Test Drive II

7/2001 und 8/2001

 

Das Spiel

In „Test Drive II – The Duel“ kann man Testfahrten in verschiedenen Straßenflitzern auf ganz normalen Landstraßen machen. Das Geschehen sieht der Spieler aus der „Ich“-Perspektive, also vom Lenkrad des gewählten Fahrzeugs aus.

Zu diesem Spiel existieren Car- und Scenery-Disks, mit deren Hilfe man weitere Autos austesten und durch andere Landschaften düsen kann.

 

Das Duell

Johnny und ich konnten uns ja noch nie leiden. Ich bin schon als kleiner Junge mit Johnny auf unseren Rennrädern um die Wette gefahren (Mountain-Bikes gab's damals noch nicht). Inzwischen bin ich stolzer Besitzer eines Porsche 959. Doch das ließ Johnny keine Ruhe. Darum hat er sich vor kurzem einen Ferrari F40 geholt, mit dem er mich auch gleich zu einem Rennen herausgefordert hat. Dieses sollte über sechs Strecken gehen, wobei Tankstellen für die Zwischenstops gedacht waren.

 


Die Kontrahenten

 

Ich nahm die Herausforderung an. Also besorgte ich mir für das Rennen zwei kleine Zusatzgeräte: Ein Radarfallen-Warngerät und einen Anzeiger, der ständig über die aktuelle Entfernung zur nächsten Tankstelle sowie die bereits gefahrene Zeit informiert. Johnny fragt mich nach der Art des Rennens, und um möglichst cool zu wirken, sage ich natürlich „Pro“.

Es geht los. Die Motoren laufen, die Wüstensonne brennt. Ich sehe Johnnys höhnisches Gesicht schon im Rückspiegel. Ich gebe ordentlich Gas, jedoch noch ohne die Kupplung durchzutreten. Ich sehe selbstsicher auf meinen Tacho, und ein Lächeln gleitet über mein Gesicht, als ich am Ende der Skala die 350 km/h-Marke erblicke. Jetzt drehe ich den Motor auf und lege den ersten Gang ein – das Rennen beginnt!

 

Die erste Strecke – Kris' Classic Gasoline

Johnny will mich natürlich sofort überholen, doch es ist Gegenverkehr, und er muß zurückweichen! Ich überhole einen Wagen und ziehe gleich wieder nach rechts, weil ein weiterer Wagen entgegenkommt. Die Straße wird dreispurig – wieder ein Wagen vor mir! Ich ziehe sicherheitshalber rechts vorbei, denn man weiß ja nie, was einen links erwartet... Plötzlich sehe ich einen Polizeistreifenwagen auf der rechten Spur, der gerade jemanden angehalten hat. Darum wechsle ich wieder auf die mittlere Fahrspur über, muß aber etwas abbremsen, da sich vor mir ein weiterer Wagen befindet und mir gleichzeitig noch jemand entgegenkommt.

Eine gerade Strecke liegt vor mir, über die ich gemütlich dahindüse. Doch da zieht Johnnys Wagen mühsam, aber sicher an mir vorbei. Laut Anzeiger sind's noch 0,6 Meilen bis zur nächsten Tankstelle. Da erscheint vor mir ein Wagen. Ich bremse ab, überhole ihn und muß sofort wieder nach rechts rüberziehen, weil ein anderer Wagen entgegenkommt. Ich erreiche die Tankstelle namens „Kris' Classic Gasoline“. Doch Johnny war kurz vor mir da.

Kris wirft einen kurzen Blick auf meine Zeitanzeige und meint, daß Autobahnen für Leute wie mich gemacht seien. Nachdem Johnny und ich aufgetankt haben, geht es ab in die nächste Runde.

 

Strecke zwei  –  Al's Gas Station

Die Gegend wird bergig. Links zieht sich eine Felswand empor. Johnny überholt mich, wobei er (leider nur) beinahe mit einem entgegenkommenden Camaro kollidiert wäre. Ich muß radikal abbremsen, damit Johnnys Wagen nicht in meinem Kühler klebenbleibt. Wenig später überhole ich eine lahme Karre, doch plötzlich erscheint vor mir ein Wagen ... in den ich hineinrase. Mein Wagen wird repariert, ich bekomme 20 Sekunden Strafzeit, und danach geht das Rennen an genau der gleichen Stelle weiter. Rechts von mir tut sich jetzt auch noch ein Abgrund auf. Jetzt heißt es, vorsichtig aber schnell  –  zwei Faktoren, die nur sehr schwer miteinander in Übereinstimmung gebracht werden können  –  weiterzufahren.

