They stole a Million

5, 7, 11/2002 und 11/2005

 

They Stole A Million – gelöst!

»Wollen Sie eine Million? Dann kaufen Sie doch einfach ein Los der Super-Abzock-Klassenlotterie – Gewinnchance 98 Prozent!« … Davon hatte ich wirklich genug. Klar wollte ich eine Million, aber Glücksspiel scheint da kein Weg zu sein. Wenn ich hart arbeite, wird nur mein Chef reich und mit Aktien ist auch nichts zu machen. Und somit war die kriminelle Energie in mir entfacht …

 

Ich beschloss also, ein Ding zu drehen. Einzusteigen. Zu rauben, zu klauen. Warum auch nicht – die Versicherung bezahlt sowieso den Schaden, und da diese sich zahlreiche Fernsehspots leisten können, haben sie offensichtlich sowieso zuviel Geld. Nun, ich habe zu wenig … also los geht's! Die Kontakte zur Unterwelt waren alsbald geknüpft, und mit 55.000 € Startkapital konnte ich es mir schon leisten, einige Informationen zu »organisieren«. So beschloss ich, für meinen ersten Einbruch als Ziel das Geschäft des Mr. Humbug zu wählen – er besaß eine der führenden Münzhandlungen des Landes. Somit waren dort superseltene Münzen und feinste Silbertrophäen zu holen. Allerdings gab's dort auch eine Alarmanlage … Allein dreht man solche Dinger sowieso nicht, aber mit einem Team fähiger Köpfe würde es sicher klappen.

Mein Informant bot mir zusätzlich zu dem Gebäudeplan noch weitere Daten an. So zum genauen Wert der Beute: Ich kaufte alle Infos zu Münzen, Silber und Bargeld, um genau zu wissen, was wir wo finden konnten. Besonders interessant war der Hinweis auf die 1879er 0,5-Zlotti-Münze aus Kroatien, die der Ladenbesitzer im Schrank unter der Spüle im hinteren Büro versteckt hielt. Bargeld gab's in der Kasse und im Safe, außerdem noch diverses Silberzeug. Die Sicherheitsdaten zum Münzhandel las ich mir ebenfalls durch. Angeboten bekam ich auch einen Plan des Safe-Schließmechanismus', welchen ich aber nicht kaufte. Die Alarmanlage ging los, sobald man versuchte, die Glasvitrinen aufzubrechen oder zu zertrümmern. Ob ich den Plan zur Entschärfung der Alarmanlage kaufen wolle? Nein, erst einmal nicht, denn dazu bräuchte man einen Alarm-Experten, und die sind teuer.

 

Ziel 1 – Coin Dealers

Nun hörte ich mich um, wer in dunklen Kreisen bereit wäre, bei dem Coup mitzumachen. Etliche schwere Jungs boten mir ihre Dienste an, aber ihre Vorstellungen, wieviel ich ihnen für ihre Mitwirkung zahlen sollte, waren ziemlich drastisch. Außerdem verlangten sie einen prozentualen Anteil an der Beute … So würde ich am Ende vielleicht weniger als mein Startkapital haben und dazu noch ein gesuchter Verbrecher sein – nein, danke. Nach langem Grübeln beschloss ich, Detonator D'Arcy mit an Bord zu nehmen. Er war Fahrer – ideal, um den Tatort schnell zu verlassen und somit unabdingbar. Doch das Beste: Er war auch Sprengstoffexperte! Nach seiner Einschätzung wäre es für ihn ein Leichtes, den Safe des alten Mr. Humbug einfach zu sprengen und auszuräumen. Also, er war dabei.

Nur: Zu Zweit so ein doch recht großes Geschäft zu überfallen, mag manchem von euch sehr gewagt vorkommen – nun, es sei euch freigestellt, auch noch Big Dave Cannon mit dazu zu nehmen, wenn ihr selbst auch meinen Weg zum Reichtum gehen wollt. Dies ist sehr zu empfehlen, wenn ihr noch neu im »Geschäft« seid und daher schnelle Erfolgserlebnisse braucht. Ich versuche es jedoch nur mit einem Zweierteam – da bleibt für mich als Boss am meisten übrig. Als Hehler pickte ich mir Small Change Sue heraus, sie konnte das Diebesgut sehr schön unter die Leute bringen, ohne dass auch nur der kleinste Verdacht auf uns fallen würde.

 

Die Ausführung

D'Arcy und ich brüteten zwei Nächte lang über dem Gebäudeplan und legten alles genau fest. Wir entschlossen uns, zunächst alles auszurauben, was nicht mit der Alarmanlage verbunden war – also Safe, Kasse und Spülschrank. Dann würden wir uns an die Glasvitrinen machen und in dem Augenblick würde auch der Alarm losgehen. Dann musste das Ausräumen sehr schnell gehen und wir mussten sehr fix verschwinden. Und dann kam der Tag bzw. die Nacht meines ersten Coups …

D'Arcy parkte unser Fluchtauto, einen Austin Mini der alten Generation, vor dem Eingang zur Münzhandlung. Ich begab mich sogleich zur Eingangstür und knackte das Schloss, da D'Arcy mit seinen Wurstfingern da wohl länger gebraucht hätte. Er wartete währenddessen also etwa 20 Sekunden im Wagen und kam dann hinter mir her. Schlauerweise schloss er die Tür von innen, damit nicht gleich jeder, der vorbeikam, wusste, dass hier etwas faul war. Und nun konnte der Raubzug beginnen. Ich lief gleich ganz rauf bis zur zweiten verschlossenen Tür, die ich nach etwas Gefummele an dem alten Schloss auch auf bekam.

Derweil machte D'Arcy sich an der Registrierkasse zu schaffen, die er mit einigen unsanften Schlägen bald offen hatte und das Geld daraus einstrich. Ich machte mich gerade an das Schloss zum hinteren Büro (Tür oben), da kam D'Arcy auch schon hinter mir her und nahm sich die Tür zum Tresorraum vor. Er brauchte zwar eine ganze Weile dafür, aber so lange kein Alarm ausgelöst wurde, war das ja nicht so schlimm. Ich hatte das Schloss nun aufgebrochen und begab mich direkt zum Küchenschrank. Der war zwar abgeschlossen, aber mit einem »sanften« Tritt öffnete er sich. Zwischen Meister Propper und Fairy Ultra lag die Münze dann tatsächlich: ein halber Zlotti, doch tausende von € wert! Ich griff zu. In dem Augenblick gab es einen Knall und ein leichtes Zittern ging durch alle Gegenstände im Raum. D'Arcy hatte wohl soeben den Safe gesprengt – das lief ja wie am Schnürchen!


Die Münzhandlung. Für eine große und besser lesbare Karte bitte das Bild anklicken

 

Cash, Münzen und Silber

Nun machte ich mich auf zu den Glasvitrinen im links unten auf dem Plan eingezeichneten Gebäudeteil. Plötzlich hörten wir das Sirenengeheul eines Polizeiwagens und froren in unseren Bewegungen ein (»Freeze«) – das konnte doch nicht uns gelten, oder? Nach einer Weile war die Gefahr vorüber, und wir konnten uns wieder an die Arbeit machen.

D'Arcy hatte alles Bargeld aus dem Safe geholt und begab sich dann zur nächstliegenden Glasvitrine. Er wartete dann etwa zehn bis zwölf Sekunden, damit der Alarm nicht zu früh losging. Den ersten Kasten unten rechts im ganz linken Gebäudeteil schlug ich nun ein. Ich hatte noch gar nicht richtig angefangen, als auch schon der Alarm losging – D'Arcy hatte mit seiner Arbeit an der Vitrine links oben, im oberen Gebäudeteil, begonnen. Ab jetzt war also die Polizei informiert und viel Zeit blieb uns nicht mehr.

