Scenario

7/1998

 

Kampf um die Welt

Heute will ich euch eines meiner absoluten Strategie-Spielefavoriten, „Scenario – Theatre of War“, vorstellen. Irgendwie habe ich heute das gute Gefühl, daß ich wenigstens bei Scenario gewinnen werde (so wie immer), wenn heute auch sonst nichts klappt :-)

Nach einem längeren Gewühl in meinen Diskettenboxen kann ich meine Scenario-Disk nicht finden. Wie gut, daß ich alle Disketten auf meiner Platte archiviert habe. Star Commander sei Dank sind nun die anfänglichen Probleme behoben. Disk rein und los geht's. LOADING... RUN.

Wieso steht eigentlich im Titel nur „Scenario“ und nicht wie auf meiner Packung „Scenario – Theatre of War“? Na egal! Welchen Schwierigkeitsgrad nehmen wir heute? A ist zu einfach. B auch. D – ja, D ist gut. Wie viele sind wir? Wenn ich mich nicht inzwischen geklont habe, einer! Zwei gezielte Schläge auf die Tastatur, und die Floppy rotiert wieder. Habe ich nun C oder D erwischt? Heute geht irgendwie alles schief. Zum neu Laden bin ich zu faul, also weiter.

 

Es geht los

LOADING... Der Länderplan mit dem Hauptmenü erscheint. Die wollen doch glatt meinen Namen wissen! Ich entscheide mich spontan für meinen „Handle“. Jetzt darf ich mir ein Land aussuchen. Aus Erfahrung von Hunderten von Scenario-Fights weiß ich, daß England der beste Ausgangspunkt ist. Aber nur dann, wenn sich nicht mein „Freund“ Paul in Irland niederläßt. Als hätte ich es nicht geahnt: Paul! Der nächste Hammer kommt auch noch, fünf Flieger sind Schrott. Toll! Eine kurze Attacke, und Schottland ist mein. Rohstoffe bringen auch nicht viel. Sch*-Spiel! Los, Paul, du bist dran. Ich hätte glatt vergessen, die restlichen „Mitbewerber“ vorzustellen. Da ist noch Walther, der sich in Österreich breit macht, und David in Skandinavien. Paul macht erst mal einen Abgang aus Irland nach Spanien, was mir sehr gefällt. Nach drei Runden hat Walther halb Südeuropa. David besitzt ganz Skandinavien und will auch noch zu mir nach England. Und ich? Ich habe gerade mal England und Schottland. Steuern gibt‘s auch keine – geizige Schotten! Dafür habe ich schon fünf Fabriken, sichere mir demnächst Irland und werde dann König des UK. Das gibt Geld aus den Kolonien. WAU!

 

Sabotagen über Sabotagen

Zum Dank bekomme ich meine erste Sabotageaktion und sprenge erst einmal Walthers Fabrik in der Schweiz. Der hat es auch verdient. Walther hat mittlerweile alles, von Frankreich bis nach Ungarn, besetzt. Paul will mir einen Besuch abstatten, anscheinend jetzt aber noch nicht. David bekommt die Quittung für seinen Angriff von vorhin. Ich kralle mir sein Norwegen und übernehme erst einmal seine Fabriken. Paul ist mit Spanien beschäftigt, da Walther ihm auf die Pelle rückt. Mir soll es recht sein. David hat mir in Skandinavien nichts, aber auch gar nichts entgegenzusetzen. Die 80 Schiffe aus meiner Produktion. drängen ihn nach Rußland zurück. Aber nur für kurze Zeit, weil jetzt Walther kommt, auch dort verdrängt – und mich gleich mit!

PAUL! Was ist los? Paul bekommt in Spanien von Walther auch die Hucke voll. Er hat nur noch Portugal mit drei Fabriken, 150 Schiffen und 100 Flugzeugen. Aber wie es scheint, hat sich Walther zu sehr auf sein Gebiet verteilt, da nun Paul anfängt, schwer auszuteilen. Leider nicht genug, denn ich bekomme auch noch von Walther Besuch. Der alte Sack hat außer den zwei Ländern von Paul, meinen drei und Davids drei alles von Europa. Ich bräuchte eine Allianz. Die Rohstoffe gehen mir aus. Das bedeutet: Kein Geld, die Kolonien revoltieren und ich verliere ein Schiff nach dem anderen durch Walther oder die Kolonisten. Na, wenigstens kann ich jetzt mal wieder eine Fabrik sprengen. Ich nehme mir die von Walther in Frankreich vor, die ist mir sowieso zu nahe. Beinahe hätte es nicht geklappt. Ich werde doch noch die Cheats herauskramen müssen. Gott sei Dank, sie waren in der letzten G0 64! :-)

