Saint Dragon

11/1991

 

Das Spiel

Eine Gruppe von Monster-Cyborgs hat eine ferne Welt erobert und die friedlichen Völker der Galaxien unterjocht. Einer zieht aus, um sich diesen mechanischen Monstern entgegenzustellen – St. Dragon, der heilige Drache.

 

Der heilige Cyborg

Da las ich eines Tages von einem Action-Game mit dem exotischen Namen „Saint Dragon“. Natürlich konnte ich den Verlockungen nicht widerstehen und raste sofort ins nächste Softwarehaus. Schon kurze Zeit später konnte das Abenteuer seinen Lauf nehmen ...

 

Die Herausforderung beginnt

Und schon bin ich mitten drin  im Gemetzel zwischen den bösen Cyborg-Kriegern und dem übergelaufenen Helden, der vorher selbst einer dieser fiesen Cyborgs war. Flink schlängelt sich der Lindwurm ins Spielgeschehen.

Weiße wabernde Ekligkeiten greifen an. Es handelt sich offenbar um heimtückische, mutierte Alien-Maden. Natürlich putze ich sie sofort mit meinen Feuerkugeln weg. Auch von unten werde ich attackiert. Der Feind verschanzt sich offenbar hinter einem Baum. Für mich kein Problem, doch kurz nachdem der Feind explodiert ist, haucht auch mein Drache sein erstes Leben aus.

Ab jetzt passe ich besser auf und gelange nach schweren Kämpfen zu einem Metall-Panther, der schon freudig mit dem Schwanz wedelt, denn er wittert eine leckere Mahlzeit, nämlich meinen Drachen. Sofort schießt er einige Lenkraketen nach mir. Ich weiche ihnen in alter Rittermanier aus und fühle mich schon sicher, als eine Horde heranfliegender Augen dem Helden den Garaus macht. Beim nächsten Anlauf entwerfe ich eine neue Strategie. Man muß mit dem Drachen so weit wie möglich nach rechts unten, aber mit dem Kopf nach links gehen, und dann den Schwanz des Drachens in den Kopf des Panthers rammen. Dann explodiert er nämlich, bevor er die Lenkraketen abfeuern kann, und man kann den fliegenden Augen besser ausweichen.

Kurz darauf erscheint ein zweiter Panther, den man auf die gleiche Weise erledigt. Zu beachten ist nur, daß man abwarten muß, bis die von unten kommende Made vorbeigeflogen ist. Alle anderen Cyborgs bezwinge ich mit Bravour und sammle alle Extras ein.

Der Drache feuert normalerweise mehrere kleine und eine große Feuerkugeln ab, doch plötzlich verschwindet die große und kurz darauf auch noch der Hintergrund, und ein riesiger Metall-Bulle schiebt sich mir in den Weg. Aus dem Maul strömen blaue Geschosse, und aus Rücken und Bauch feuert er blaue Kugeln. Ich komme sehr bald darauf, daß man immer um den Bullen herumfliegen und dann auf den Kopf schießen muß.

Kurz darauf hat mein heldenhafter Drache diese vermeintlich kleine Gefahr aus dem Weg geräumt, doch der Bulle lebt noch. Nur sein Kopf ist futsch, und im Rücken klafft eine riesige Wunde. Nach erneutem Kampf dringe ich bis zum Bullen vor. Doch dieser versetzt mir einen Schock: Die Wunde im Rücken wird zur Gulaschkanone, und den Fleischbrocken ist sehr schwer auszuweichen. Mit gezielten Schüssen auf den Hals und gewagten Ausweichmanövern schaffe ich es aber dann doch, den Koloß zu besiegen. Hurra! Level 2, ich komme!

 

Die Meteoritenstürme

Nach einer ziemlich langen Ladeprozedur beginnt das nächste Level in einer Höhle, wo ich von einem Riesenwurm attackiert werde, der mich gleich vom Bildschirm putzt. Mein Glück ist es, daß der Wurm nicht schießt. Er zieht nur seine Bahnen über den Screen, so daß er mir nichts anhaben kann, solange ich ihm geschickt ausweiche. Danach schwimmen mir einige Kaulquappen entgegen, die man alle besser abschießen sollte. Ich steuere meinen Drachen nichtsahnend am unteren Bildschirmrand entlang, als plötzlich ein Meteoritenschwarm von unten auf mich einschlägt. Mein Drache muß leider sein vorletztes Leben lassen.