Die Straße wird dreispurig. Ein Auto erscheint vor mir, und ich weiche auf die dritte Spur nach rechts aus. Plötzlich wird die Strecke wieder zweispurig, und ich schaffe es gerade noch, meinen Porsche rüberzuziehen. Ich fahre mit 250 km/h auf einen Tunnel zu.

 


Der Tunnel...

 

Kurz danach kommt wieder eine dritte Spur. Ich fahre auf der normalen Straße weiter, und siehe da – die dritte Spur verschwindet auch sofort wieder. Die Weiterfahrt verläuft ohne größere Probleme, doch als es nur noch 0,3 Meilen bis zur nächsten Tankstelle sind, bringt mich eine sehr scharfe Rechtskurve beinahe aus der Fassung. Ich sehe gerade noch die 30 mph- (also 45 km/h) Geschwindigkeitsbegrenzung und bremse auf 150 km/h ab ...

Ich überhole einen Wagen, und mein linker Außenspiegel fällt einem entgegenkommenden Raser zum Opfer. Wenig später erreiche ich  „Al's Gas Station“, wo es auch Ersatzteile für meinen 959er gibt (zum Beispiel einen linken Außenspiegel). Johnny lehnt gähnend an der Tanksäule fürs Super-Benzin. Ich tanke auf, und der alte Al ruft mir zu:  „Fahr doch schneller, du Idiot!“ Johnny deutet abwertend auf mich und meinen Wagen, dann setzt er sich in seinen F40. Doch ich sage nur:  „Das Rennen ist ja noch lange nicht zu Ende“, steige in meinen Wagen und fahre mit dem festen Entschluß zu gewinnen zum Startpunkt der dritten Etappe.

 

Etappe drei

Die Landschaft ist grün und baumbewachsen. Bis zum nächsten Checkpoint zeigt mein Display 6,5 Meilen– ein starkes Stück. Schon wieder überholt mich Johnny. Sollte sein Wagen wirklich eine bessere Beschleunigung haben? Aber es kommt nicht nur auf den Wagen an, sondern auch auf den, der drinsitzt! Kaum hatte ich das gedacht, sehe ich plötzlich einen rot-grauen Schrotthaufen vor mir, der sich aus Johnnys F40 und einem Mercedes 560 SEL zusammensetzt. Ich gebe Gas und ziehe links vorbei. Bei 5,4 Meilen fängt mein Radarfallen-Warner an zu fiepen, aber ich habe absolut keine Lust, jetzt langsam zu fahren und drücke lieber das Gaspedal durch, die Polizei wird mich schon nicht kriegen. Doch da habe ich mich wohl geirrt. Wenig später hält mich die Polizei an, ein freundlicher Officer steigt aus und verpaßt mir einen Strafzettel.

 


Dein Freund und Helfer

 

Kaum ist die Polizei verschwunden, bin ich schon wieder auf 170 km/h. Die Strecke ist kurvig, was bedeutet, daß ich nicht Höchstgeschwindigkeit fahren kann. Trotzdem meistere ich die Kurven mit folgender Lenktechnik: Ich reiße das Steuerrad nie voll nach links oder rechts herum, sondern drehe das Lenkrad sanft und kurz, lasse es dann zurückgleiten und drehe es erneut sanft und kurz nach links bzw. rechts usw.

Bei 3,7 Meilen beginnt mein Radarfallen-Detektor wieder zu piepen. Diesmal fahre ich aber langsam (so 70 km/h), und tatsächlich lassen mich die Bullen in Ruhe. Als der Piepton tiefer wird, weiß ich, daß ich an der Radarfalle vorbei bin und gebe wieder ordentlich Speed.
Ich brettere mit 340 km/h über den Asphalt. Doch auf einmal erscheinen eine scharfe Kurve und gleichzeitig ein Wagen vor mir. Ich trete sofort mit dem Fuß auf die Bremse und vermeide so einen Crash. Da sehr viel Verkehr ist, fahre ich etwas langsamer.

