Oil Imperium

1989

 

Das Spiel

Haben Sie sich schon einmal gewünscht, in der kapitalen Geschäftswelt mitzumischen? Haben Sie sich gedacht: Das kann ich auch? Hegen Sie die Vermutung, das große Geld wäre leicht zu machen, wenn Sie nur einmal auf dem richtigen Stuhl säßen? Dieses Spiel stellt Ihnen nicht nur einen Stuhl, sondern ein eigenes Büro zur Verfügung und setzt Sie mitten hinein in das Geschäft mit dem schwarzen Gold. Planung von Geschäften, Erschließung neuer Ölquellen, Erwerb von Öltanks und Verlegung der Pipelines, all dies gehört zum Alltag des Ölbosses. Darüber hinaus steht Ihnen noch der Kampf mit der Konkurrenz ins Haus. Und der wird mit harten Bandagen geführt.

Um als Manager eines so harten Geschäfts zu überleben und außerdem einen guten Schnitt zu machen, müssen Sie schon mit allen Wassern gewaschen sein. Um immer zu wissen, woran Sie sind, reichen die offiziellen Informationsquellen nicht aus; da kann es mitunter schon hilfreich sein, ein Detektivbüro einzuschalten, das dunkle Machenschaften aufdeckt. Aber die verborgene Art der Geschäftsbelebung steht Ihnen selbst auch offen: Greifen Sie zu. Welcher Art der Sabotageakt ist, den Sie planen, und ob Sie erwischt werden, das hängt ganz davon ab, wie viel Sie investieren. Besonders interessant wird dies dann, wenn Sie zu zweit, zu dritt oder gar zu viert gegeneinander spielen. Sind Sie weniger, übernimmt der Computer die verbleibenden Gesellschaften. Allein auf dem Markt sind Sie bei dem Geschäft jedenfalls nie.

Daß Öl nicht nur ein wichtiger Rohstoff ist, sondern auch als Unterhaltungsstoff taugt, weiß seit Dallas selbst derjenige, der keinen Fernseher hat. Spannende Geschäfte und fiese Korruption beleben dort den Alltag eines nicht ganz trockenen Handels.

Eben dieses Merkmal, Strategie, Finanzwelt und spannende Unterhaltung in einem Spiel zu verbinden, zeichnet Oil Imperium aus. Das Spiel hat nicht den Anspruch, eine Simulation der Geschäftswelt zu sein, obschon viele Fakten des Ölgeschäfts in das Spielgeschehen einfließen. Darüber hinaus bietet es aber Aktionssequenzen, in denen das manuelle Geschick des Spielers gefragt ist, appelliert an seine Gefühle (auch die der gemeineren Sorte) und schafft die Möglichkeit, den miesen, aber raffinierten Geschäftsmann einmal in allen Konsequenzen selbst darzustellen. Daß ohne taktische Überlegungen kein Gewinn zu machen ist, wird hierbei schnell klar. Geld regiert die Welt. Wer an dieser Macht teilhaben möchte, muß auch schon mal agieren, selbst wenn er sich dabei die Finger schmutzig macht.

 

Beginn

Zu Beginn des Spiels sollten Sie etwas vorsichtiger agieren, da Ihre finanziellen Mittel schnell erschöpft sind. Sie müssen sich zunächst eine Bohrkonzession erwerben. Da Sie nicht wissen, ob sich der Erwerb lohnt, sollten Sie sich im ersten Monat Expertisen (3-4) anfertigen lassen. Das dauert zwar und kostet auch Geld, doch immerhin soll ja die erste Quelle das Fundament eines ganzen Imperiums werden. Notieren Sie sich daher die Ergebnisse der Expertisen genau. Hierfür liegen der Anleitung des Spiels Karten bei. Ein Orientierungswert für die Kaufentscheidung ist die Relation „laufende Kosten zu Fördermenge“, die in einem günstigen Fall zwischen 2 zu 1 und 3 zu 1 beträgt – also zwei- bis dreifache laufende Kosten ($) je Fördermenge (brl). Selbst bei einem niedrigen Abnahmepreis von 3$/brl können Sie noch die Unkosten für die Quelle decken.

