Pirates!

4/1991


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Das Spiel

 „Pirates!“ ist ein mittelalterliches Handelsspiel. Wie es eben damals üblich war, wurde nicht nur gehandelt, sondern auch gekämpft, geraubt und gebrandschatzt.

Ziel des Spiels ist es, vom einfachen Bauer bis zum Edelmann aufzusteigen und den eigenen Reichtum (und den der Krone) zu mehren. Außerdem heißt es den Schatz der Inkas zu erobern. Auf den abenteuerlichen Schiffsreisen ereignet sich allerhand, und es gibt viele Wege nach oben.

Nur wer mit Mut und Kaltblütigkeit ans Werk geht, kann die teilweise etwas blutrünstigen Anforderungen bestehen.

 

Unter Piraten

Es ist uns gelungen, in einer alten Bibliothek einen geheimnisvollen Bericht aus der Zeit der Piraten zu finden. Der Autor, ein Sir Hacky, gibt Tips, die einem das Piratenleben wirklich erleichtern.

Gestatten, daß ich mich vorstelle: Mein Name ist Sir Hacky. Ich möchte Ihnen eine Geschichte erzählen, die Sie nicht vergessen werden. Nehmen Sie sich etwas Zeit, und reisen Sie mit mir in die Vergangenheit. Lange Jahre ist es her, doch kann ich mich noch an jede einzelne Stunde meines Lebens erinnern; damals in jenen Tagen war mein Herz noch voll von Abenteuerlust und Mut, jenen Tugenden, die einen guten Piraten ausmachen. Wie gesagt, mein Name ist Sir Hacky, Berater und enger Vertrauter Ihrer Majestät Elisabeth I. Ich selber stamme allerdings aus einer niedrigeren Familie, einem Bauernvolk aus der Gegend von Devon. Wie kam es also nun, daß ein so unwürdiger Mensch wie ich die beste Stellung bei Hofe erhielt?

Ich werde Euch die Geschichte des Captain Hackys erzählen. Alles begann im Jahre 1541, als ich das Licht der Welt erblickte. Wie man als Bauernjunge aufwächst, ist leicht beschrieben: Viel Arbeit auf dem Feld. Glücklicherweise war ich nicht der älteste Sohn meiner Familie (damals hatte ich noch eine andere Meinung darüber). Ich war gezwungen, nach meinem 15. Lebensjahr einen Beruf auszuüben. Ich fing als Schiffsjunge an und wurde so in den folgenden Jahren zu einem tüchtigen Seemann. Mit 18 Jahren war ich bereits Captain eines kleinen Handelsschiffes. Meine kämpferischen Fähigkeiten mit dem Degen waren so gut, daß ich mich auch im Kampf gegen Piraten so manches Mal als Sieger hervortun konnte. Die Krone schätzt einen solchen Einsatz sehr, und so bekam ich auch eines Tages eine Audienz bei der Königin. Ich erhielt von ihr den Auftrag, in die Karibik zu segeln und dort gegen die Spanier und deren Verbündete, die Franzosen, zu kämpfen.

So geschah es denn, daß ich in der Kälte des 2. Aprils 1560 mit einer schnellen Kriegsgaleone („Fast Galleon“) und einer kleinen Pinasse als Begleitschiff von Plymouth aus in Richtung Karibik in See stach. Wochen später erreichte ich das erste Dorf der Karibik, das spanische Trinidad. Die Besatzung meines Schiffs wollte natürlich wieder festen Boden unter den Füßen haben, so fuhr ich in den Hafen von Trinidad ein und besuchte mit meinen Männern eine Taverne. Nach einer kräftigen Saufrunde (mit viiiiel Rum) kamen Leute vorbei und fragten, ob sie denn nicht vielleicht in meine Mannschaft aufgenommen werden könnten. Da ich der Meinung war, meine Mannschaft könne ruhig etwas Verstärkung gebrauchen, willigte ich ein. Ich hatte jetzt eine Mannschaft von 164 Mann. Ich besaß 20 Kanonen, 30 Tonnen Verpflegung und jede Menge sonstige Güter. Ich beschloß, mein Barkapital aufzubessern, indem ich die Güter verkaufte.

