte. Aber Silvermans Generation weiß noch: Im All kann
man alles gebrauchen.
Für
große Karten das entsprechende Bild anklicken
Kampf
gegen die Scanner
„Blauer Planet, ich
komme!“, grunzt Silverman schon acht Monate später vergnügt. In diesem
Zeitraum hat er nämlich entdeckt, dass er nur „BETRETE RAUMGLEITER“
eingeben muss, um glücklich an Bord seines Kurzstreckengleiters zu
gelangen. Dank Lichtgeschwindigkeit ist er auf der Reise etliche Jahre
jünger geworden; er fühlt sich wie neu geboren. Selbst die monotone
Stimme des Bordcomputers scheint heute etwas heiterer zu klingen: „All
Systems OK and online. Innentemperatur: 21 Grad Celsius.
Geschwindigkeit: 3.124 km/h. Radianwinkel 2,000102“, ertönt es
blechern. „Kamma nich’ meckern“, kommentiert Silverman gönnerisch. Das
selbstzufriedene Grinsen weicht aber gleich wieder zu Gunsten einer
coolen Angespanntheit in den markanten Zügen des Pilots. Auf dem
Raumhafen ist nämlich ein Kampfroboter stationiert – online mit BTS.
Mit einem eleganten Sprung entwindet sich Silverman dem
Kurzstreckengleiter – auf alles gefasst. Der Kampfroboter grüßt völlig
unbeeindruckt. Silverman lässt den Laserstrahl zurückfahren.
Großspurig und nach Art
der Fernfahrer mit den Armen rudernd überquert er die Landebahn.
Offenbar weiß noch niemand auf der Erde von seiner Identität und seiner
Mission. „Zeit, den Laden umzukrempeln“, denkt er. Da kommt auch schon
sein Scout – ein süßer, kleiner, manchmal etwas täppischer Roboter, und
schnarrt: „Das Oberkommando hat mich dir unterstellt. Ich beginne
meinen Auftrag.“
Scout und Silverman
kippen sich im Casino von Terranias City erstmal gehörig einen hinter
die Binde. Eine Weltrettung will schließlich mit Bedacht angegangen
werden. So wird auch der Plan geboren, Silverman solle sich aus einem
ehemaligen Waffenlager des Militärs bedienen und dann bei Gelegenheit
das Atomkraftwerk von Terrania in die Luft jagen. „Na klar, Alter.
Geiler Plan. Wenn die BTS ihren Technoschrott nicht mehr hören kann,
wird sie auch sonst keine Störsignale mehr aussenden.“
Unterwegs zur billigsten
Pension gibt es eine Rangelei mit dem kontrollgeilen Scanner des BTS.
Und dann finden sie sich mithin etwas seekrank in den Slums wieder.
Silverman rempelt einen blaugeschuppten Extraterrier an. „Greafft el
Gradb?“ Silverman, fast wieder nüchtern: „Hör mal zu, du komische Unke.
Wenn ich hier vorbei muss …“ Aber dann: „He, ich glaub’, mein Schwein
pfeift – das ist ja Akane, der berühmte Bruchpilot! Altes Haus!“ –
„Graaht er te yiisaht“. Der hochmoderne Translator kommt zum Einsatz!
Der Xione erklärt, er brauche Hilfe bei der Befreiung seines Copiloten
Taan.
Berufs-Star Silverman
erledigt das so nebenbei mit seinem Laser. In den Slums muss er Taan
nicht lang suchen – der steckt in einem Bunker fest und kennt übrigens
einen Gleiter-Steuerungs-Befehl.