 


Überholen ist gefährlich

 

Als ich gerade mal wieder mitten in einem Überholmanöver stecke, kommt mir schlagartig ein Wagen entgegen, und ich schaffe es gerade noch, mein Lenkrad nach links rüberzureißen und meinen Wagen auf die Wiese zu retten. Ich bleibe stecken, und es dauert eine Weile, bis ich wieder zurück auf der Straße bin. Endlich sehe ich die Tankstelle vor mir. Johnny ist noch nicht da. Da ich öfters langsam fahren mußte, ist meine Zeit nicht besonders gut (aber immer noch besser als die von Johnny). Darum sagt Tankwart Kevin:  „Sportwagen können schneller fahren, als du denkst!“ Ich achte nicht auf seine blöden Sprüche, sondern warte darauf, Johnny triumphierend empfangen zu können. Als er ankommt, frage ich ihn in einem sarkastischen Tonfall:  „Na, Johnny? Bist du unterwegs ausgestiegen und hast Blümchen gepflückt?“ Wutschnaubend wendet er sich ab. Gelassen setze ich mich in meinen Wagen, und das Rennen geht weiter.

 

Der vierte Abschnitt: Iceman!

Die Gegend wird wieder steiniger. Gleich am Anfang entsteht eine verzwickte Situation: Es kommen jede Menge Wagen entgegen, und auf unserer Spur ist auch noch einer. Johnny versucht natürlich zu überholen, doch er geht drauf und landet im Straßengraben. Rechts streckt sich eine Felswand in den Himmel. Mir kommen sehr viele Wagen entgegen, doch zum Glück ist keiner auf meiner Seite. Ich ignoriere ein 30 mph-Schild und fahre mit 250 km/h in die nächste Kurve. Glücklicherweise treffe ich keinen Wagen und wische mir die Schweißtropfen von der Stirn.

Wieder einmal liegt ein Tunnel vor mir. Kaum bin ich durch, muß ich drei Wagen überholen. Wäre jetzt jemand entgegengekommen, hätte ich keine Chance gehabt. Noch 2,3 Meilen bis zum Ziel – ich fahre Höchstgeschwindigkeit. Mitten in einer Rechtskurve taucht ein Wagen vor mir auf, als hätte ihn jemand dorthin gebeamt. Ich will noch auf die Bremse drücken, als es auch schon zu spät ist...

Gerade fahre ich wieder an, als Johnny auch schon hupend an mir vorbeifährt. Noch 1,8 Meilen, da zucke ich zusammen, denn mein Radarfallenwarner ist schon wieder am Piepen. Fehlalarm? Wo könnten hier in dieser unwegsamen, bergigen Gegend denn Polizisten sein? Ich sollte es bald erfahren: In einem Polizeiwagen dicht hinter mir.

Nachdem ich diesmal von einem weniger freundlichen Officer einen Strafzettel bekommen habe, speede ich wieder los. Bei 0,7 Meilen fahre ich wieder durch offenes Gelände und komme ohne Zwischenfälle bei der  „Iceman“-Tankstelle an. Ich frage den Tankwart, ob Johnny schon dagewesen sei. Erst tut er so, als wüßte er nicht, wen ich meine, doch dann sagt er: „Ach ja, der... Der ist schon vor ein paar Stunden hiergewesen.“ Dann lacht er, und ich sehe Johnny grinsend am Garagentor der Tankstelle stehen.

 

Der fünfte Teil: Auntie T's Gas'n Grub

Nun befinden wir uns schon am Start der fünften Strecke. 6,6 Meilen liegen vor mir. Ich ziehe sofort nach links, damit Johnny nicht überholen kann, aber ich muß gleich wieder nach rechts, weil ein Auto entgegenkommt. Trotzdem hänge ich Johnny ab, denn jetzt habe ich eine gute Beschleunigungstechnik heraus: Erst den Motor hochfahren, bis der Drehzahlmesser zwischen 7 und 8 steht. Dann den ersten Gang einlegen. Immer hochschalten, wenn der Drehzalmesser 7 anzeigt.