 

Die weite Welt

Neu ausgestattet, lief ich dann aus, um Jagd nach spanischem Gold zu machen. Nicht weit von der Insel Trinidad entfernt bemerkte mein Ausguck ein Schiff. Es war eine unter spanischer Flagge segelnde Barke. Ich kommandierte sofort die Fast Galleon, ausgerüstet mit 156 Mann und 16 Kanonen, um die Barke anzugreifen. Ich ließ alle Segel setzen, drehte bei und verpaßte der Barke eine Salve Kanonenfeuer. Es war nicht schwer, die Barke einzuholen, und sofort fielen meine Männer über die mickrige Schar von 32 Leuten her, die nach dem Einschlagen meiner Kanonenkugeln noch übriggeblieben waren. Plötzlich stand ich dem Captain des gegnerischen Schiffs gegenüber. Ich nahm meinen Degen fest in die Hand, und schon nach kurzer Zeit gab er auf, da er mir (und meiner guten Moral) nichts entgegenzusetzen hatte. Wir hatten das Schiff gekapert. Meine Leute begannen sofort damit das Schiff auszuplündern.

Ich entschied, daß wir das Schiff behalten würden. Ich machte einen Gewinn von 460 Goldstücken, 38 Tonnen Futter, zehn Tonnen Gütern und 22 Tonnen Fellen. An Kanonen konnten wir vier Stück übernehmen. Zwölf Leute fragten mich, ob sie in meine Dienste treten dürften, was ich bejahte. Mit meinen Schiffen fuhr ich dann gemächlich weiter in Richtung Westen. Das nächste Dorf war Margarita, ebenfalls spanisch. Bis ich aber endlich den Hafen erreichte, mußte ich noch zwei weitere Schiffe vernichten, eine Barke und eine Pinasse. Dann lief ich in den Hafen von Margarita ein. Was ich nicht bedacht hatte, war die Tatsache, daß diese Stadt ein Fort besaß. Es eröffnete das Feuer und versenkte meine frisch gekaperte Pinasse. Selbstverständlich zog ich mich zurück und beschloß einen Hafen zu suchen, der mir nicht so feindlich gesinnt war. Also segelte ich zurück nach Trinidad.

Auf dem Weg dahin begegneten wir einem Handelsschiff, einem Merchantman. Dieses Schiff konnte 100 Tonnen laden, wir griffen es an. Das Schiff ergab sich freiwillig, nachdem es überall von unseren Geschützen getroffen war. Also gelangte ich an seine Schätze, ohne einen einzigen Mann verloren zu haben.

 

Zurück nach Trinidad!

Mit fünf Schiffen erreichte ich endlich Trinidad. Durch einen Tavernenbesuch bekam ich 24 Leute, die sich mal wieder so richtig austoben konnten (natürlich wieder mit viiiiel Rum!). Zusätzlich bekam ich von einem alten Piraten das Angebot, eine Schatzkarte zu erwerben. Da ich es für eine gute Möglichkeit hielt, mein Goldvermögen aufzubessern, willigte ich in den Handel ein. Ich bezahlte 500 Goldstücke und bekam die Karte. Ich sah sie mir an. Auf braunem Papier war eine Insel eingezeichnet (oder war es Festland?), östlich eines kleinen Sees war eine Schatztruhe aufgemalt. Dieser Schatz sollte sich angeblich in der Nähe von St. Augustine befinden. Ich hatte im Kampf gegen die spanischen Schiffe schon ein paar Erfahrungen gemacht, die im weiteren Verlauf der Geschichte von Nutzen sein sollten:

  • Wenn man wenig Leute hat, sollte das gegnerische Schiff erst kräftig beschossen werden, bevor man zum Angriff übergeht. Oft ergibt sich das Schiff dann von selbst.

  • Genau das Gegenteil ist zu tun, wenn man eine Übermacht an Leuten hat.

  • Man behält besser ein Schiff und verkauft es in der nächsten Stadt, da man eh nur acht Schiffe besitzen darf.