In Spanien geht es nun schon fast zehn Runden immer wieder hin und her. Erst verliert Paul Nord- und West-Spanien, dann erobert er es wieder. Irgendwie sinnlos! Na ja solange sie nicht zu mir wollen, ist mir das egal. Zu meinem persönlichen „Glück“ klauen mir jetzt auch noch Agenten meinen letzten Pfennig. Langsam fängt die Musik an zu nerven. Von David sieht man auch sehr wenig. Ich hoffe, er macht auch noch mit! Hey David, wann kommt dein großer Gegenschlag? Keine Antwort! Ich versuche es noch in Russisch! Nix! Ich sollte doch langsam aufhören, Bier in mich reinzuschütten, ich rede schon mit einem Gombjuder.

Als hätte ich es nicht geahnt: David grillt Walther in ganz Deutschland, Dänemark und Westungarn. Spitze! Zu Pauls Unterstützung sprenge ich alle Fabriken in Nordspanien. Los Paul, jetzt bist du dran. Jetzt scheint die Durststrecke doch dem Ende zuzugehen. Ich habe zwar noch immer nur drei Länder und keine Rohstoffe mehr. Dafür kommen die ersten Schiffe aus den Kolonien und bringen mir fünf Millionen mit. Das reicht erst mal.

Nur noch ein Tip am Rande: Ihr solltet nie mehr als eine Million in einen der drei Bodenschätze stecken, sonst seit ihr die Kohle los!

Juhu Walther, gleich spielen wir D-Day. Diesmal aber wirklich in der Straße von Dover! Hahaha! Ich informiere mich mal zum Spaß, wo man eine Revolte anzetteln kann. Leider nicht bei Walther, den mögen alle. Sch* ... lecht! In Spanien immer noch das gleiche, jetzt schon zirka fünfzehn Runden. Zu allem Krampf geht es nun auch in Deutschland, mit Walther und David, genauso los. D-DAY! Walther flieht aus Frankreich. Er hatte dort nur jämmerliche 30 Panzer. Pah! Irgendwie werde ich aber das Gefühl nicht los, daß Walther mich mag. Erst weist er David in der Nordsee in die Schranken (damit er nicht zu mir kommt), und das gleiche macht er mit Paul im Pazifik. Er hätte mich in England besuchen können, tat es aber nicht – und zu allem Überfluß schenkt er mir auch noch Süd- und Nord-Ost Frankreich.

Ich stelle erst einmal fünf Fabriken hin (ja ich habe den Cheat in der letzten GO64! gelesen!), um meine Nachschubwege kurz zu halten. SCH* ... lecht! Paul klaut mit Irland, und ich kann ihn da nicht mal rauswerfen, weil ich mich mit Walther herumärgere. Langsam macht sich mein cooler Quickjoy „Jet Fighter“ bezahlt. Wenn ich 400 Schiffe ohne (regelbares!) Dauerfeuer ziehen müßte – mein armer Finger! Dabei habe ich ihn mal für fünf DM erstanden. Aber so billig kommt Paul mir nicht davon, denn wegen ihm bekomme ich jetzt auch keine „Kohle“ mehr aus den Kolonien, weil er einen Teil meines Königreiches, Irland, erobert hat...

Das wird dir noch leid tun, Paul. Denk an unser letztes Spiel. Paul bekommt eine aufs M ...

 

Angriff ist die beste Verteidigung

Ihr dürft selber weiterreimen. Ich zettele kurzerhand in Pauls Portugal einen Aufstand an und stelle gleich drei Fabriken hin. Eine volle Produktion, und Paul ist in Portugal Geschichte. Leider verliere ich diese Länder gleich darauf an Walther, doch was soll es. Das Glück ist mit hold, und nach einem kurzen Gefecht in Irland ist es wieder mein. Leider entkommt ein Teil von Pauls Truppen, und ich bin im Augenblick zu schwach für ihn.

Sch* ... lecht. Ich hätte ihn fast ausradiert. Aufgeschoben ist aber nicht aufgehoben. Ich kriege dich, Paul, und dann... Mit David ist es immer noch das ewige Hin und Her in Deutschland. Sonst hat sich nichts weiter getan. Paul hat auch immer Glück. Jetzt bekommt der noch fünf Millionen von den Amis. Das kann doch alles nicht wahr sein. Nach längeren Gefechten kann ich nur noch Frankreich halten, Nordost- und Südfrankreich fallen an Walther. Dafür ist mein Frankreich mittlerweile eine uneinnehmbare Festung. Und wenn ich uneinnehmbar sage, meine ich es auch. Paul fängt gleich wieder Streit in Portugal an – kein Wunder nach dem „Fund“ von fünf Millionen!

