Wie alles begann Der Tag hatte so gut angefangen. Ich hatte es endlich geschafft, meine Frisur zu bändigen, der Geldbeutel war endlich wieder randvoll, und meine Freundin war extrem guter Laune. Aber ich hätte wissen müssen, dass die Dinge nie so einfach sein können. Und alles begann, als sie mich bat, Karten für das Live-Konzert der Band AID heute Abend zu besorgen. Da grinste ich noch – stellte ich mir doch vor, wie mein Konkurrent Dede vor Neid kochen würde, wenn ich mit ihr das Konzert besuchen würde. Doch das Unglück kommt schneller als man denkt. Nachdem ich in die Stadt gefahren war, um Karten zu kaufen, hatte ich meinen Bock kurz abgestellt, um mich in einer Sackgasse zu erleichtern. Da wurde er mir auch schon prompt geklaut! Zwar sah ich den Dieb, doch dann war er schon auf und davon. Tja, und da stand ich nun – ohne Motorrad und ohne Karten. Aber ich wollte nicht verzagen und machte mich auf, das Beste aus meiner Situation zu machen. Schließlich wollte ich nicht, dass Dede es schafft, dass meine Freundin mit ihm ausgeht!
Zwei Konzertkarten Nach Osten gehend erreichte ich als Erstes die Ruine eines ehemaligen Jugendtreffs. Aber der stand offensichtlich schon Jahre leer. Dennoch fand ich dort jemanden – war nicht gerade mein Typ, aber wenigstens konnte mir das Mädchen einen Schraubenschlüssel verkaufen. Wer wusste, wozu der gut sein würde? Eine tiefere Befragung ergab, dass sie auch nicht besonders an mir interessiert war. Nachdem ich sie dumm angemacht hatte, ging sie – mit der Drohung, ihren Alten zu holen. Da ich den Wahrheitsgehalt dieser Drohung lieber nicht prüfen wollte, verzog ich mich schnellstens.
Weiter südlich traf ich an einer Kreuzung und östlich einer Bar (momentan war mein Durst doch eher gering) einen Hippie mit einer Zeichenmappe. Er erschien mir eher lächerlich, doch wenigstens konnte er mir auf meine Frage hin sagen, dass es beim Plattenladen noch Konzertkarten gab. Na, dann aber fix! Der Plattenladen lag südlich der Kreuzung, und in der Tat konnte mir der – wenn auch etwas merkwürdige – Verkäufer noch zwei Karten für die Band AID geben. Das war dann schon einmal geschafft! Jetzt musste ich nur noch meinen Bock wiederbeschaffen.
Germaine und der geklaute Bock Da fiel mir ein, dass meine Freundin mal beiläufig erwähnt hatte, dass ihre Bekannte Germaine in der Gegend hier wohnte. Leider hatte sie nicht genau beschrieben, wo. Könnte der Plattenheini es wissen? … O ja, er wusste es wirklich – oder zumindest beinahe. „Der Hippie weiß es“, sagte er mir. Also zurück, vielleicht konnte Germaine mir ja helfen! An der Kreuzung begegnete mir jedoch einer der stadtbekannten Schläger: ein Ex-Sumoringer – und er sah nicht besonders freundlich aus! Da machte ich mich lieber schnell aus dem Staub, denn der Kerl war zu fett, um mir schnell zu folgen. Eine Frage nach meinem geklauten Bock beim Hippie, und schon hatte ich Germaines Adresse. Netter Weise wohnte sie gleich dort. Aber Germaine … wenn es New-Age-Typen gibt, war die todsicher eine von denen! Immerhin konnte sie mir verraten, dass der Motor meines Bocks in einer Sackgasse lag. Ich ahnte schon, dass meinem geliebten Gefährt etwas zugestoßen war.
Und in der Tat fand ich in einer Sackgasse östlich der Ruine den Motor. Na wartet! Wenn ich die Kerle erwische, die das meinem Bock angetan hatten!
