The Train

4/2004

 

Das Spiel

23. August 1944. Der Bahnhof von Metz. Kurz vor Mitternacht. Unsere Gruppe hatte die Aktion lange geplant. Trotzdem war es eine heikle Aufgabe, bei der vieles schief gehen konnte. Es gab einfach zu viele ungewisse Faktoren. War der Zug wirklich nur leicht bewacht, wie es unsere Informanten vorausgesagt hatten? Es war wahrscheinlich, da die Nazis es vermeiden wollten, mit der Aktion große Aufmerksamkeit zu erregen. Wie würden sie reagieren, wenn wir erst einmal die Kontrolle über den Zug erlangt hatten? Keiner wusste das so genau. So verrückt und verzweifelt wie die Deutschen durch die Lage an der Front waren, wären die noch imstande und jagten den ganzen Zug in die Luft. Welchen Wert hatten die Kunstwerke angesichts einer bevorstehenden Niederlage überhaupt noch für sie? Bald würden wir eine Antwort auf diese und noch viele weitere Fragen bekommen …

 

 

Punkt Mitternacht ging die Aktion los. Die Wachen am Zug selbst waren schnell ausgeschaltet. Jetzt musste mein treuer Heizer Le Duc noch das Signal stellen. Aber was war das? Wir wurden aus dem Bahnhofsgebäude heraus aufs Schärfste beschossen. Von wegen „leichte Bewachung“! Er konnte nur noch schnell „Gib mir Deckung!“ rufen und rannte los in Richtung Signal. Das brauchte er mir nicht zweimal zu sagen. Ich war sofort an der 12-mm-Kanone und erwiderte das Feuer. Wir hatten vorher vereinbart, dass wir die südlichste Route nehmen würden. Das war zwar die längste und schwerste Route, aber die anderen Routen sahen irgendwie verdächtig aus. Während ich das Gebäude unter Dauerbeschuss nahm und auf alles zielte, was irgendwie verdächtig aussah, stellte Le Duc das Signal und rannte zurück zum Zug. Schnell eingestiegen, die Bremsen gelöst und die Drossel geöffnet. Schon setzte sich die Lokomotive langsam und schwer schnaufend in Bewegung. Puh, fürs erste gerettet! Aber das Abenteuer ging gerade erst los …

Für eine große Karte Bild anklicken!
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Die Resistance hatte uns eine genaue Übersichtskarte mitgegeben, auf der alle Strecken, Bahnhöfe und Brücken eingezeichnet waren. Wir waren unterwegs in Richtung LeVis und Nancy.

Zuerst einmal mussten wir uns an Bord des Zuges zurechtfinden. Zwar hatte ich von der Resistance einen Crashkurs in Zugtechnik erhalten, aber in der Realität sah das dann doch etwas anders aus. Links befanden sich die Drossel und der Kessel, daneben die Bremse, der Richtungshebel und das Dampfventil. Rechts oben war noch die Pfeife, die ich zum Stellen der Signale brauchte.

Doch kaum waren wir unterwegs, kam auch schon der erste Fliegeralarm. Mist! Wir waren entdeckt worden. Nichts wie rauf aufs Dach und die 12mm-Kanone betätigen. Bäng! Hat ihn erwischt. Doch eine Messerschmitt kommt selten allein. Und so kam auch schon der zweite Flieger, diesmal von hinten. Leider war der Pilot etwas gewiefter und flog kleine Kurven, um mich zu verwirren. Das wäre ihm auch fast gelungen, doch im Wegfliegen erwischte ich ihn dann doch noch. Pech für dich, Junge!

Im Führerhaus musste ich erst mal Kohlen nachschaufeln, da die Temperatur im Kessel sehr niedrig war. Kurz darauf erinnerte mich eine Meldung daran, dass in neun Kilometern eine Weiche kam. Ein schneller Blick auf die Karte verriet mir, dass die linke Spur direkt in eine Sackgasse führte. Also pfiff ich einmal, um das Signal auf rechts zu stellen. Die Signallampe schaltete um, und so passierte ich die Weiche kurze Zeit später in Richtung LeVis. Als die Meldung erschien, dass der Bahnhof kurz voraus lag, drosselte ich das Tempo, um langsam in den Bahnhof einzurollen und den Zug zum Stillstand zu bringen.