Das letztere wollte ich tun, als man mir mitteilte, daß der ortsansässige Händler nicht bereit war, mit mir Geschäfte zu machen, da er angeblich nicht mit Piraten handelte. Wieso nur? Ich war doch kein Pirat. Nun ja, in den Augen der Spanier (immerhin bin ich ihr Feind) war ich ein Pirat, der spanische Schiffe kaperte. Der Gouverneur gewährte mir eine Audienz. Von ihm erfuhr ich, daß Spanien zur Zeit mit England im Krieg sei. Also war ich tatsächlich ein Feind. Ich segelte schnell wieder weiter, als mir einfiel, ich könne doch Trinidad einfach angreifen.

Mit 253 Mann griff ich die Stadt an. Trinidad besaß zur Zeit meines Überfalls nur zehn Soldaten. Dazu kamen einige freiwillige Bürger; so stand ich dann 15 Leuten gegenüber, denen meine Leute den Garaus machten. Ich hatte leichtes Spiel gegen den Hauptmann der Garde. Trinidad war geschlagen. Meine Männer begannen, Trinidad auszuplündern, doch leider gab es dort nicht mehr als nur ein paar Tonnen Nahrung und 200 Goldstücke. Ich wollte gerade wieder Segel setzen und aufs Meer hinausfahren, als mir berichtet wurde, daß der Gouverneur von Trinidad geflohen sei.

 

Krieg mit England

Es war nun meine Aufgabe, einen neuen Gouverneur einzusetzen, und ich entschied mich für einen englischer Herkunft. Damit war Trinidad nun in englischer Hand. Wenn das mal kein Erfolg ist, dachte ich und segelte nach Margarita, weil ich der Meinung war, es sei nun Zeit, dieser Stadt das gleiche Schicksal zu bereiten. Unterwegs begegnete ich dann allerdings einer Pinasse, die unter der Piratenflagge segelte. Natürlich wurde auch dieses Schiff(chen) von mir angegriffen, doch muß man doch sagen, daß unter der Leitung eines guten Captains auch das kleinste Schiff ein gefährlicher Gegner sein kann. Mein Gegenspieler war nämlich Major Alvadro. Ich beschoß ihn sofort. Treffer! Doch auch er blieb nicht untätig und verpaßte mir eine gehörige Salve. Nur gut, daß eine Pinasse nur acht Kanonen tragen kann, sonst hätte meine Fast Galleon bestimmt ganz anders ausgesehen. Nach einem relativ harten Kampf hatte ich dann das Schiff Major Alvadros erreicht, und ein harter Kampf entbrannte, den ich auch nur aufgrund langjähriger Erfahrung gewinnen konnte.

Mit schweren Verlusten ging ich als Sieger aus der Schlacht hervor. Major Alvadro wurde gefangen und das Schiff in Besitz genommen. Meine Mannschaft verstärkte sich um 55 Seeleute. Mit gutem Wind erreichte ich Margarita. Ich segelte mit der Fast Galleon, 224 Mann und 28 Kanonen auf das Fort zu, das mich sofort beschoß. Ich verpaßte dem Fort eine Salve und erreichte ohne weitere Schäden Land. Wir erstürmten das Fort, und schon ein paar Minuten später ergab sich der gegnerische Fort-Commander. Ich setzte einen neuen Gouverneur ein, plünderte die Stadt aus, segelte wieder weg und ward nie mehr gesehen... Das wäre doch ein Fehler. Ich drehte sofort wieder um und fuhr direkt in den Hafen, den ich diesmal passieren durfte. Klar, die Stadt war ja jetzt auch unter englischer Herrschaft, und einen Verbündeten läßt man ja nun in seinen Hafen. Ich besuchte wieder eine Taverne, bekam 72 Leute, verkaufte meine Schiffe (außer der Fast Galleon und einem Merchantman) und reparierte den letzteren. Danach besuchte ich den Gouverneur. Zuerst berichtete auch dieser mir, daß er mit Spanien im Krieg sei. Dann erteilte er mir den Auftrag (wohl eher eine Aufforderung), die Schiffe und Städte der Feinde zu zerstören.