Nach einigen kleineren Kämpfen und Meteoritenschwärmen, denen ich geschickt ausweiche, gelange ich an eine hinterhältige Stelle: Zwei Schwärme Meteoriten kommen fast gleichzeitig von oben und unten. Mein Drache trollt sich endgültig in die ewigen Jagdgründe. Ich habe aber glücklicherweise drei Continues, mit denen ich schnell an die gleiche Stelle zurückkehre. Fehler: Auch der Reservedrache haucht sein erstes Leben aus, da sofort nach dem Meteoritensturm von unten ein blaues Wesen von oben links folgt, und leider hatte ich mich gerade dort verschanzt. Hier ist gutes Ausweichen gefragt, denke ich mir und versuche es nochmal. Glücklicherweise kommt das blaue Wesen diesmal von rechts, so daß ich überlebe. Verbittert schießt es Lenkraketen nach mir... Der nächste Versuch verläuft glücklich, und ich gelange zu stehenden Meteoriten, die allerdings eine Laserkanone anmontiert haben. Deren Schüsse fliegen nicht sehr schnell, so daß man ihnen gut ausweichen kann.

Nach weiteren Abenteuern mit blasenspuckenden Wesen, Meteoritenstürmen, Kaulquappen und einigen Weltraumhexen verschwindet plötzlich wieder meine große Feuerkugel, und der Hintergrund löst sich auf. Aha, es ist Endmonster-Zeit. Doch bevor ich es richtig gesehen habe, ist schon wieder ein Drachenleben weggeputzt, da das runde Alien mit einem 1 cm breiten Vierer-Laser nach mir geschossen hat. Noch ein Leben verliere ich, und nach längerem Tüfteln fällt mir eine Strategie ein. Zwischen den vier Lasern ist ein wenig Platz, in dem ich meinen Drachen plaziere. Nach einigen Treffern explodiert der kugelrunde Alien überraschend schnell, man muß nur darauf achten, von dem Laser nicht getroffen zu werden. Wieder eine Welt von den Cyborgs befreit. Ich rühme mich meines Heldenmuts, doch das nächste Level soll zunächst mein Untergang sein.

 

Der tragische Heldentod

Das nächste Level beginnt frustrierend: Zwei grüne Raketenwerfer schießen mir das letzte Leben weg. Ich muß noch ein Continue opfern und schieße mir den Weg durch die Raketenwerfer frei. Am Boden und an der Decke des Bildschirms erscheint eine Art Einflugschneise, doch leider handelt es sich um „Ausflugschneisen“. Dutzende von Cyborg-Kämpfern fliegen heraus, und noch ein Drache stirbt. Ich verliere Leben um Leben, aber dennoch kämpfe ich mich mutig voran. An einer Stelle des Levels kommen munter schießende Feinde von oben und unten; ihnen ist geschickt auszuweichen und so schnell wie möglich in den rechten Bildrand zu fliegen. Wenn man jetzt „nur“ noch auf die Schüsse und die von rechts kommenden Feinde achtet, hat man diese knifflige Stelle auch schon hinter sich. Doch es kommt noch schlimmer: Wenn man die Hälfte des Levels überwunden hat, tauchen auch noch schnellschießende Laserkanonen auf. Im folgenden Teil erwarten den Drachen Laserkanonen, grüne Raketenwerfer und dazu noch kleine Raumschiffe, die von oben, von unten und von rechts kommen und die außerdem noch ziemlich flink schießen.

Ich für meinen Teil verlor alle mir verbliebenen Leben und Continues und meine Ritterehre als Saint Dragon.