Am nächsten Tag gibt es
gute Neuigkeiten vom Scout. Er hat das Passwort des Inforoboters
ausgespäht – es lautet „GUEST“. In seiner unnachahmlichen Art traktiert
Silverman daraufhin den Inforoboter mit hohlen Phrasen, ohne zu merken,
dass dieser gar nicht eingeschaltet ist. Bis ihm endlich die zündende
Idee kommt: „FRAGE INFOROBOTER, GUEST, WEGEN BTS …“ – „OK, Sir. Was
kann ich für Sie tun?“. – „INFOROBOTER“, Silverman steckt sich eine
filterlose Zigarette an und versucht vergeblich, wichtig auszusehen,
„LOESCHE MEIN STRAFREGISTER.“ – „Zweimal ohne Ausweis angetroffen …
Alkoholmissbrauch … Beamtenbeleidigung und Widerstand gegen die
BTS-Gewalt … illegales Glücksspiel … Gefangenenbefreiung …
Spionagetätigkeit …“ – „Genau, das meine ich.“
Eine im Slum streunende
Katze schenkt Silverman in seiner unendlichen Güte dem greisen
Museumswärter. Daraufhin wird der ein bisschen zugänglicher und
plaudert das geheimste Kodewort des verstorbenen Prof. Hoover aus.
Silverman
hat die Schnauze voll von der Erde
Es muss irgendwann auf
diesen Reisen zwischen dem Vitaminkonzentrat in der Raumfähre, dem
Springbrunnen vor dem Kasino und dem Inforoboter passiert sein. „Erde,
Erde, Erde! Ich kann's nicht mehr hören!“, grölt Silverman, der sich
seit drei Tagen nicht mehr rasiert hat. Inzwischen hat er ein
Atomkraftwerk in die Luft gejagt (die Quantenbombe hatte
praktischerweise eine Taste) und einen Wachroboter wegen eines
Gläschens Atronitalsäure mit dem Impulsstrahler ins Jenseits befördert.
Seit Wochen trug er dieses hochgradig ätzende Zeug mit sich herum.
Und jetzt kam auch noch
die Positronik ins Spiel. Kaum aktiviert, beförderte sie ihn mal hier-,
mal dorthin. Dabei war für ihn doch nur die geheime Datenbank von
„verdammtem Interesse“…
Irgendwann war es dann
doch soweit. Terminal in der Datenbank hervorgesucht, Speicherkarte ins
Terminal gesteckt. Kodewort „RAKS“ in Erfahrung gebracht. Klappe zu,
Affe tot. Ein letztes Mal zurück zum Transmitter und mittels
namentlicher Eingabe ab nach BTS, sprich, erst einmal mitten in den
Langstreckengleiter.
„Gleiter, GOBTS!“. Was
für ein Tag. Aber es würde noch schlimmer kommen.

In der Orbitalstation gibt es
alles, was man als Held so braucht.
Auf
der Jagd ist auf der Flucht
Kaum gestartet, heftet
sich ein Scangleiter an die Fersen von Silverman. Der Gegner feuert aus
allen Rohren, unser sympathischer Langstreckengleiter vibriert
erheblich unter den zahlreichen Einschlägen. Die Energieanzeige geht
kontinuierlich zurück. Das Cockpit wird von Warn-Piepstönen erfüllt.
Der Tank ist ausgelaufen. Die Navigation ist ausgefallen. Sollte so das
Ende aussehen? Nein, denn der Kampfcomputer in der Bordelektronik
meldet sich zu Wort: „Wir sind getroffen. Ihr Kommando, Sir?“ Gut,
vorher mal in der Datenbank nachgesehen zu haben.
Der Langstreckengleiter
legt eine 1A Bruchlandung mitten in den Regenwald des BTS-Planeten aufs
Parkett. Silverman lebt! Und wird von einer unfreundlichen
Überwachungskamera angestarrt. Der Laser scheint noch zu funktionieren,
oder aber die Überwachungskamera ist von minderer Güte. Jedenfalls geht
sie kaputt, als G. S. den 30.000 °C heißen Lichtstab darauf richtet.
Bleibt die Frage, wohin.
Der Empfangsroboter ist zwar freundlich, aber irgendwie nicht wirklich
hilfreich. Das ist hier nicht anders als in den großen Empfangsgebäuden
des Kapitalismus auf der Erde.
Das
Denkmal des Diktators
Der sagenumwobene General
schlägt sich in die Büsche. Das Löschen des Strafregisters besorgt
diesmal der „Kleine“, ebenso die Versorgung mit Vitaminkonzentrat.
Wasser gibt es beim Canyon. Und so geht es durch zwei miteinander
verbundene Labyrinthe.