Der Morgenstern und der Sicheltyp In einer kleinen Gasse östlich der Ruine fand ich dann auch noch die Rückenlehne meines Motorrads – achtlos weggeworfen! Wütend machte ich mich auf dem Weg und fand westlich der Kreuzung in einer anderen Gasse den Tank. Wenigstens machte sich nun mein Schraubenschlüssel bezahlt, und ich konnte die Teile schon einmal zusammensetzen. Doch auf der Kreuzung erwartete mich schon wieder ein Schläger – diesmal einer, der einen Morgenstern schwang. In einem Anfall von geistiger Umnachtung gab ich ihm Geld, damit er mir sagte, was so hier los war. Und er gab mir doch tatsächlich Informationen! Ich solle den Sichertypen aufsuchen (uh-oh!), sagte er mir. Nach einigem Suchen und einer erneuten Begegnung mit dem Sumoringer, dem ich wieder davonlief, fand ich den Sicheltypen. „Schlägt systematisch stärker als alle anderen“ … brrrrr! Und misstrauen tat er mir auch! Aber wenigstens rückte er mit der Sprache raus, als ich sagte, dass der Morgenstern mich schickte. Der Schweißer auf dem nahen Schottplatz solle noch ein Motorrad-Rad haben. Mir schwante Übles … Schnell machte ich mich aus dem Staub, um dem nachzugehen.
Der Schweißer Auf dem Weg begegnete mir noch ein Schläger, der so berüchtigt war, dass ich mich im Sprint davon machte. Endlich erreichte ich den Schrottplatz gegenüber von Germains Haus, und – das durfte doch nicht wahr sein! – der Schweißer war der Arsch, der mich um meinen Bock erleichtert hatte! Natürlich behauptete er, Sumo hätte ihm das Vorderrad verkauft, aber ich wusste es besser. Zähneknirschend zahlte ich das Geld für das Vorderrad, bevor ich ihn mit der Wahrheit konfrontierte.
Er zeigte jedoch keinerlei Reue, sondern setzte mich mit einem Tritt vor die Tür und schloss seinen Laden. Na warte, Freundchen, das werde ich mir merken! Als ich mir mal die bisher gesammelten Teile ansah, merkte ich, dass immer noch Einiges fehlte.
Die Schläger Mit meinem Latein am Ende, wollte ich mich in der Bar besaufen, als mir Sumo wieder begegnete. Voller Frust hatte ich die Schnauze endgültig voll und verpasste ihm eine Tracht Prügel, um ihn endlich loszuwerden. Aber was war das? Sumo hatte doch tatsächlich das Hinterrad meines Bocks dabei! Der Schweißer musste es ihm wohl verkauft haben. Wieder motiviert suchte ich die anderen Schläger auf. Der Morgenstern erwies sich als Niete – er hatte nicht einmal ein Teil dabei. Der berüchtigte Schläger hingegen rückte, nachdem ich ihm einige verpasst hatte, meinen Lenker heraus. Zufrieden konnte ich feststellen, dass mein Bock fast vollständig war. Dann begegnete ich dem Sicheltypen, und das Nächste, woran ich mich erinnerte, war, dass ich mit Sternen vor den Augen auf dem Bürgersteig lag – um allen Besitz erleichtert!
Jetzt hatte ich wohl keine Chance mehr! In der Bar westlich von Germaines Wohnung betrank ich mich, bis ich mich wirklich mächtig kräftig fühlte, und ging nach draußen, wo ich erste Anzeichen von Schwindel verspürte. Dort lief ich erneut dem Sicheltypen über den Weg. Verhöhnen tat er mich auch noch! Na warte! Keine Ahnung, wie ich es geschafft hatte, aber der Alkohol hatte wohl keine geringe Rolle gespielt. Als der Typ am Boden lag, durchsuchte ich ihn. Yeah: Mein ganzes Zeug hatte er bei sich! Karten, Schraubenschlüssel, Uhr, Geld und meinen Bock inklusive des letzten Teils! Ab zum Konzert! Schnell schraubte ich meinen geliebten Bock wieder komplett zusammen und eilte dann zu der Telefonzelle am Park gegenüber der Bar. Ein Anruf bei meiner Freundin, und sie wusste, dass ich auf dem Weg war.
So konnte ich Dede erneut ausstechen, und hoffentlich traut er sich nie wieder in ihre Nähe! Ich jedenfalls freute mich schon auf das Konzert der Band AID.
Punkt-für-Punkt-Lösung
(Longplay aus der GO64! 7/2004; Autor: Joachim Henkel) |