 

Tanks

Wenn Sie sich entschlossen haben, in einer Region Öl zu fördern, sollten Sie zuerst für die entsprechenden Tanks sorgen. Achten Sie darauf, daß die Tankkapazität in einer Region immer ausreichend bemessen sein muß. Sollte Ihr Tank überlastet sein, führt dies zu einem Förderstop in der Region. Das bedeutet für Sie einen immensen finanziellen Ausfall, da die laufenden Kosten, wie der Name schon sagt, weiterlaufen. In diesem Fall zahlen Sie und haben nichts davon.

Daß Sie an die Auslastungsgrenzen Ihrer Tanks stoßen, kann schnell geschehen, wenn der Ölpreis im Keller ist. In einer Crash-Situation werden Sie nicht verkaufen wollen, aber gefördert wird weiter. Da müssen Sie dann Platz zur Lagerung haben.

Außerdem sollten Sie durch ausreichende Tankkapazitäten Vorsorge für eventuelle Sabotageakte treffen. Der Konkurrent schläft nicht, und ein zerstörter Tank könnte ihm gut ins Konzept passen.

Vor allem sind Sie bei fehlender Tankkapazität – und das wird dem Gegner gefallen – gezwungen, neue Tanks zu kaufen. Dafür aber brauchen Sie Kapital, und dafür müssen Sie verkaufen. Ölfelder sind kein gutes Verkaufsobjekt, wenn Sie schnell Geld brauchen; außerdem sind Ihre Felder die Erwerbsgrundlage, die Sie haben. Also sind Sie in solch einer Krisensituation gezwungen, Öl zu verkaufen. Wenn aber just zu dem Zeitpunkt der Ölpreis miserabel ist, ist der Ofen aus.

 

Bohren

Wenn Sie noch nie gebohrt haben, lassen Sie die Sache ruhig angehen. Auch hier ist es zu Beginn leichter, etwas mehr Zeit und Geld zu investieren, als den Bohrvorgang als erfolglos abbuchen zu müssen, weil Ihnen die Bohrspitze abbricht. Im Laufe des Spiels werden Sie schon das nötige Fingerspitzengefühl erwerben, oder Sie lassen einfach einen Spezialisten ran. Der ist zwar teuer – am Anfang des Spiels zu teuer –, aber in der Regel sicherer und vor allem schneller als Sie selbst.

Beachten Sie bei Bohrungen die Bodenbeschaffenheit. Weicher Boden (zum Beispiel in Wassergebieten) täuscht leicht und verleitet zu einer hohen Bohrgeschwindigkeit, die sich dann bei der ersten oder letzten harten Schicht als fatal erweist.

 

Lieferverträge

Lieferverträge sollten Sie erst unterschreiben, wenn Sie sicher sind, den Vertrag einhalten zu können. Am Anfang sollten Sie hierbei sehr vorsichtig agieren und nur Lieferverträge annehmen, deren Erfüllung Ihre momentane Kapazität nicht überschreitet. Achten Sie darauf, daß Ihre Quellen in der Region liegen, für die Sie den Liefervertrag abschließen.

Für größere Lieferverträge brauchen Sie schon eine größere Anzahl Ölfelder. Es ist davon abzuraten, Lieferverträge für Regionen anzunehmen, in denen Sie noch keine Ölfelder besitzen. Solche Risiken können Sie sich nur mit dem entsprechenden finanziellen Polster und genügend Zeit erlauben.

 

Zeitplanung

Teilen Sie sich das Pensum gut ein, das Sie im Laufe des aktuellen Monats bewältigen möchten. Unüberlegte Schritte kosten Zeit, und die fehlt Ihnen dann am Ende des Monats. Die Menüs sind nicht dafür geeignet, wahllos in ihnen herumzuspazieren; der Zeitverlust, den solche Spielerein einbringen, kann Sie eventuell daran hindern, Ihr Öl zu verkaufen oder brennende Quellen zu löschen.

Daher sollten Sie sich auch genau überlegen, ob Sie Ihren Monatsplan durcheinander werfen, weil das Telefon klingelt. Sind Sie gerade mit dem Kauf eines Ölfeldes beschäftigt, lassen Sie es lieber schellen. Bei Ölverkäufen sollten Sie schnell handeln, wenn der Apparat nach Ihnen ruft. Es könnte sein, daß just im Moment die Nachricht einer Sabotageaktion an Ihren Öltanks hereinkommt. Wenn Sie eine gute Reaktion haben, können Sie den Verkauf über die Bühne bringen, bevor das Öl weg ist.