 

Gute Geschäfte

Ich bekam aufgrund meiner Dienste für England den Titel eines englischen Majors und zusätzlich (als Sachpreis) 1050 Morgen Land (1 Morgen = 4047 m²). Nach diesem Erfolg wurde mir von einem gewissen Baron Sanchez berichtet, der angeblich etwas über meine lange vermißte Schwester wußte. Dieser Mensch hielt sich nach neusten Angaben momentan in Borburata auf. Es folgte ein Abendessen im Hause des Gouverneurs, wo ich Bekanntschaft mit seiner Tochter machte. Ne, wat war die häßlich! Sie war zur Zeit mit Admiral De Neiva verlobt. Ich machte eine höfliche Begrüßung und zog mich dann wieder auf mein Schiff zurück, wo ich dann eine Nacht durch das ganze Achterdeck vollreiherte. Oh, nein, versteht mich bitte nicht falsch – das Essen war gut, aber: Wat war die häßlich jewesen! Am nächsten Morgen fuhr ich dann weiter. Die nächste Stadt war Cumana.

In meiner Kajüte führte ich immer ein Buch über die Stärke der Städte in der Karibik, was wohl in diesem Fall ein großer Vorteil war. Ich darf das mal erläutern: Cumana hat 400 Soldaten und über 1000 Einwohner. Es ist also zu erwarten, daß ich mit meinen 326 Mann einer Horde wildgewordener Spanier gegenüberstehe. Außerdem kann ich ja nur mit einem Schiff angreifen, das ja auch erst mal seine 224 Mann sicher ans Ufer bringen muß, wenn man bedenkt, daß ich in Richtung Osten fahren muß, um Cumana zu erreichen. Das ist nämlich nicht einfach, wenn man bedenkt, daß in der Karibik bekanntlich meistens ein Ostwind weht. Also, Cumana, ich komm' später noch mal vorbei. Auf der Suche nach einer weiteren Stadt fuhr ich Richtung Nordwest. Zirka acht Meilen von der Küste entfernt stieß ich dann auf ein spanisches Schiff, eine War Galleon (Kriegsgaleone). Der Captain dieses Schiffs war der Piratenjäger Marquis Loyola. Ich nahm Kurs auf dieses Schiff und stand dann einer Übermacht von 320 Mann und 32 Kanonen gegenüber.

Mein Vorteil war nur, daß mein Schiff kleiner und wendiger war. Es gelang mir so nämlich, die War Galleon auszumanövrieren und ihr so viele Treffer wie nötig zu verpassen. Schließlich hatte ich auch dieses Schiff gekapert. Die nächsten Städte, denen wir auf unserer Reise begegneten, waren Borburata und Puerto Cabello. Ich beschloß jedoch, erst einmal an einem sicheren Ort meine Schiffe auszubessern und die überflüssigen (Pinassen und Barken) zu verkaufen. So fuhr ich, nach zwei Begegnungen mit Barken, nach Coro. Diese Stadt zu erobern war ein Kinderspiel. Coro besaß zwar 80 Soldaten, aber kein Fort. Meine Übermacht war zu groß.

 

Geheime Informanten

Diese häßliche Tochter vom Gouverneur ist immer noch total hingerissen von mir und will mir jetzt Informationen geben, wenn sie bei ihrem Vater welche erfährt. In Coro betrieb ich dann Handel und fuhr gestärkt nach Puerto Cabello, um meine Kraft unter Beweis zu stellen. Sowohl Puerto Cabello als auch Borburata fielen durch meine Übermacht. Man sollte noch erwähnen, daß ja in Borburata dieser Baron Sanchez war, der ja angeblich Informationen über den Verbleib meiner Schwester hatte. Er begegnete mir in einer Taverne. Sofort zogen wir unsere Degen und lieferten uns den heftigsten Kampf meiner Laufbahn. Er hatte mich schon fast zu Boden gebracht, als ich noch einmal all meinen Mut zusammennahm und einen kühnen Angriff wagte. 40 Sekunden später ergab er sich.