Ich ließ die glänzenden Dinge in der Vitrine liegen – wir hatten es so abgesprochen, dass D'Arcy sich diese holen würde, damit ich Zeit für die anderen Vitrinen hatte. Ich zerschlug also als Nächstes die Vitrine ganz links und raffte den Inhalt zusammen, danach das Gleiche mit der Vitrine links oben. D'Arcy nahm sich derweil die Vitrine an der rechten Wand im oberen Gebäudeteil vor, danach die beiden Vitrinen rechts und links im Mittelteil des Geschäfts. Das Glas war nicht besonders dick, somit konnte gerade er es leicht zertrümmern und den Inhalt – alte, wertvolle Münzen und Silbergeschirr – an sich nehmen. Ich war nun mit den Vitrinen fertig und begab mich zur Tür, die ich öffnete und dann ins Auto sprang. D'Arcy räumte schnell noch die letzte, von mir schon vorbereitete Vitrine aus, lief dann zum Auto und setzte sich hinters Steuer. »Los!« rief ich, und er startete durch. In dem Augenblick kam ein Streifenwagen um die Ecke! Wir rasten los und dank D'Arcys Fahrkünsten hatten wir die Polente bald abgehängt. Das war extrem knapp für den ersten Coup, drum wird's euch niemand verübeln, wenn ihr mit mehr Leuten im Team euer Glück versucht. Falls ihr damit jedoch mehr Kohle als ich machen solltet, lasst es mich wissen!

 

Die Ausbeute

Zurück in unserem Versteck schauten wir uns die Ausbeute an: In der Kasse waren 500 € gewesen, die D'Arcy mitgenommen hatte. Im Safe waren sage und schreibe 9.500 €! Dazu hatte er noch Münzen im Wert von 9.500 und 6.500 € sowie Silber im Wert von 10.000, 8.000 und 7.000 € erbeutet. Ich selbst konnte 15.000 € für die seltene kroatische Münze verbuchen, 11.000 für weiteres »Kleingeld« aus alter Zeit sowie silberne Trophäen im Wert von 11.000 €. Von der ganzen Beute standen Detonator D'Arcy somit 8.800 € zu und für mich blieben fette 79.200 € übrig. Somit hatte ich, zusammen mit dem, was noch von meinem Startkapital erhalten geblieben war, jetzt eine feine Barreserve von 107.200 €! Damit konnte ich sehr zufrieden sein. Denn dies war ja erst der Anfang, und für richtig große Dinger musste man im Voraus schon eine ganze Menge anlegen, um überhaupt an die nötigen Infos zu kommen … da konnte ich wirklich jeden Cent brauchen.

 

Ziel 2 – Art Gallery

Nun hatte ich Blut geleckt. Ich suchte mir also sogleich mein zweites Ziel aus – die »Rickenbacher Private Collection«. Irgend so ein Ölmillionär hatte eine Menge Geld ausgegeben, um eine ansehnliche Kunstsammlung aufzubauen. So befanden sich in seiner Villa einige Gemälde sowie wertvolle Statuen. Leider gab's auch eine ganze Menge Alarmsysteme. Für 20.000 € bekam ich detaillierte Gebäudepläne. Zum Wert der Beute kaufte ich mir sämtliche angebotene Zusatzinfos (Artwork, Silver, Gold). Drei bestimmte Bilder waren soviel Wert, dass sich ein Diebstahl wirklich lohnte. Außerdem gab es drei silberne Statuen sowie eine goldene Statue. Nur mit den Extrainfos findet man diese dann auch auf dem Plan wieder. Natürlich las ich mir auch genau die Alarminfo durch, aber die genaue Lage der Alarmsysteme sowie deren Funktionsweise interessierten mich dann doch nicht, und zwar aus einem ganz einfachen Grund: Bei so vielen Alarmsystemen würde das Entschärfen nicht nur ewig dauern, man bräuchte neben den ohnehin schon kostspieligen Schaltplänen der Alarmanlagen noch einen Alarmexperten. Die Schlag-zu-und-hau-ab-Taktik müsste hier doch viel besser zum Ziel führen.

Als Hehler wählte ich diesmal Oils O'Sullivan. Vom vorigen Erfolg und vor allem dem Duft der Banknoten angestachelt, wollte ich auch diesmal lediglich mit einem Zweierteam zuschlagen, um nicht zu viele Prozentteile der Beute an meine Helfer abtreten zu müssen. Mein erster Coup hatte sich offenbar schon herumgesprochen, die Forderungen der dunklen Gestalten waren doch tatsächlich leicht angestiegen. Ich entschied mich, Baby Face Clive zu meinem Kollegen bei diesem »Ding« zu machen. Er war ein sehr guter Fluchtfahrer und dazu noch so geschickt, dass er jedes Schloss sehr schnell aufbekam.

 

Die Jagd nach den Kunstschätzen beginnt

Nach gründlicher Planung standen wir eines Nachts wieder mit dem Mini vor unserem anvisierten Ziel, der Villa von Ölmillionär Rickenbach. Clive sollte sich mit seinen Knack-Künsten an den zahlreichen verschlossenen Türen versuchen. Außerdem war es unumgänglich, dass der Alarm losging, deshalb würde exaktes Timing nötig sein, um keine wertvolle Zeit zu verlieren und wirklich aller Beute habhaft zu werden.

Die breite Vorortstraße war menschenleer, alle umliegenden Häuser waren ebenso wie unser auserwähltes dunkel. Clive machte sich also an der Eingangstür zu schaffen und hatte sie auch bald offen. Ich folgte ihm ins Gebäude. Clive wande sich nach links und ging durch die Tür. Ich ging nach rechts und durchquerte einige Räume Richtung Norden, bis ich rechts oben an einer Tür ankam, deren Schließmechanismus ich dann sanft zu bearbeiten begann. Währenddessen durchquerte Clive einen Raum Richtung Norden und nahm sich dann die Tür rechts vor. Kaum hatte er die geknackt und den nächsten Raum betreten, begab er sich auch schon zur Tür Richtung Süden und rückte deren Schloss zu Leibe. Ich hatte mich nach dem Knacken meiner Tür nicht hindurchbegeben, sondern war noch zurück einen Raum weiter südlich an einer Glasvitrine in Position gegangen. Währenddessen hatte Clive bald die südliche Tür offen, begab sich danach sofort zur nördlichen Tür und knackte deren Schloss.

Über Funk informierte mich Clive, dass er jetzt mit dieser nördlichen Tür loslegte. Das war mein Stichwort. Wenn alle Berechnungen stimmten, war genau jetzt der Moment für mich gekommen, um die Vitrine zu zertrümmern und auszurauben. Dies löste natürlich ziemlich schnell den Alarm aus, aber genau das hatten wir ja erwartet. Denn fast zum gleichen Zeitpunkt betrat Clive den Raum hinter der nördlichen Tür, was ebenfalls den Alarm triggerte. Hinter der Tür befand sich eins der wertvollen Gemälde, das er sogleich an sich nahm. Da die Vitrine laut der teuren Infos ziemlich stabiles Glas aufweisen sollte, hatte ich Clive beauftragt, nun auch hier seine Fingerfertigkeit anzuwenden und das kleine Schloss zu entfernen. Dies tat er auch im Handumdrehen und nahm die Statue ohne Umschweife mit.

Ich hatte nun die Vitrine ausgeräumt und lief in den Raum, dessen Tür ich vorhin schon vorbereitend geknackt hatte. Dort riss ich das Bild ganz rechts von der Wand und rannte zur Glasvitrine zwei Räume weiter südlich. Ich zertrümmerte sie, langte nach der Statue und begab mich dann auf schnellstem Wege zurück zum Wagen.

Clive hatte inzwischen auch das Gemälde aus dem südlichen Raum geholt und war dann wieder westlich durch die Tür gegangen, die er zu Beginn geknackt hatte. Er begab sich nun noch in den allernördlichsten Raum, um dort die letzte Statue aus einer Vitrine zu entfernen und unserem Sortiment hinzuzufügen. Dazu knackte er wieder das Schlösschen, anstatt zu versuchen, das stabile Glas in Splitter zu zerlegen. Danach rannte er so schnell wie möglich zu unserem Auto und sass bei Zeitindex 3:02 hinterm Steuer. Trotz des Alarms war noch keine Polente in Sicht, aber sie musste jede Sekunde hier sein. Ich gab Clive das Kommado, loszufahren und in Windeseile waren wir mit unserem Mini sowie den wertvollsten Kunstgegenständen der Rickenbacher Kollektion über alle Berge!


Die Privatsammlung Rickenbach. Für eine große und lesbare Karte bitte das Bild anklicken
 

 

Das Resultat

Baby Face Clive hatte die goldene Statue im Wert von 30.000 € im Gepäck, ebenso eine silberne im Wert von 8.600 € und zwei Gemälde im Wert von 20.000 und 25.000 €. Ich hatte zwei Silberstatuen im Wert von 10.000 und 11.400 € sowie ein Gemälde im Wert von sage und schreibe 45.000 €. Das machte eine Gesamtbeute von fetten 150.000 €! Davon bekam Baby Face gerade mal 15.000 €, somit blieben satte 135.000 € für mich. Somit belief sich mein Guthaben nun auf 181.400 € – damit konnte ich mehr als zufrieden sein – zumindest für den Augenblick …

 

Achtung!