Für Löschvorgänge sollten Sie sich immer ein paar Tage vor Monatsende freihalten. Falls Sie innerhalb des Monats Zeiträume überspringen möchten, öffnen und schließen Sie die Schublade; dabei vergeht die Zeit.

 

Löschen

Falls eine Quelle brennt, müssen Sie diese löschen. Wenn Sie genügend Bares haben, können Sie für diese Aufgabe auch Ted Redhair engagieren, der eine sehr hohe Erfolgsquote hat. Für Bohrinseln müssen Sie sogar auf seine teure Hilfe zurückgreifen. Abgesehen von den Bohrinseln können Sie, wenn Mr. Redhair nicht hält, was sein Honorar verspricht, noch einmal selbst vor Ort Ihr Glück versuchen. Diesen Versuch müssen Sie machen, wenn Ihr Bares für Ted nicht reicht.

Beachten Sie die Zeitanzeige während des Löschvorgangs. Sie sollten unbedingt versuchen, den Brand zu stoppen, solange die Anzeige noch nicht im kritischen roten Bereich ist. Schaffen Sie es nicht, fällt die Förderung bei dieser Quelle die nächste Zeit aus. Es kann bis zu sechs Monate dauern, bevor Sie mit der Quelle wieder aktiv werden können.

Brennende Ölfelder sind rot auf der Weltkartenübersicht eingezeichnet. Hier können Sie sich schnell informieren. Ein anderes schnelles Informationsmedium, das Sie nicht vernachlässigen sollten, ist die Zeitung. Mitunter erfahren Sie hier aktuelle Neuigkeiten, bevor Ihr Telefon klingelt.

 

Spielzeit

Was Ihre Realzeit betrifft, so sollten Sie für das Spielziel „Bester nach drei Jahren“ einen Nachmittag oder Abend einplanen. Für „60 Millionen Dollar Barkapital“ brauchen Sie schon etwas länger; rechnen Sie mit 1-2 Tagen. Noch länger zieht sich die Aufgabe hin, „mehr als 80 Prozent Marktanteile“ zu gewinnen. Daher ist diese Aufgabe vor allem für Spieler geeignet, die immer wieder für ein oder zwei Stündchen Eingriff in die Geschäftswelt nehmen möchten. Unter der Voraussetzung kann es sich über mehrere Wochen hinziehen. Es ist somit eine Aufgabe für Einzelkämpfer. Die aggressivste Aufgabenstellung ist, „alle anderen Spieler ruinieren“ zu müssen. Solch eine Aufgabe macht wahrscheinlich in Gesellschaft mehr Spaß als alleine, denn nur so können Sie unprogrammierte Reaktionen auf einen geglückten Coup erleben. Wie lange diese Spielsession dauert, ist allerdings nicht zu sagen; Glück und Geschick spielen hierbei eine große Rolle.

 

Winkelzüge

Sie können den Computer ein wenig austricksen, wenn Sie Lust dazu haben. Da der Rechner nicht sieht, wie viele Spieler vor ihm sitzen, können Sie ihm vorgaukeln, Sie seien zu zweit oder gar zu dritt. Übernehmen Sie einfach pro forma mehrere Gesellschaften. Eine managen Sie als die Ihre, die anderen lassen Sie in Ihre Tasche wirtschaften. Kaufen Sie mit den Scheinfirmen ausschließlich Ölfelder. Diese kauft Ihre Gesellschaft dann zum Dumpingpreis dem Handlanger ab. So haben Sie schnell einen enormen Besitz, bei dem der Computer, dem solche Tricks fremd sind, ins Hintertreffen gerät.

Ebenso kann durch „falsche“ Preise ein echter Mitspieler vor dem Untergang gerettet werden. Sie kaufen ihm, wenn Sie finanziell dazu in der Lage sind, ein Ölfeld zum überhöhten Preis ab. Er ist liquide und braucht keinen Bankrott anzumelden. Und wenn er wieder festen Boden unter den Füßen hat, erstattet er Ihnen das Geld zurück. Der Computer hat das Nachsehen, da ihm wohl niemand etwas leiht. Und noch etwas: In der Geschäftswelt werden Zinsen gezahlt. Erinnern Sie Ihren Mitspieler ruhig daran.

 

(Komplettlösung aus: Das PC-Spielebuch. Sybex: Düsseldorf 1989; Autor: Dr. Raymond Wiseman)