 

Die Rache des Stahldrachens

Nach Blut, Schweiß und Tränen stand mein Kämpfer, der Stahldrache, wieder vor dem alten Problem: Wie kann ich überleben? Meine Strategie sah nun so aus:

  1. Die Laserkanone eliminieren,
  2. warten, bis der grüne Raketenwerfer aus dem Bild geflogen ist,
  3. in den rechten Bildschirmrand fliegen und
  4. schießen, ausweichen und beten.

Fortuna ist mit mir, und so stehe ich bald vor dem dritten Endgegner: Eine riesige Metallhexe, die mal zum Orthopäden gehen sollte, da ihre Beine verknotet sind. Sie schießt mit Lenkraketen, normalen Schüssen und Laserstrahlen nach mir. Es ist aber nicht sehr schwer wegzutauchen, daher habe ich bald dieses Horror-Level hinter mir.

 

Die Metallmutanten am Abgrund

Level 4 ist eine Welt, deren Wände aus blauem Feuer zu bestehen scheinen, doch sie ist nicht sehr schwer. Man muß nur beachten, daß die unbeweglichen Meteoriten in viele Teile zersplittern, wenn man sie abschießt. Von Zeit zu Zeit kommen Angreifer von hinten. Dann sollte man mit dem Drachen nach links unten flüchten und die Aliens erledigen. Dies empfiehlt sich aber nur bei den kleineren Angreifern, denn die größeren blauen Wesen kommen gerade von unten links. Außerdem sollte man auf die beiden blauen Wesen achtgeben, die immer von rechts nach links über den Bildschirm fliegen, denn gleich darauf kommen sie wieder von hinten und killen womöglich den gepanzerten Helden. Kurz darauf erreiche ich das Endmonster.

Es ist ein Cyborg-Mutterschiff, aus dem immer wieder blaue Wesen kommen und den geplagten Drachen mit Schüssen traktieren. Man sollte sich immer so weit links wie möglich im Bildschirm halten und den Bewegungen des Schiffes und der blauen Wesen folgen, ohne von den Schüssen getroffen zu werden. Dabei fleißig die Feuertaste quälen, und das Ende des Cyborg-Giganten ist nah.

 

Das Ende der Cyborgs

Mein Drache betritt die letzte Welt, die noch nicht von den Cyborgs befreit wurde. An Boden und Decke hängen und stehen Kampfmaschinen, von Lenkraketenwerfern, Riesenraketen, elektrischen Händen bis zu mutierten Ameisen, welche friedlich auf einem Podest sitzen und dann plötzlich aufspringen und meinen Drachen attackieren. Hin und wieder finde ich auch ein Extraleben, welches mich überlegen läßt, wie schwer wohl das nächste Endmonster sein muß. Das Level selbst ist eigentlich recht einfach, was ja relativ logisch ist, denn die richtig gefährlichen Waffen hat mein Drache ja schon in den anderen Levels niedergemacht. Noch bin ich nicht beim allerletzten Cyborg-Monster, und zitternd registriere ich, daß plötzlich meine große Feuerkugel aussetzt, was mir andeutet, daß es nicht mehr weit ist bis zum letzten Gefecht. Der Chef der Cyborgs ist eine Formation leuchtender Sterne, die sich ständig bewegen und Schüsse abfeuern.

Mein kleiner Drache kämpft tapfer, doch trotzdem erwischt einer der Schüsse den armen Helden. Jetzt kommt mein letztes Leben ins Spiel, und ich habe auch keine Continues mehr. Wieder bei den Sternen angekommen, ballere ich, was das Zeug hält, auf den mittleren Stern.

Ich weiche allen Schüssen gekonnt aus, und bald ist auch der letzte Gegner weggefegt. Man muß beim letzten Gegner nur so lange überleben, bis die Sterne eine Formation angenommen haben, in welcher man den mittleren Stern auch gut trifft.

 

Ausklang

Auf dem Endbild schlängelt sich unser Lindwurm von dannen, und es erscheint eine einzeilige Nachricht: „Congratulations for Completing ST-DRAGON“. Schade, daß es im ganzen Spiel nur eine einzige Melodie gibt, die auch bei den Endmonstern nicht dramatischer wird.

 

(Longplay aus der 64'er 11/1991; Autor: Arno Meyer-Steinhaus)