Noch mal zu den ersten beiden Zielen: Falls die Polizei doch kommt, kurz bevor ihr im Auto sitzt – nicht verzagen, einfach noch mal probieren. Das Timing bei den hier geschilderten Planungen ist teilweise so eng, dass man eben ein bisschen Glück braucht.

 

Ziel 3 – Diamond Merchant

Geld regiert die Welt, und dieser Missstand wird sich, wenn überhaupt, nur sehr langsam ändern. Bis dahin will ich jedenfalls reich werden, und meine ersten beiden Besuche beim Coin Dealer und in der Art Gallery waren ja schon äußerst erfolgreich. Satte 181.400 € hatte ich bei diesen Einbrüchen erbeutet. Damit konnte ich mich jedoch nicht zufrieden geben, denn mein Ziel war: eine Million! Und deshalb steht jetzt der Diamantenhändler auf dem Programm …

Unsere ersten beiden Ziele waren eigentlich relativ schnelle Erfolge gewesen. Doch beim Diamond Merchant wehte ein anderer Wind: ein zweistöckiges Gebäude, gespickt mit Infrarot- und Druckalarmsystemen, Kameras und Wachleuten! Dies würde eine ganz schön harte Nuss werden.

Mein Informant hatte zum Glück reichlich Daten über das Geschäft von A. J. Glintz: So sollte es dort nicht nur feinste Edelsteine geben, sondern außerdem noch Bargeld in gebrauchten Scheinen sowie Einiges an Gold. Ich kaufte ihm sämtliche Informationen über die Beute ab, so dass ich zum Beispiel vom »Tiger von Transvaal« erfuhr – so der Name eines einzelnen Juwels, welches der ganze Stolz von Mr. Glintz sein sollte. Wo sich dieser Stein befand, konnte ich dann dank der Informationen auf dem Gebäudeplan einsehen, ebenso die Position des Tresorraums, in dem sich das Bargeld sowie das Gold befanden. Außerdem waren Edelsteine an verschiedenen Stellen im Gebäude zu finden.

Beim Studium der Pläne fiel mir schon sehr bald auf, dass hier bei der Sicherheitskonzeption gut nachgedacht wurde: Bevor man auch nur in die Nähe des Tresorraums gelangen konnte, kam man an zwei Kameras vorbei, musste direkt neben einer Kamera stehend eine Tür knacken, nur um dann in einen durch Infrarotlichtschranken gesicherten Raum zu gelangen. Am weit entfernten anderen Ende jenes Raumes befand sich wieder eine Tür, deren Schloss geöffnet werden wollte – der Alarm würde schon ausgelöst, noch bevor man überhaupt an dieser Tür angelangt wäre! Die dann verbleibende Zeit hätte niemals ausgereicht, um in den Tresorraum einzudringen und dort alles Wertvolle an sich zu bringen.

So beschloss ich, mir für diesen Coup einen Alarmexperten mit an Bord zu holen. Meine Wahl fiel auf Bill Wires Smith, der neben ausgezeichneten Kenntnissen über die Elektronik von Alarmanlagen auch noch ein guter Fahrer war. Somit lohnte sich diesmal auch der Kauf sämtlicher Daten über die Alarmanlagen (Infrarot und Druckalarm) inklusive der genauen Elektronik-Schaltpläne.

Des weiteren wurden mir noch genauere Infos zu Platzierung der Kameras und Routen der Wachleute angeboten, die ich jedoch ablehnte. Der Verzicht auf diese Informationen würde zwar eine kompliziertere Planung bedeuten, war jedoch im Bereich des möglichen. Außerdem reichten meine Barreserven dafür gar nicht mehr aus. Als Hehler wählte ich Eldorado Eddie, denn er konnte Gold und Edelsteine sehr gut in bare Münze bzw. schöne neue €-Scheine umwandeln, ohne dass ich mit meinem Komplizen in Verdacht gekommen wäre.

 

Planung und Ausführung

Wie uns bald klar wurde, muss das Timing bei dieser Aktion schon recht genau stimmen, sonst wird man entweder von einer Kamera gesichtet oder läuft einer Wache in die Arme. Die Wächter waren zwar nur ehemalige Polizisten im Ruhestand, also nicht mehr die Jüngsten – dennoch waren sie nicht zu unterschätzen.

Nach langer Planung war es endlich soweit: Unser Mini stand abfahrbereit vor dem prunkvollen Gebäude des Diamantengeschäfts A. J. Glintz. Diesmal übernahm ich selbst das Schloss an der Eingangstür, denn Elektronikfreak Bill fehlte einfach das Verständnis für ausgeklügelte Schließmechanismen. Also wies ich ihn an, 21 Sekunden im Wagen zu warten. Nachdem ich die Eingangstür offen hatte, betrat ich sofort das Gebäude und im Anblick der Kamera wandte ich mich nach links, Bill folgte mir auf dem Fuße. In diesem Abschnitt des Flurs befand sich keine Kamera, aber hinter dem Durchgang lauerte bereits wieder eine. Da die Bilder der Kameras in einer bestimmten Sequenz vom Wachmann angeschaut wurden, gab es immer ein Zeitfenster, in dem man unbeobachtet vorbeischleichen konnte.

Bill stellte sich also vor den Durchgang und wartete zehn Sekunden, ging dann hindurch und die dahinter liegende Treppe hinauf in den ersten Stock. Ich selbst wartete nur bis 0:35, um dann wieder in den ersten Raum mit der Eingangstür zu gehen. Diese stand nämlich noch sperrangelweit offen und sollte ein Streifenwagen vorbeikommen, müssten wir den Dienst habenden Polizisten nicht unbedingt einen Wink mit dem Zaunpfahl geben, oder? Also schloss ich die Tür und begab mich danach sofort durch die Tür Richtung Süden, um mich dann im Nebenraum weiter links zu verstecken, damit ich der Patrouille gehenden Wache nicht begegnete.

 

Alarmsysteme ausschalten

Bill war inzwischen oben und bewegte sich nach Osten, durchquerte dann einen Raum in südlicher Richtung und traf im nächsten Raum auf eine Tür nach links, die verschlossen war. Laut Gebäudeplan befanden sich dahinter die Kontrollkonsolen für das Infrarot- und Druckmattenalarmsystem. Nun musste Bill das Schloss der Tür knacken, was zwar eine Weile dauerte, jedoch bald von Erfolg gekrönt war. Nun konnte er sich an den Alarmanlagen zu schaffen machen.

Im Erdgeschoss lag der Tresorraum, doch wie erwähnt war zunächst ein durch Infrarot gesicherter Raum zu durchqueren. Deshalb nahm sich Bill wie abgesprochen genau dieses Alarmsystem als Erstes vor. Der Bereich vor der Tresorraumtür war durch Druckmatten gesichert, weshalb dieses zweite Alarmsystem als nächstes dran glauben musste.

 

Dem Auge entgehen

Ich wartete bis Zeitindex 1:09 im besagten Nebenraum, doch dann rannte ich durch die Tür geradeaus bis zu einer Wand, begab mich dann einen Raum weiter runter und stand vor einer verschlossenen Tür. Ein Kameraauge starrte mich an, doch gerade jetzt hatte der zuständige Wachmann wohl auf eine andere Linse umgeschaltet. Ich machte mich also sofort daran, das Türschloss zu knacken. Doch als die Tür offen war, stürmte ich nicht sofort hindurch – dahinter befand sich ja der Infrarotalarm! Ich ging also wieder einen Raum hoch, bis die Nachricht über Funk kam, dass der Infrarotalarm durch Bill Wires Smith deaktiviert wurde. Sofort rannte ich wieder nach unten und an der Kamera vorbei rechts durch die Tür. Der Infrarotalarm war nun aus und ich konnte nach unten weitergehen, wo ich wieder vor einer verschlossenen Tür stand. Hier gab es zum Glück keinerlei Kameras, und noch bevor ich das Türschloss seiner Bestimmung enthoben hatte, hatte Bill den Druckalarm schon deaktiviert.