Als er ein Denkmal sieht,
das gewisse Züge von Prof. Hoover aufweist, mäht er es mit seinem Laser
nieder. Dahinter verbirgt sich interessanterweise eine Kodekarte. Aber
auch sonst kann er wieder alles gebrauchen, was in der Gegend
herumliegt: Magnetschlüssel, Spraydosen, Steine.
Keine Frage, das
Titanschott, das da im Dschungel versteckt liegt, schreit natürlich
nach einem Titanwürfel zur Legitimation für den Eintritt. Hinter der
Tür lauert ein Kontrollroboter und schnarrt: „Identifikation, bitte!“.
Auch das ist kein Problem, wenn man im ersten Teil mit dem
geschwätzigen Katzenliebhaber gesprochen hat, der Hoover noch
persönlich kannte. Nicht mehr und nicht weniger als das „ARMAGEDDON“
wird hier gefordert. Silverman schaut sich um (nota bene: SCHAU), und
findet, dass die Tür nach draußen nun für immer verschlossen ist. So
tappt er stattdessen den langen Korridor entlang, wobei er immer noch
von dem lästigen Scanner verfolgt wird. Langsam fragt er sich, wie
Hoover das alles im Kopf ausgehalten hat. Am Ende des Gangs ist ein
Aufzug angebracht.
Eines hat Silverman im
Urin: Bevor er jetzt auf dem Tastenfeld die „EINS“ drückt, sollte er
lieber das Spiel abspeichern. Denn dort kann er zwar noch einen Blick
in die ehemalige Zentrale werfen – aber auch wirklich nur noch einen
letzten. Stattdessen geht es ein Stockwerk weiter rauf zur ZWEI.
Als hübsches Pendant zur
Quantenbombe hat Hoover hier eine nunmehr verstaubte Ionenbombe liegen
lassen. Die funktioniert genauso gut wie erstere – allerdings nur, wenn
die äußeren Umstände dazu passen.
Silvermans
Abneigung gegen Kraftwerke
Mit dem Konverter im
Maschinenraum bezweckt BTS das Gleiche wie mit dem Atomkraftwerk auf
der Erde. Offenbar liebt es die Nähe zur schmutzigen Energie.
Entsprechend viel Freude bereitet es, das Ding kaputt zu machen. Und
das geht so: Silverman legt einen Titanwürfel in den Konverter.
Daraufhin zündet er seine elegante Taschen-Ionenbombe und macht sich,
hämisch die Hände reibend, davon …
Aber lassen wir noch
einmal Silverman selbst zu Wort kommen: „Gott verdamm’ mich. Warum ist
auf dieser Landkarte ausgerechnet das verschlafene Nest Princetown
eingekringelt?!“. Ein Geistesblitz durckzuckt den Heroen: „Na klar, das
muss ein weiteres Kodewort sein!“
Hoffen wir mal, dass er
die Öffnung im Terminal findet, in die er die Kodekarte aus dem Denkmal
einsetzen soll. Aktivieren kann er das Teil aber nur zusammen mit dem
geheimen Kodewort von der Weltkarte. Ein letztes Mal wird er
aufgehalten.
Abrechnung
im verrückten Haus
„Identifikation bitte“,
schnarrt der Controlscanner metallen. „Ärger mich nicht!“, erwidert
Silverman. Nichts kann ihn jetzt mehr aufhalten. Einfach den
Infocomputer von Taan am Controlscanner befestigt, und schon geht es
weiter.
Nur Notstromaggregate
erhalten die miese Existenz des BTS noch aufrecht. Der Strom reicht
aber nicht mehr aus, um alle Sicherheitstüren zu verschließen. Deshalb
genügt es völlig, die letzte Überwachungskamera mit roter Farbe zu
übersprühen. Und schon schreitet der General zur Abrechnung mit dem
Cyborg: „Du bist es, schleimiges BTS!“ – „O nein, Ihr habt mich
gefunden!“ – „So ist es. Wie schmeckt dir das?“. Silverman – die
Atronitalsäure – der Cyborg – brutzel, schmatz, röchel – nein, es
ist einfach zu schrecklich.
Ziehen wir den Hut und
verneigen wir unser schweres Haupt vor den sterblichen Überresten des
einzigen BTS-Computers auf der ganzen Welt.
(Inoffizielles Longplay
8/2005; Autor: Fabian Theurer)
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