Er gab mir eine Karte (so ähnlich wie eine Schatzkarte), von der zwar drei Teile fehlten, aber das Versteck meiner Schwester war eingezeichnet. Bevor ich meine Reise fortsetzte, machte ich noch einen Abstecher nach Cumana. Dieses Mal war die Übermacht auf meiner Seite. So wurde dann schon bald die spanische Flagge eingeholt und die englische gehißt. Auf meiner weiteren Reise machte ich halt bei Coro. Dieses potthäßliche Frauenzimmer von Gouverneurstochter sagte mir nach dem Essen, daß der Silver Train in Spanien und die Treasure Fleet in Gibraltar sei. Hinter der Corolianischen Halbinsel liegt eine Bai, die Maracaibo-See. In einer Meerenge liegt Maracaibo, eine mittelgroße Stadt mit einem Fort. Weiter südlich findet man eine kleinere Stadt ohne Fort: Gibraltar.

Nachdem Maracaibo schnell besiegt war, machte ich mich sofort auf nach Gibraltar. Ich wollte sie erobern, die berühmte Treasure Fleet, voll von Gold und Reichtümern. Das, was Gibraltar meinen Leuten entgegenzusetzen hatte, waren zirka 100 Soldaten, also kein Problem. Doch leider war ich zu spät gekommen. Die Treasure Fleet war schon nicht mehr in der Stadt. Aber dafür war jetzt zumindest die halbe Nordküste Südamerikas in englischer Hand. Meine Reise ging weiter Richtung Westen. Es war Rio de la Hacha, das mir als nächstes zum Opfer fiel. Santa Marta war auch schnell erobert. Am 12. Februar 1562 gelangte ich dann nach Cartagena. Diese Stadt werde ich wohl auch nie vergessen.

 

Gefangen

Hier erlebte ich nämlich die größte Niederlage meines Lebens. Cartagena hat eine große Masse ausgebildeter Soldaten, viele Einwohner und vier Forts. Ich verlor so viele Männer, daß sogar meine großen Künste mit dem Degen uns keine Rettung mehr verschafften. Meine Männer wurden gefangengenommen, ich selbst kam in den Kerker, wo ich sieben Monate auf meine Freiheit wartete. Endlich wurde ich freigelassen. Ich bekam mein Flaggschiff, die Fast Galleon, wieder und 16 Tonnen Futter. 40 Mann meiner alten Crew gesellten sich wieder zu mir, und wir fuhren weiter. Nach ein paar Monaten hatte ich in den Gewässern vor Borburata mehrere Schiffe (größere und kleinere) gekapert, in den anliegenden Städten verkauft und gehandelt. Mein Vermögen war bereits wieder fünfstellig, und meine Flotte mit meiner Fast Galleon, einer War Galleon und drei Merchantmen konnte sich bereits sehen lassen.

In einer Taverne von Puerto Cabello erfuhr ich dann von einem spanischen Überfall auf Trinidad, das sich jetzt wieder in der Hand von jenen befände. Meine Aufgabe war es nun, Trinidad wieder in englischen Besitz zu bringen, und fuhr deshalb mit meinen Schiffen nach Osten. Wir eroberten Trinidad, ohne daß wir nur einen einzigen Mann verloren. Auf dem Rückweg machten wir in Cumana halt, wo ich ein bißchen Handel betrieb und zwei gekaperte Schiffe verkaufte. Dort bekam ich dann auch vom Gouverneur den Titel Baron. Nach diesem Erfolg wollte ich meine Reise fortsetzen, so fuhr ich nach Westen, machte einen großen Bogen um das verhaßte Cartagena und erreichte nach einer Woche Nombre Dios.

Diese Stadt hat meinen Angriff nicht abwehren können. Zu Fuß erreichte ich Panama, welches sich auch nicht lange zur Wehr setzen konnte. Was mir auffiel, war, daß ich diese Gegend doch schon irgendwo gesehen hatte. Richtig! Auf einer Karte! Hier irgendwo mußte meine Schwester versteckt sein. Wir fanden sie dann schließlich auf einer Plantage, ein paar Meilen westlich von Nombre Dios. Stark genug für ein neues Abenteuer, dachte ich, und wir fuhren nach Norden. Gran Granada fiel, und einen Monat später gelangten wir in den Golf von Campeche. Die Städte dort sind Campeche, Villahermosa und Vera Cruz. Campeche wurde erobert, was mir den Titel Marquis einbrachte, und der Sturz des Villahermosanischen und Vera Cruzischen Gouverneurs bringt mir den Titel Duke, die höchste Auszeichnung, die ein Freibeuter (ahem!) erreichen kann. Wahrscheinlich hätten sich so manche Piraten mit ihrem Vermögen zur Ruhe gesetzt, jedoch nicht Duke Hacky, also ich.