 

Beute!

Er begab sich jetzt aus dem Alarmanlagenraum hinaus und durchquerte den Raum geradewegs ostwärts. Im nächsten Raum führte je eine Tür nach Norden und Süden. Bill nahm sich sofort das Schloss der südlichen Tür vor und knackte es, um danach die Tischschubladen mit Gewalt zu öffnen und alles Wertvolle einzustreichen. Danach wandte er sich der gegenüberliegenden Tür (oben) zu und knackte sie. Um der Kamera zu entgehen, wartete er nun 30 Sekunden lang.

Inzwischen hatte ich längst die zweite Tür unten offen. Auch ich entging der Kamera durch Warten, und zwar bis 2:25 auf dem Zeitindex. Dann lief ich zur schweren Tresorraumtür und musste all mein Talent, meine ganze Fingerfertigkeit sowie eine Menge Nerven und Geduld aufwenden, um diese »Vault Door« zu knacken. Nun betrat ich endlich den Tresorraum. Ich machte mich gleich über den Safe her. Plötzlich nahmen wir von draußen Sirenengeheul wahr, eine Streife fuhr vorbei! Wir froren in unseren Bewegungen ein (»Freeze«), um keine Aufmerksamkeit zu erregen. Danach räumte ich dann den Safe aus, zerschlug dann noch die Glasvitrine und brachte auch deren Inhalt in meinen Besitz. Anschließend rannte ich aus dem Tresorraum. Doch Halt! Der Gebäudeplan hatte ja noch etwas verraten: Im Tisch vor dem Tresorraum war ebenfalls Beute zu machen. Ich trat ein paarmal so heftig dagegen, dass er auseinander fiel. Ich raubte ihn aus und lief nun zurück Richtung Fluchtwagen.

Durch das Innehalten während der vorbeifahrenden Streife betrat Bill derweil erst bei Zeitindex 4:08 den Raum oben, zertrümmerte die Glasvitrine und strich den Inhalt zusammen. Dann rannte er, so schnell er konnte, über die Treppe südlich im Gebäude wieder nach unten. Dass er dabei von einer Kamera gesehen wurde, spielte nun keine Rolle mehr – wir hatten alles, was wir wollten und würden in wenigen Sekunden aus dem Gebäude verschwunden sein. Die Polente würde niemals rechtzeitig kommen. Bill spurtete also so direkt wie möglich zum Auto. Anzumerken ist hier noch, dass ich ja die Tür eingangs geschlossen hatte, nun musste Bill sie also explizit wieder öffnen. Kaum saß er im Auto, sprang einige Augenblicke später auch ich rein und wir düsten ab – wir brauchten eine Weile, um zu begreifen, dass wir es tatsächlich geschafft hatten. Irre! Das war genau das, was man sich unter fetter Beute vorstellt.

 

Zahltag

Zurück in unserem Gangsterhauptquartier wurde mit Eldorado Eddie unser Diebesgut in Augenschein genommen. Da waren zunächst einmal die Edelsteine im Wert von 60.000 und 90.000 €, die Bill erbeutet hatte. Eddie schaute sie sich unter dem Mikroskop an und bestätigte die ungewöhnlich hohe Qualität. Außerdem hatte Bill noch feinstes Gold im Wert von 40.000 € im Gepäck. Ich selbst war auch mit vollen Taschen abgezogen: Cash von insgesamt 50.000 €, Edelsteine für 70.000 und 90.000 € sowie Gold für 40.000 €. Bill zeigte sich über seinen Anteil, 44.000 €, zu meinem Glück schon zufrieden, so dass dieser Raubzug sage und schreibe 396.000 € für mich einbrachte. Somit war ich nun im Besitz von 405.400 €! Das hatte sich mehr als gelohnt!

Selbstzufrieden saß ich noch einige Stunden in meinem Ledersessel, zählte mein Geld und schaute dann noch einen alten Schwarzweiß-Gangsterfilm im Fernsehen, während ich eine dicke Zigarre rauchte. Doch schon nach Ende des Films – es ging um einen furiosen Bankraub – schmiedete ich neue Pläne. Es gab noch lohnendere Ziele, die mir bis heute zu hoch erschienen, doch jetzt, ja, jetzt war alles möglich … Ihr ahnt es wahrscheinlich schon: Mein nächstes Ziel ist die High Street Bank.


Das Erdgeschoss des Diamantenhändlers. Für eine große und lesbare Karte bitte das Bild anklicken

 


Das Obergeschoss des Diamantenhändlers. Für eine große und lesbare Karte bitte das Bild anklicken

 

Nach meinen drei erfolgreichen Coups beim Coin Dealer, der Art Gallery und dem Diamond Merchant musste ich erst einmal untertauchen und meinen Wohnsitz wechseln, da die lokale Polizei in der Gegend bereits zu viele Fragen stellte. Zum Glück für euch hat mich aber die Redaktion einer großen C64-Zeitschrift ausfindig gemacht, damit ich euch von meinem nächsten großen Raubzug berichten kann – einem waschechten Banküberfall.

Natürlich sollte es nicht irgendeine Dorf-Sparkasse sein, sondern eine große Geschäftsbank mit Glaspalast. Damit stand mein neues Ziel bald fest:

 

Ziel 4 – High Street Bank

Bald hatte ich einige Detailinfos hereinbekommen: Viele Kunden der »High Street Bank«, die übrigens mitten in der City lag, nutzten mit Vorliebe die Bankschließfächer, um Wertsachen oder ihr Geld aus dem Tagesgeschäft dort zu deponieren. Außerdem diente diese Bankniederlassung als Zentrale für einige Filialen und hatte deshalb eine überdurchschnittlich hohe Barreserve für den Fall, dass durch viele hohe Kontoabhebungen einmal das Geld knapp werden sollte. Für einen kleinen finanziellen Gefallen bekam ich Einzelheiten über Geld, Edelsteine und Golddepot und erfuhr so, dass im Haupttresorraum zwei Safes mit den Barreserven standen und außerdem ein Geldautomat mit einer Menge Cash auf mich wartete. Auch die Schalterkassen sollten Geld enthalten. Allerdings war fraglich, wieviel, da hier höchstens ein wenig Kleingeld bereitliegen würde, falls eine ältere Dame Unsummen von bis zu 500 € abheben wollte. Zum Glück konnte der unterbezahlte Bankkassierer mir noch mehr verraten, zum Beispiel, dass es im Tresorraum auch Fächer mit feinsten Juwelen sowie Goldschmuck gab.

Als Nächstes konzentrierte ich mich auf die Alarmsysteme, denn die würden in einer Bank solchen Kalibers recht ausgeklügelt sein. Und richtig: Infrarot- und Druckempfindlichkeitsalarmsysteme standen bereit, mir einen Strich durch die Rechnung zu machen. Ich ließ mir für etwas Geld aber noch die interessante Zusatzinfo geben, dass der Infrarotalarm mit einer Verzögerung ausgelöst wurde, damit die Wache (auch das noch) ihre Patrouille gehen konnte. Auch zum Druckalarm kaufte ich mir alle Infos.

Doch der Tresorraum war mit einem eigenen Alarmsystem gesichert! Ich würde nie alle drei Systeme ausschalten können, ohne dass die Wache es bemerken würde, also verzichtete ich auf den Kauf der Vault-Door-Alarmdiagramme.


Den Kauf der Infos zu den »Vaults« kann man sich sparen.

 

Stattdessen besorgte ich mir noch genaue Informationen über die Wache. Nun wusste ich, wo der Wachmann langgehen würde und wann. Eine Zusatzinfo verriet mir schon jetzt, dass dies eine harte Nuss werden würde, denn: Bei seinem Rundgang überprüfte der Wachmann den Zustand jeder einzelnen Tür! Er würde also zum Beispiel ein geknacktes Schloss sofort entdecken und den Alarm auslösen.