Doch die Deutschen erwarteten uns schon. Wir wurden aus dem Bahnhofsgebäude heraus beschossen, was ich wieder einmal mit einigen Salven aus meiner Kanone beantwortete. Zum Glück hatte Le Duc schon bald das Bahnhofsgebäude erreicht und die Deutschen im Gebäude überwältigt.

Am Telegraph lag eine Meldung der Deutschen, die alle Bahnhöfe auf der Strecke über unser Kommen informierte. Wir würden also mit heftigem Widerstand rechnen müssen. Ich überlegt, ob ich die Resistance um Hilfe bitten sollte, aber momentan sah die Lage noch recht gut aus, so dass ich mich dagegen entschied. Le Duc hatte in der Zwischenzeit Wasser und Kohlen wieder aufgefüllt. Ab in den Zug und weiterfahren.

Nach einigen Kilometern machte mich eine Meldung auf die nächste Brücke aufmerksam, bei der ich unbedingt anhalten musste, da mich sonst die Deutschen mitsamt der Brücke in die Luft sprengen würden.

Kurze Zeit später erreichte ich die Brücke, die von vier Kanonenbooten geschützt wurde. Ich versuchte, immer auf das Boot zu zielen, das mich gerade unter Beschuss nahm. Das war gar nicht so einfach, aber schließlich hatte ich alle Boote versenkt und die Brücke war in unserer Hand. Nichts wie weg hier, dachte ich nur. Ich hatte einige Treffer einstecken müssen, was mir später auch ein Blick auf die Statusanzeige (<F7> während der Fahrt) bestätigte.

Nachdem ich bei der nächsten Weiche wieder das Signal auf die rechte Spur gestellt hatte, erreichte ich kurz darauf den Bahnhof von Nancy, an dem ich natürlich anhielt, da mir danach eine längere Strecke ohne Bahnhof, d.h. ohne Nachschub an Wasser und Kohlen bevorstand.

Im Bahnhofsraum fand ich einige Telegramme vor, die mich darüber informierten, dass ich in Zukunft verstärkt mit Luftangriffen zu rechnen hatte. Dem war dann in der Tat so: Kaum war ich aus dem Bahnhof von Nancy hinausgefahren, kamen schon die ersten Flieger der Deutschen. Die ganze Strecke nach Tour verbrachte ich mehr Zeit bei der Kanone auf dem Dach als im Führerhaus, da die Deutschen eine Angriffswelle nach der anderen flogen. Die Kunstwerke an sich schienen ihnen inzwischen ganz egal zu sein. Immer wieder musste ich hinabsteigen, um Kohlen nachzuschaufeln oder das Tempo etwas zu drosseln, da der Kesseldruck sonst zu niedrig zu werden drohte.

In Tour ersuchte ich die Resistance um Hilfe, da die Zeit langsam knapp zu werden drohte und ich unbedingt vor Sonnenaufgang (8:00 Uhr) in Riviere sein musste. Ich bat darum, mir bei der Sicherung der letzten Brücke zu helfen. Dies wurde mir auch prompt positiv bestätigt, so dass kurze Zeit später die Brücke auf der Karte in gelb erschien, was soviel wie „gesichert“ bedeutet. Also konnte ich, begleitet von schweren Luftangriffen der Deutschen, den Bahnhof von Riviere, gerade noch rechtzeitig vor Sonnenaufgang erreichen. Zwar waren die Kunstwerke durch die heftigen Luftangriffe etwas beschädigt worden, aber das war immer noch besser, als wenn sie den Deutschen in die Hände gefallen wären.

Für diese Aktion bekamen Le Duc und ich ein paar Auszeichnungen von den Amerikanern und von den Franzosen. Kaufen kann ich mir dafür nichts, aber ein tolles Abenteuer war es alle Mal.

 

(Inoffizielles Longplay 4/2004; Autor: Markus Lippoth)