Ich wartete sechs Monate, besserte mein bestes Schiff aus, verkaufte die anderen, und am 5. Mai 1565 stach ich wieder in See, zu neuen, uneroberten Gebieten. Der Wind trieb uns nach Havanna. Um nicht im Hafen beschossen zu werden, gingen wir östlich von Havanna vor Anker und schlichen uns bei Nacht in die Stadt. In einer Taverne erfuhren wir, daß England und Spanien Frieden geschlossen hatten. Holland war jedoch, als Verbündeter Englands, jetzt mit Spanien und Frankreich im Krieg. Ich dachte mir, daß ich England auch einen Dienst erweisen könnte und kämpfte für Holland gegen Spanier und Franzosen. Gegen letztere fand dann auch die erste Schlacht statt: Florida Keys, an der Südspitze Floridas gelegen.

Weiter nördlich liegen Gran Bahama und St. Augustin. Auch diese Städte sind nicht gerade erwähnenswert. Häßliche Mädchen und Tavernen. Nur daß ab dann die Franzosen aus der Karibik vertrieben waren und die Holländer deren Platz eingenommen haben. Im übrigen fanden wir anhand meiner Schatzkarte 9.000 Goldstücke. Nach einem Besuch in Euleuthera und Nassau fühlte ich mich gestärkt, um den Spaniern wieder zu Leibe zu rücken. Meine Macht wuchs mit jeder erfolgreich geschlagenen Schlacht. So fielen dann nacheinander die Städte Santiago, Port au Prince und Isabella. Schließlich waren die Bahamas in englischer, die Kleinen und Großen Antillen in holländischer Hand. Dafür sackte ich den Titel „Duke“ nun auch bei den Holländern ein. In Havanna traute ich meinen Augen nicht...

 

Verliebt!

Diese Gouverneurstochter! Die sieht ja aus wie ein Playmobil! Sagte ich, aber es war Liebe auf den ersten Blick. Am Nachmittag des gleichen Tages fand die Hochzeit von Duke Hacky und Lady Nicole van Vorsten (sie ist ja Holländerin) statt. Von ihr erfahre ich, daß der Silver Train sich auf dem Weg nach Cartagena befindet. Ich gab ihr eine Kabine auf meiner Fast Galleon und fuhr dorthin. Nach Cartagena. Mit all meinem Mut wurde ein Schiff abkommandiert, eine War Galleon (weil da mehr Leute draufpassen) und Cartagena mit 320 Leuten und 36 Kanonen angegriffen. Wir gelangten relativ sicher ans Ufer und erklommen das Fort. Meine anderen Leute hatten unterdessen auf gleiche Weise die anderen Forts überfallen. 150 Leute griffen von der Landseite an. Blut floß in Strömen, aber glücklicherweise mehr das der Spanier. Das letzte Bollwerk der spanischen Herrschaft war somit beseitigt.

Zudem gehört mir der Silver Train: Ein Schatz von über 50.000 Goldstücken. In Margarita verkaufte ich meine Schiffe (ausgenommen die Fast Galleon). Es war Zeit, das Piratendasein an den Nagel zu hängen. Nur wenige meiner Männer blieben daher bei mir, die anderen bekamen alle eine Portion der Beute, die wir gemacht hatten. Für die Königin als Huldigung und für mich als Rente entdeckten wir dann auf einer kleinen Insel über Trinidad den lang gesuchten Inkaschatz: 100.000 Goldstücke. Damit machten wir uns dann auf die Heimreise nach Old England und leben bis zum heutigen Tage glücklich in London, wo ich nun meine Geschichte beenden werde. Auch wenn es uns hier am Hofe der Königin an nichts fehlt, wenn mir noch jemals einer die Chance geben würde, in die Karibik zu fahren, um die Spanier und Franzosen zu schlagen, dann wäre ich sofort unterwegs zu neuen Abenteuern.

 

(Longplay aus der 64'er 4/1991; Autor: Oliver Eickenberg)