Zum Schluss bot mir mein Informant noch Pläne zu den Schließmechanismen der Safes, aber ich lehnte dankend ab. Ein Safe-Experte hätte sie nutzen können, aber irgendwie mussten wir auch so die Wache ausschalten, die Safes ausrauben und dann nichts wie weg. Ich ließ also meine alten Kontakte spielen und heuerte wieder Bill Wires Smith an, mit dem ich auch schon beim Diamond Merchant erfolgreich zusammengearbeitet hatte. Ihr fragt euch, wen ich noch ins Team holte? Niemanden! Nennt es Größenwahn, aber ich war der Ansicht, auch diesen Coup mit nur zwei Leuten (inklusive meiner Wenigkeit) erledigen zu können. Schließlich blieb dann für mich am Ende auch das Meiste übrig. Als Kontakt zum Verscherbeln der Beute wählte ich Eldorado Eddie, der ja für Gold und Edelsteine die richtigen Kanäle wusste. Und das Geld konnte ich auch selbst ausgeben …

 

Planung und Ausführung

Gemeinsam mit Bill Wires Smith planten wir drei Tage und Nächte, brüteten über den Gebäudeskizzen und Alarmsystemschaltplänen und spielten mehrere Szenarien durch. Doch dann war es soweit: Bill schaute etwas verdutzt, als ich ihn wieder hinter das Steuer meines alten Austin Mini setzte. Sicher hätte ich mir längst einen aktuellen Luxuswagen leisten können, aber irgendwie verband mich ein besonderes Nostalgiegefühl mit diesem Auto. Schließlich war es schon bei meinem ersten Ding dabei, damals beim Coin Dealer.

Wir parkten also in einer Seitenstraße neben der High Street Bank, einem bei Tage strahlenden Gebäude mit breiter Spiegelglasfassade. Doch jetzt, um 02:23 Uhr, wirkte dieses Monster aus Beton, Stahl und Glas irgendwie abschreckend und bedrohlich. Dort oben in den klimatisierten Räumen wurden tagsüber Millionen Euro von skrupellosen Aktienbrokern hin und her geschoben, während der brave Bürger in der Fabrik am Fließband stand. Doch heute Nacht würde ich wieder einmal als Sieger hervorgehen … Doch bis dahin war noch viel zu tun!

 

Es geht los

Diesmal ließ ich Smith den Vortritt. Er enthob das Schloss am Seiteneingang seiner Funktion und betrat das Bankgebäude. Ich folgte ihm auf dem Fuße und schloss die Tür hinter mir, um kein Aufsehen zu erregen. Durch die riesige Schalterhalle hindurch begab sich Smith auf kürzestem Wege nach rechts zum Druckplattenalarmsystem-Kontrollkasten. Sofort begann er mit seiner Arbeit, nämlich den Alarm zu entschärfen. Währenddessen knackte ich bereits das Schloss der Tür ganz links oben, dahinter befand sich laut Plan der Geldautomat, allerdings auch die Druckalarmplatten, die bei Betreten sofort den Alarm auslösen. Deshalb wartete ich einen Moment, bis mir Bill über Funk mitteilte, dass er den Alarm deaktiviert hatte. Mit einigen schnellen Schritten war ich dann am Geldautomaten und mit ein paar rauen Tritten sowie Schlägen mit meiner Eisenstange war das Ding hin, und ich strich das Geld ein.

In der Zwischenzeit hatte sich Bill schon weiter nach rechts begeben und knackte die Tür, die nach Süden führte. Dann wartete er genau 29 Sekunden, um der Wache, die in den Räumen hinter der Tür ihren Kontrollgang machte, nicht geradewegs in die Arme zu laufen. Inzwischen war ich bei Bill, und als der Chronometer 2:06 anzeigte, betrat Bill den Raum und wandte sich sofort nach rechts. Ich folgte ihm direkt nach. Smith verschwand nun durch die Tür in nördlicher Richtung und machte sich sogleich am Infrarotalarm-Kontrollsystem zu schaffen. Der Infrarotalarm musste deaktiviert werden, da wir zum Öffnen der Tresorraumtür mit fast hundertprozentiger Wahrscheinlichkeit länger brauchen würden, als die Verzögerungsschleife des Alarmsystems mit dem Auslösen wartete.

 

Konfrontation mit der Wache

Ich musste mich nun um den Wachmann kümmern. Hier handelte es sich nicht um einen Ex-Bullen in Rente, sondern einen geschulten Profi eines recht angesehenen Sicherheitsdienstes. Eine Auge-in-Auge-Konfrontation würde wahrscheinlich zu Gunsten der Wache ausfallen. Deshalb musste ich den Überraschungseffekt auf meiner Seite haben. Ich schlioss die Tür zu den Räumen in südlicher Richtung – laut Routenplanung der Wache, die mir ja zum Glück zugänglich war, befand sich der pflichtbewusste Mann gerade in diesem Bereich und kontrollierte das Büro des Bankdirektors.

Es dauerte nicht lange, und die Wache begab sich auf den Rückweg und stieß auf die geschlossene Tür. Verwundert öffnete er sie, und direkt dahinter stand ich! Die menschliche Schrecksekunde wurde ihm zum Verhängnis, meine Eisenstange sprach, und der Uniformierte lag am Boden. Bei 2:43 ging ich nun wieder in den großen Raum und wandte mich nach unten Richtung Tresorraumtür. Bei 2:47 war Bill mit dem Entschärfen des Infrarotalarms fertig, so dass dieser nicht losging. Er begab sich dann auch zur Vault-Door, wartete hinter mir und folgte mir dann in den Tresorraum, zu welchem ich nach einer Nerven aufreibenden Gedulds- und Geschicklichkeitsprobe endlich Zutritt gewonnen hatte.

 

In der Höhle des Löwen

Ich begab mich sofort zum ersten Safe und begann mit Schweißperlen auf der Stirn dessen Tür zu knacken. Bill Wires Smith kümmerte sich derweil um die Schließfächer. Da sie elektronisch gesichert waren, verzichtete er auf rohe Gewalt, stattdessen überbrückte er den Sicherheitsmechanismus und sackte die Juwelen ein. Dies wiederholte er für die anderen Kästen und brachte so noch mehr Edelsteine sowie das Gold an sich.

Endlich hatte ich die Safetür offen und strich die Unmengen an Zaster ein. Siedend heiß fiel mir ein, dass jetzt die Zeit gekommen war, wo die Wache wieder zu sich kommen könnte. Schnell lief ich nach oben und nach rechts zurück und machte wieder die Tür auf der Südseite des Raumes zu. Und tatsächlich: Der Wachmann kam wieder zu Kräften! Ich hörte, wie er hinter der Tür aufstand … Langsam wurde ihm klar, was geschehen ist. Er wollte loslaufen und den Alarm auslösen, öffnete die Tür und – zack! – bekam er von mir wieder eins übergebraten. Nun hechtete ich eilends zurück zum Tresorraum und nahm mir den zweiten Safe vor, knackte mit viel Fingerspitzengefühl dessen Panzertür und nahm somit erneut einen riesigen Batzen Kohle an mich.

Zwischendurch ist zu allem Überfluss noch das Sirenengeheul eines Polizeiwagens zu hören, welches uns das Blut in den Adern gefrieren ließ. Wir hielten in unseren Bewegungen inne (»Freeze«), und so fuhren die Dienst habenden Polizisten ahnungslos am Ort des Geschehens vorbei.

 

Wenn schon, denn schon

Smith war längst mit den Bankfächern fertig und begab sich nun nach oben durch die Tür und dann nach links, wo er die Tür zum Schalterraum knackte. Er betrat diesen und lief nach ganz unten, wo er die Kasse aufbrach und ausraubte. Das Gleiche machte er mit der Kasse einen Raum weiter oben. Derweil war ich endlich mit dem zweiten Safe fertig, folgte Bill und verschaffte mir gewaltsam Zugang zur ersten Kasse, die ich sah und räumte sie aus; das Gleiche dann für die Kasse einen Raum weiter unten. Bill hatte sich zurück zum Eingangsbereich begeben, dort die Tür geöffnet und wartete im Auto auf mich. Die Alarmsirene schrillte – offenbar war der Wachmann nun zum zweiten Mal erwacht und hatte sofort Alarm gegeben. Jetzt aber Tempo!

Ich lief nun auch Richtung Fluchtwagen, was mit dem Gewicht der Scheine gar nicht so einfach war. Doch schon kam der nächste Adrenalinschub, denn unser Coup war geglückt, und sollte ich jetzt bis zum Wagen kommen, hatten wir es geschafft! Auf einmal kam mir das Bankgebäude viel weitläufiger vor als noch auf dem Hinweg. Endlich hatte ich die Schalterhalle durchquert, hastete durch den Vorraum und sprang in den Wagen. Smith ließ das Kupplungspedal los. Mit einem Satz nach vorn beschleunigte der Mini, und wir sausten davon, in das Dunkel der Nacht. Noch ahnten wir nicht, wieviel wir wirklich erbeutet hatten.