Das Beste ist aber: Er kommt auch gleich mit zirka 300 Schiffen zu mir zurück. Ich kratze alles Geld zusammen und schlage ihn nur knapp mit einer riesigen Armada zurück. Und er trappt von dannen. Jetzt NERVT mich die Mucke. Dieser Gefühlsausbruch rächt sich bei der nächsten Sabotageaktion. Ich treffe nicht! Pauls Fabrik in Portugal steht immer noch dort. Sch* ... lecht. Der Mistkerl freut sich noch! Die Quittung für mein Versagen: Er erobert ganz Spanien zurück. Das Allerschärfste ist aber, daß er noch über 600 Panzer in Süd-Portugal hat, und das nach den Gefechten. Mir ist völlig unklar, wie er das macht!

Meine „Kohle“ ist alle, und Paul kommt wieder. So wie es aussieht, bekomme ich dieses Mal eine aufs M ... . Paul erobert mal wieder Irland. Was er da bloß will? Ich checke es irgendwie nicht! Jetzt hört man mal wieder etwas von David. Schluck! Der kommt mit 400 Schiffen und Panzern daher und grillt mich in ganz England. Jetzt werde ich aber wütend. Als Rache erobere ich von Frankreich aus alles, was ich von David kriegen kann. Leider hat der alte Sack schon alle Rohstoffe abgebaut, so daß ich alles Geld (schnief!) vom Rohstoffabbau verliere. Jetzt geht alles den Bach runter: Kein Geld mehr und kaum Rohstoffe. Ich habe nicht mal mehr Geld, um eine Analyse zu machen.

In der nächsten Runde steht mir mein alter Freund Walther wieder zur Seite und grillt ein paar „Davids“. Die nächsten Runden werden David gegen „Goliath“ Walther. Das nützt mir alles überhaupt nichts, da ich die Spielwiese bin. Mein Freund Walther teilt aber heftig aus. Walther, ich danke dir und trinke noch eins auf dein Wohl. Nur mit Mühe kann ich meine Stellung in Frankreich halten. David bedrängt mich ziemlich. Jetzt holt auch Paul zum letzten Schlag gegen mich aus. Jetzt spielt er mit mir D-Day. Aber das war zu früh gefreut. Mein Freund Walther „grillt“ Paul in der Straße von Dover und dann auch noch in ganz Spanien. Paul, sage ich, Paul, du nibbelst ja doch noch vor mir ab! Und ich sollte recht behalten. Keine zwei Runden später ist Paul auch in England, und damit auch ganz Geschichte (hähä). Er irrt noch ein bißchen als Heimatloser herum, dann bekomme ich einen Attentatsauftrag gegen Paul (man sollte eben nicht nach Belgrad gehen, das ist Walthers Gebiet). Warum gerade ich diesen Auftrag bekomme, ist mir egal und mehr als recht. Leider überlebt mein Attentäter den Versuch nicht. Deine Wachen waren besser, Paul.

 

Alles auf eine Karte gesetzt und ...

So langsam gehen auch für mich die Lichter aus. Walther verliert die für mich alles entscheidende Schlacht in den Ardennen und muß sich in die Schweiz zurückziehen. Nach England kann ich mich leider nicht verziehen, da ich keine Schiffe mehr habe. Walther hat keine Leute dort stationiert, das wäre DIE Chance gewesen! Sch*... lecht!. Leider hat auch Walther sich übernommen und kann nicht mehr Pufferzone spielen. Ich raffe mich noch mal auf und sage wie Worf zu mir: „Heute ist ein guter Tag zum Sterben“. Es wird die letzte und härteste Schlacht. Meine 401 Panzer und 35 Flugzeuge greifen gegen Davids Übermacht in von 567 Schiffen und 125 Flugzeugen sowie 383 Panzern Nordost-Frankreich an. Der Counter, der die eigenen und gegnerischen Einheiten zählt, blinkt noch einmal kurz auf, dann sind alle meine Leute hin (und ich auch).

Schnief! Leider ist das Spiel jetzt zu ende, und ich weiß nicht, ob Walther noch David fertiggemacht hat. Schade eigentlich. Und wer sagt denn eigentlich, daß man in einem Longplay immer gewinnen muß? Jetzt weiß ich auch, was ich am Anfang eingestellt hatte. Es war Level C. Ich Rindvieh habe doch glatt in Level C verloren.

Wie jämmerlich!

 

(Longplay aus der GO64! 7/1998; Autor: Sebastian Kierok)