Bei 6,3 Meilen macht mich mein Warngerät auf eine vor mir liegende Radarfalle aufmerksam. Ich ziehe jedoch voll durch. Doch bei 5,5 Meilen haben mich die Bullen eingeholt. Stolz nehme ich meinen Strafzettel entgegen, auf dem steht, daß ich 198 mph gefahren bin (zugelassen waren 30 mph).

Diese Strecke scheint noch kurviger zu sein als die vorigen. Andauernd stoße ich auf Wagen, die ich vorsichtig überhole. Immer, wenn ich einen Wagen vor mir sehe, bremse ich etwas ab. Ich fahre selten schneller als 230 km/h. Bei 3,2 Meilen kommt wieder eine Radarfalle. Ich riskiere es nochmal – und beschleunige. Doch nach kurzer Zeit begrüßen mich wieder die Polizisten. Ich frage sie, ob sie mir ihren Wagen leihen könnten, wenn man damit sogar meinen Porsche einholen kann ...? Der Officer bringt nur ein gequältes Lächeln heraus.

Bei 1,9 Meilen versuche ich mal wieder, in einer Kurve zu überholen. Aber leider kommt ein Wagen entgegen, und ich schaffe es nicht auszuweichen. Das wäre bei 1,2 Meilen beinahe noch einmal passiert, aber dank meiner guten Reaktion konnte ich gerade noch ausweichen. Bald halte ich bei „Aunty T's Gas'n Grub“-Station an.

 


Die vorletzte Tankstelle

 

Die alte Tante T. (keiner weiß, wie sie ganz heißt) ist auch tatsächlich da – aber Johnny nicht. Sie meint, ich könne ruhig Grand Prix-Rennfahrer werden. Nachdem Johnny endlich eingetrudelt ist, gehen wir auf die sechste und letzte Strecke.

 

Der Endspurt: Joe's Gas'n Food

7,2 Meilen kakteenbewachsene Wüste liegen vor mir. Bei 6,8 Meilen ist die Polizei schon wieder hinter mir. Da sehr viel Verkehr ist, glaube ich, daß ich sie abhängen kann. Doch in der ganzen Hektik baue ich einen Unfall. Johnny zieht an mir vorbei, ich aber schalte wütend in den nächsten Gang. Da sehe ich Johnny schon wieder vor mir. Er scheint technische Schwierigkeiten zu haben. Im weiteren Verlauf der Fahrt begegne ich mehreren Wagen. Ich fahre konstant schnell, aber auch nicht zu schnell: Immer, wenn ich einen Wagen sehe, fahre ich etwas langsamer, und sobald er verschwunden ist, gebe ich wieder Gas. So komme ich ganz gut durch.

Bei 2,7 Meilen ertönt erneut der Piepston. Ich fahre langsamer, bis mein Gerät Entwarnung gibt. Eine ganze Blechlawine kommt mir entgegen, doch auf meiner Spur ist niemand, und ich drücke kräftig aufs Gas. Da liegt es vor mir – das endgültige Ziel. Ich hole das Letzte aus meinem Wagen heraus und fahre über die Ziellinie. Dann halte ich und kaufe mir erst mal eine Currywurst.

DAS RENNEN IST GEWONNEN!! Als Johnny dann auch endlich ankommt, aus seinem Wagen steigt und schon in Richtung seiner Stammkneipe gehen will, stelle ich mich vor ihn und sage verächtlich: „Tja, DAS war ja wohl mal wieder NICHTS!!!“

Dann lasse ich Johnny gehen. Ich drehe mich wieder um. Und da sehe ich ... Eine hübsche Politesse. Ich lächele sie an und sage „Hallo!“ Die Politesse grinst zurück. Doch plötzlich holt sie Handschellen heraus und legt sie mir an!

 


Ein bittersüßes Ende ...


... wie man sieht!

 

Ich habe zwar das Rennen gewonnen, aber dazu bekomme ich 30 Tage Gefängnis wegen überhöhter Geschwindigkeit, rücksichtslosen Fahrens und Widerstand gegen die Highway Patrol. Bevor mich die Politesse abführt, werfe ich noch einen letzten Blick auf meinen vor Ruhm glänzenden Porsche 959 ...

Erinnert mich daran, daß ich, sobald ich wieder aufgewacht bin, meinen Rentenantrag einreiche!

 

(Longplay aus der GO64! 7/2001 und 8/2001; Autoren: Malte Mundt und Torsten Hinrichs)