 

Der Geldregen

Nachdem wir mit dem Mini geschickt über Schleichwege zu unserem Versteck, einer alten Lagerhalle in der Hafengegend, zurückgefahren waren, ging es ans Zählen: Oben in Bills Tasche lagen ein 500- und ein 300-€-Bündel – das besagte Kleingeld aus den Schalterkassen. Doch darunter kamen sie dann zum Vorschein: feinste Diamanten und Edelsteine im Wert von 28.500, 32.500 und 39.000 € sowie Goldschmuck für 33.500, 19.000 sowie pralle 45.500 €! Auch ich war gut weggekommen: Neben der Portokasse von 2x 400 € hatte ich satte 10.000 € aus dem Geldautomaten und unglaubliche 310.000 € aus dem ersten sowie 170.000 aus dem zweiten Safe! Nachdem Bill seinen Anteil bekommen hatte, blieben mir also sage und schreibe 620.640 €! Damit belief sich mein Gesamtguthaben auf 759.540 € – kaum zu glauben, aber wahr. Meinem Traumziel – 1.000.000 € – war ich schon sehr nahe gekommen.

Am nächsten Morgen schlug ich die Zeitung auf und ein Lächeln glitt über mein Gesicht, als ich auf der Titelseite ein Foto des High-Street-Bank-Gebäudes sah. Der Artikel war nicht weiter interessant – ein großer Schaden für die arme Bank, ein Interview mit dem Wachmann, der über eine fünfköpfige Einbrecherbande berichtete, gegen die er keine Chance hatte und – das ist allerdings eine Erwähnung wert: der Grund, warum der Tresorraum-Alarm nicht losgegangen war. Es handelte sich um einen Erschütterungsalarm! Hätten wir mit Sprengladungen versucht, die Tür zu öffnen, wäre der Alarm sofort ausgelöst worden.

Einige Tage später, ich genoss gerade ein exklusives Gourmet-Essen in einem Feinschmecker-Restaurant, kam mir eine Idee. Ein Bild in diesem auf Mystik getrimmten Exklusivschuppen zeigte eine Pyramide – fand man in solchen nicht ab und an unglaublich wertvolle Schätze? Diese lagern für gewöhnlich dann in gut bewachten Museen, dürfen alle fünf Jahre mal angesehen werden und nützen ansonsten niemandem etwas. Ja, liebe Freunde, ich glaube, ich habe schon mein nächstes Zielobjekt gefunden …


Die »High Street Bank«. Für eine große und lesbare Karte bitte das Bild anklicken

 

Mein letzter großer Coup verhalf mir zu soviel Reichtum, dass ich ausgesorgt hatte. Zurückgezogen auf meiner Privatinsel hatte ich mich zur Ruhe gesetzt. Eine dicke Zigarre rauchend, ließ ich mich von einer hübschen Dame massieren. Doch irgendwie fanden mich die Jungs von der GO64! – wahrscheinlich durch meinen Decknamen, über den ich das GO64!-Abo bezog –, und so bat man mich, euch teilhaben zu lassen an meinem finalen Raubzug.

Diesmal hatte ich, inspiriert durch ein Essen in einem auf ägyptische Mystik getrimmten Nobelrestaurant, die Idee, einen richtigen Kunstschatz in meine Hände zu bringen. Ein Einzelstück, so wertvoll, dass ich über eine Million € dafür bekommen würde. Ich hörte mich ein wenig um und horchte auf, als es hieß, das Narburak-Museum in Kairo, Ägypten, sei quasi uneinnehmbar und würde die Totenmaske des Pharaos Honkanenter beherbergen.

Diese Maske des alten ägyptischen Königs war aus purem Gold und dazu noch mit Juwelen besetzt. Ein Stück, das in den 1950er-Jahren bei Ausgrabungen entdeckt worden war und das bis heute das vollständigste, größte und wertvollste Artefakt dieser Art darstellt. Einige fanatische Sammler waren Gerüchten zu Folge bereit, über 1.000.000 € für diese Pharao-Maske zu bezahlen!

Gern gab ich also das Geld für die Pläne des Narburak-Museums aus. Der Bauleiter, der vor Jahren für diese Anlage zuständig war, wurde mehrmals bei Beförderungen übergangen und war für ein wenig Kohle schnell bereit, sich zu rächen und mir weitere Informationen zur Verfügung zu stellen: So erfuhr ich zum Beispiel, wo genau die Maske aufgestellt war und lief nicht Gefahr, einen Haufen (in Relation zur Maske) wertloser Kunstgegenstände mitzunehmen.

 

Informationsbeschaffung

Ferner erfuhr ich, dass drei Wachmänner im Gebäude Streife gingen und außerdem Kameras zur Überwachung eingesetzt wurden. Ich ließ ein paar Bestechungsgelder fließen, um herauszufinden, wo genau die Wachen patrouillierten und wie die Kameras geschaltet waren. Ich besorgte mir auch einige Informationen über das Alarmsystem des Museums – und das hatte es in sich: Infrarot-Alarm, CO2-Detektions-Alarm und Fußbodenplatten-Druckalarm waren kombiniert worden, um dieses Museum zu einer Festung zu machen.

Ich scheute jedoch keine Kosten und ließ mir von meinen Informanten sämtliche Details servieren. Dabei erfuhr ich unter anderem, dass der Infrarot-Alarm so programmiert war, dass man den Infrarotlichtschranken 20 volle Sekunden lang ausgesetzt sein konnte, bevor der Alarm wirklich losgeht. Damit sollte sichergestellt werden, dass die Wache die gesicherten Räume passieren konnte, ohne gleich den Alarm auszulösen. Eine Schwäche im System, die ich sicher ausnutzen würde … Ebenso der CO2-Alarm: ein System, das das CO2, das durch menschliches Atmen entsteht, sofort entdeckt. Dieser Alarm würde, einmal ausgelöst, auch losgehen – jedoch mit einer Verzögerung von 50 Sekunden, damit der Alarm bei Öffnung des Museums am Morgen sicher deaktiviert werden konnte. Wie nett.


Das Erdgeschoss des Narburak-Museums. Für eine große und lesbare Karte bitte das Bild anklicken

 


Das Obergeschoss des Narburak-Museums. Für eine große und lesbare Karte bitte das Bild anklicken

 

Das Team für den Super-Coup

Die Wachen auszutricksen würde enorm schwer sein – den Informanten zu Folge waren dies keineswegs durchschnittliche Wachleute, sondern hochtrainierte, topfitte Cops. Allein schon deshalb beschloss ich, diesmal mit einem großen Team reinzugehen. Skeleton Joe war meine erste Wahl, denn kein Schloss war vor ihm sicher. Außerdem war er nicht gierig, was seinen Anteil an der Beute anging. Als Nächstes holte ich Charlie Volts und Bill Wires Smith ins Team – zwei Alarmexperten. Bei den vielen Alarmsystemen wären sie mit Sicherheit nützlich, dachte ich mir. Und ich sollte Recht behalten …

Bill war außerdem ein exzellenter Fluchtfahrer. Zu guter Letzt entschied ich mich, noch Big Dave Cannon in mein Team aufzunehmen. Er würde sozusagen die Nachhut bilden und den Fluchtweg frei machen. Schließlich nahm ich noch Kontakt zu Eldorado Eddie auf, einem Experte für Gold und Juwelen, auf dass er mir schon mal einen Käufer für das gute Stück, das ich aus dem Museum mitbringen würde, besorge.

 

Wie wir die Maske des Pharaos »abstaubten«

Nach langer Planung in einem stickigen Hotelzimmer in Kairo war es endlich soweit. Mit unserem guten alten Austin Mini ging es in Richtung Ziel. Der Wagen hat übrigens mittlerweile einen Ehrenplatz in meiner Garage, genau zwischen dem Ferrari und dem Rolls. Unser Plan war perfekt und auf die Sekunde genau ausgetüftelt. Jeder der Vier im Team (ich selbst würde diesmal gemütlich im Wagen warten) wusste genau, was er zu tun hatte.

Den Anfang machte Skeleton Joe. Er knackte das Schloss an der Eingangstür und betrat das Gebäude. Dann durchquerte er die Eingangshalle nach Norden und ging anschließend durch die obere, bereits offene Tür. Im dortigen Raum standen einige Glasvitrinen, die er aber zu ignorieren hatte. Stattdessen stellte er sich nach rechts vor die nächste Tür, durchschritt diese jedoch noch nicht, sondern wartete genau sechs Sekunden (bis 0:29) und rannte dann durch die Tür. Im nächsten Raum befand sich nämlich eine Kamera, die genau zu dieser Zeit nicht aktiv war. Die Tür oben konnte er ohne Mühe öffnen, da sie nicht abgeschlossen war. Er lief hindurch und ging auf die nächste Tür zu, durchschritt diese jedoch noch nicht, sondern wartete eine Sekunde (bis 0:38), um, sagen wir, der Kamerasequenz Rechnung zu tragen.

Im nächsten Raum lief er hoch und machte die Tür oben auf – wieder nicht abgeschlossen, wunderbar – und lief durch. Von der anderen Seite schloss er die Tür wieder, um die Aufmerksamkeit der Wache nicht zu erregen. (Um die Tür weiter unten würde sich später Big Dave Cannon kümmern.) Nun befand sich Joe in einem Raum mit Infrarot-Alarm, doch wir wussten ja, dass dieser Alarm ihm nicht gefährlich werden konnte, so lange er ihn nicht länger als 20 Sekunden »ärgerte«. Also schnell durch die Tür links und den nächsten Raum (auch mit Infrarot-Alarm) ganz durchqueren.

 

Dem Infrarot entkommen

Im nächsten Raum war zum Glück kein Infrarot-Alarm mehr, jedoch eine Kamera. Sofort machte Joe kehrt und stand nun wieder im Infrarot-Raum (Zeit: 0:55). Zum Glück wussten wir, dass er so nicht in Gefahr war, denn der Alarm-Trigger war ja durch sein Verlassen des Raums zurückgesetzt worden, so dass er nun wieder etwas Luft hatte, während die Kamera im Nebenraum anspringen würde.

Joe wartete nun 16 Sekunden (bis 1:11), um vor der Kamera absolut sicher zu sein. Er lief dann durch die Tür links (verließ also den Infrarot-Raum) und nahm dann im nächsten Raum die Tür unten. Den nächsten Raum durchquerte er in südlicher Richtung und fand sich dann vor einigen Vitrinen wieder. Er war dicht am Ziel! Nun nach rechts und flugs die Tür zur Halle der Maske geknackt. Der Raum dahinter war eigentlich alarmgesichert, doch zu diesem Zeitpunkt nicht mehr – dazu später mehr … Kaum hatte er die Tür auf, betrat er die »Höhle des Löwen« und lief zur Glasvitrine mit der Pharao-Maske. Da war sie also, schimmernd und glitzernd. Joe hatte jedoch keine Zeit, sie zu bestaunen …

 

Die Maske des Pharao

Wir hatten vorher besprochen, dass er gar nicht erst versuchen solle, das Glas der Vitrine einzuschlagen. Vermutlich wäre es Panzerglas und schwer zu zerstören. Er als alter Langfinger wäre viel schneller am Ziel, wenn er das Vitrinen-Schlösschen aufbrechen würde. Und genau so ging er dann vor: Er knackte das Schloss und brachte die Maske des Pharaos an sich.

Genau bei 1:57 stand er wieder an der Tür, durch die er die Halle verlassen konnte. Um jedoch nicht einer Wache in die Arme zu laufen, wartete er exakt eine Sekunde. Dann lief er hinaus. Auf Zehenspitzen ging er nun drei Schritte nach links weiter, denn die Wache war noch ganz nah. Dann weiter nach oben und zur oberen Tür hinaus – schon war die Wache umgangen.

Nun machte sich Joe ohne Verzögerung auf den Rückweg. Big Dave Cannon hatte ihm die Türen für den Rückweg schon geöffnet, wodurch wertvolle Zeit gewonnen werden konnte (dazu später mehr). Er durchquerte wieder die Infrarot-Zonen. Sobald er wieder in der infrarotfreien Zone war, befand er sich in einem Raum mit Kamera. Diesen durchquerte er; auch im nächsten Raum war wieder eine Kamera. Zum Glück war diese inaktiv. Doch laut unseren Informationen würde ihm in diesem Raum eine Wache entgegenkommen.

Es war nicht zu vermeiden, dass diese ihn sehen und den Alarm auslösen würde, jedoch musste unter allen Umständen verhindert werden, dass die Wache zur Pistole griff und den Träger des wertvollen Beutestücks aufhielt. Deshalb ging Joe, sobald er den Raum betrat, einen Schritt nach links, dann zwei nach unten und nun wieder einen Schritt nach rechts, so dass er im nächsten Schritt durch die Tür laufen konnte. Und tatsächlich: Die verdutzte Wache war nicht in der Lage, den guten alten Joe aufzuhalten! Bei Punkt 2:42 saß er wieder im Wagen – mit der Maske!

 

Charlies Part

Das klang einfach, oder? Doch ohne meine geschickte Planung und die professionelle Durchführung meiner Komplizen hätte es nie funktioniert. Deshalb möchte ich euch gern einweihen, was der Rest meines Teams zu der Sache beigetragen hat. Denn ohne die Aktionen von Charlie und Bill hätte Joe nie als freier Mann und mit der Maske in seinen Händen das Museumsgebäude verlassen.

Charlie wartete 14 Sekunden im Auto, ging dann ins Museum und gleich rechts die Treppe hoch. Von dort hoch in den nächsten Raum, dann nach links und noch mal nach links. Bei 0:37 war er an der Treppe, die wieder nach unten führte. Nun hieß es für ihn: sechs Sekunden warten – denn wir wussten, dass sonst die im nächsten Raum positionierte Kamera scharf war. Dann hastete er die Treppe hinunter und öffnete die Tür links. Leider konnte er sie nicht durchqueren, denn dann wäre er dahinter ziemlich bald von der Kamera erfasst worden.

Deshalb hieß es zurück, die Treppe wieder hoch. Bei 0:51 stand er wieder am Treppenabsatz und wartete nun 19 Sekunden (bis 1:10), um der Kamera unten zu entgehen. Dann lief er wieder die Treppe hinab und stand bei exakt 1:13 vor der Tür links. Weitere sechs Sekunden verharrte er nun (bis 1:19) und betrat dann den Raum links. Damit löste er den CO2-Alarm aus, doch das war uns voll bewusst und wir hatten dies in unserem Plan genau einkalkuliert. Denn bis dieser wirklich losging, hatten wir ja noch 50 Sekunden Zeit.

Er lief also schnell durch den Raum in den nächsten und machte sich dort sofort an den Infrarot-Alarm. Bei 1:45 war dieser aus. Dann machte er sich auf den Rückweg, wieder die Treppe hoch. Oben angekommen wartete er drei Sekunden, denn nicht weit machte genau jetzt die Wache ihren Rundgang. Doch dann ging's weiter: So schnell er konnte, rannte Charlie zurück bis zur Treppe zum Eingangsbereich und von da aus hinaus – bei 2:24 saß er wieder im Auto.

 

Infrarot deaktivieren?

Ihr fragt euch vielleicht, warum ich Charlie losschickte, um den Infrarot-Alarm zu deaktivieren. Schließlich war Joe – ob auf dem Rück- oder dem Hinweg zur Halle der Pharaonen-Maske – dem Infrarotlicht nie lange genug ausgesetzt, um den Alarm auszulösen. Doch wie ihr euch vielleicht erinnert, erwähnte ich bereits, dass die Halle, in der sich die Maske befand, selbst auch alarmgesichert war.

Genauer gesagt handelte es sich hier um einen Druckalarm, der sofort losging, wenn man die Halle betrat. Wir hatten ausgerechnet, ob uns – oder genauer gesagt Joe – nach Auslösen dieses Alarms noch genug Zeit blieb, das Museum zu verlassen. Doch dies war nicht der Fall – ganz blöd waren die Konstrukteure dieses Alarmsystems natürlich auch nicht gewesen. Deshalb hatte ich Bill Wires Smith angeheuert, um den Druckplattenalarm zu entschärfen.

Dabei merkten wir bei unserer Planung ziemlich schnell, dass dies nur funktionieren würde, wenn vorher der Infrarot-Alarm deaktiviert worden wäre. Ihr fragt euch, warum? Nun ja, selbst der erfahrenste Alarmanlagen-Profi braucht mehr als 20 Sekunden, um eine Anlage solchen Kalibers zu entschärfen. Ihr ahnt es schon – der Gebäudeplan zeigte: Das Druckplattenalarm-Kontrollsystem befand sich in einem Raum, der durch Infrarot-Alarm gesichert war!

Bill wartete also 15 Sekunden im Auto, bevor er zur Tat und ins Gebäude schritt. Auch er ging rechts die Treppe hoch, dann durch die Tür nach oben weiter, dann nach links und durch zwei weitere Räume hindurch. Auch den Raum mit der Treppe nach unten verließ Bill nach links. Im nächsten Raum blieb er vor der Tür stehen – der Raum dahinter war mit CO2-Alarm gesichert. Den würde Charlie sowieso irgendwann auslösen – bevor die Alarmsirene schrillen würde, würden jedoch 50 Sekunden vergehen, und das war unsere Chance. Er wartete also genau 38 Sekunden (bis 1:21).

Zwischenzeitlich war der Zeitpunkt erreicht, an dem Charlie den CO2-Alarm auslöste und sich an den Infrarot-Alarm machte. Somit konnte auch Bill den nächsten Raum betreten und durch die Tür nach oben in den nächsten gelangen. Dieser Raum war durch Infrarot gesichert. Doch Charlie hatte, bevor die 20 Sekunden Infrarot-Trigger-Zeit abgelaufen waren, bereits ganz nach Plan seinen Teil des Jobs erledigt – der Infrarot-Alarm war tot. Somit konnte Bill sich sofort an das Kontrollsystem des Druckalarms machen.

Bei 1:45 war dieser entschärft. Joe war zu dieser Zeit kurz vor der Halle zur Maske und konnte diese dann gleich betreten, ohne sofort die Alarmsirene schrillen zu lassen. Bill machte sich sogleich auf den Rückweg und im Raum mit der Treppe nach unten wartete er noch kurz (zwei Sekunden), um nicht mit der Wache zusammenzuprallen, die unweit ihre Runde ging. Danach lief er schnellstmöglich zum Mini und machte es sich um 2:23 darin bequem. Etwas verschwitzt, aber zufrieden.

 

Das I-Tüpfelchen

Obwohl das Ganze schon nach einem perfekten Plan klingt, werdet ihr bei genauem Hinsehen auf Lücken stoßen. Wie ich am Anfang schon erzählte, hatte ich jedoch Big Dave Cannon ins Team geholt, um eben diese zu schließen. Er hatte nicht viel zu tun, trotzdem war er essenziell wichtig: Zum Beispiel musste er Joes Rückweg vorbereiten, damit dieser keine wertvolle Zeit mit dem Öffnen irgendwelcher Türen verbringen musste.

Er wartete also zunächst 30 Sekunden im Wagen, folgte danach Joe durch die Tür oben, blieb dann vor der Tür nach rechts stehen und wartete drei Sekunden (bis 0:44), um der Kamera im nächsten Raum nicht vor die Linse zu laufen. Dann ging er durch die Tür und machte die andere Tür (nach oben) zu, die Joe vorher aus Zeitgründen hatte offen stehen lassen müssen.

Dies war enorm wichtig, denn wie wir von Informanten erfahren hatten, kontrollierten die Wachen beim Rundgang jede Tür. Stießen sie auf eine offene Tür, wo eigentlich eine geschlossene sein sollte, schlugen sie sofort Alarm. Die Wache erwartete also an dieser Stelle eine geschlossene Tür, und die gaben wir ihr.

Nachdem Dave also die Tür geschlossen (nicht verriegelt) hatte, ging er zurück nach links und erstmal wieder ins Auto. Dort wartete er 28 Sekunden (bis 1:33), bis sein Einsatz wieder gefragt war. Nun lief er wieder ins Gebäude, Richtung Norden, durch die Tür oben, dann durch die Tür rechts in den ersten Kamera-Raum. Dort öffnete er die Tür nach oben, ging hindurch und durchquerte den nächsten Raum, den er sofort durch die Tür in nördlicher Richtung wieder verließ.

Im nächsten Raum wartete er exakt eine Sekunde und machte dann einen Schritt zurück (in den vorigen Raum), um so der Kamera auszuweichen. Im anderen Raum machte er sogleich wieder einen Schritt vor und ging weiter bis zur nächsten Tür, vor der er bei 1:58 stand. Dies war die Tür zum Infrarot-Raum, die er nun für Joe öffnete (Zeit danach genau 2:00). Um wieder der Kamera zu entgehen, machte er einen Schritt in den Infrarot-Raum, wartete vier Sekunden (bis 2:05) und ging dann in den Raum davor zurück. Von dort aus rannte er ohne Pause sofort Richtung Auto, also zurück durch die Räume mit den Kameras, dann nach links in den Raum mit den drei Vitrinen.

Zum Glück wussten wir, dass im Nebenraum die Wache kam, darum planten wir dies mit ein. Im Raum mit den drei Vitrinen ging Dave also von der Tür aus zwei Schritte nach links, dann einen nach unten und wartete dann zwei Sekunden (bis 2:20). In diesem Moment kam die Wache durch die Tür. Zu spät bemerkte der Wachmann Dave, der links wartete, in diesem Moment einen Schritt nach rechts auf die Tür zu machte und so genau bei 2:21 davor stand. Im nächsten Schritt war Dave auch schon durch die Tür verschwunden und rannte zum Wagen – die Uhr zeigte 2:30, als er sich in den Mini quetschte.

 

Flucht!

Nach dem Dave im Wagen war, vergingen noch zwölf endlos lange Sekunden, bis Joe endlich auftauchte. Und ja, er hatte die Maske! Im Rückspiegel war schon das Polizeiauto zu sehen, als mein Fahrer Bill das Gaspedal bis zum Wagenboden durchdrückte und der Motor unseres Minis aufheulte. Der Adrenalinspiegel von Bill war so hoch, dass er mühelos unseren Wagen durch einige enge Gassen manövrierte.


der gute alte »Mini«

 

Doch die Polizei folgte uns und hätte uns fast erwischt. Da fiel mir ein alter Trick aus einem Fernsehkrimi ein, den ich sofort Bill zurief. Wir bogen an einer Kreuzung scharf rechts ab, gleichzeitig machte Bill die Scheinwerfer aus und wir fuhren danach sofort wieder scharf rechts in die Garageneinfahrt eines Hauses, wo er den Motor abstellte und wir uns bestmöglich unten hielten. Und tatsächlich: Die auf ein beschleunigendes, beleuchtetes Fahrzeug konzentrierten Polizisten rasten vorbei!

Es würde nicht lange dauern, bis sie den Trick durchschaut hatten, also fuhren wir zirka zehn Sekunden später in normalem Tempo aus der Ausfahrt heraus und bogen um die Ecke. Dann wurde wieder Vollgas gegeben, bis wir in Sicherheit waren. Den Mini versteckten wir in der Tiefgarage unseres Hotels, und in unserem Zimmer setzten wir uns zusammen und begossen den Erfolg mit Champagner.

 

Die Pharao-Maske in meiner Hand

1.250.000 € brachte die Maske – ein skrupelloser Fanatiker, der schon verschiedene ägyptische Kunstgegenstände sein »eigen« nannte, obwohl er sie oft auf dubiosen Wegen erstanden hatte, kaufte sie noch in derselben Nacht. Die Knete wurde aufgeteilt, wobei Bill und Charlie je 150.000 € bekamen und Joe sowie Dave 75.000 €. Auch, wenn Joe das nicht ganz gerecht fand – ohne Dave hätte er vielleicht zwei Sekunden länger gebraucht, und die hatten wir ja nun wirklich nicht übrig.

Ich jedoch konnte mir nun alle Träume erfüllen und von nun an tun und lassen, was ich wollte. Denn für mich, liebe Freunde, blieben 1.050.000 €, womit ich schließlich nach all meinen Raubzügen nette 1.114.700 € hatte – Cash, versteht sich. Und da soll noch mal jemand sagen: »Verbrechen lohnt nicht!«


Wer mit guter Planung keinen Erfolg hat, kann es immer noch mit roher Gewalt probieren …

 

(Longplay aus der GO64! 5, 7 und 11/2002 sowie 11/2005; Autor: Malte Mundt)