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Nippon
11/2003
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| Das
ultimative Rollenspiel
Die Hülle der
Schriftrollen wog schwer in seinen Händen. Es sah aus, als sei sie
bereits durch Millionen Hände gegangen: abgegriffen und uralt. Die
Schriftseiten in ihrem Inneren waren jedoch in so gutem Zustand, dass
Toshiro sich fragen musste, ob sie nicht neueren Ursprungs waren. Es
sollte ja vorkommen, dass gerade solche Pergamente bewusst auf alt
gemacht wurden. Sie verkauften sich besser, da das
Geschichtsbewusstsein immer mehr zunahm. Aber trotzdem schloss er diese
Möglichkeit aus: In einem so kleinen und alteingesessenen Buchladen
ging er davon aus, dass es sich hier um keinen Betrug handelte.
Demnach hielt er also
ein Original in den Händen. Vorsichtig schaute er sich um, ob der etwas
kauzige Ladenbesitzer etwas dagegen hatte, dass er sich aus dem Regal
unverkäuflicher Bücher und Dokumente diese Schriftrollen herausnahm, um
sie zu lesen. Er hatte sie durch Zufall hinter einem alten 24-bändigen
Nachschlagewerk entdeckt.
Wahrscheinlich hatte
er nur irgend etwas gesucht, ohne zu wissen, was. Das kam bei ihm öfter
vor, und wenn er ehrlich zu sich war, musste er sich eingestehen, dass
er keinerlei Halt in seinem Leben verspürte und eine Orientierung
suchte. Momente der Liebe – flüchtig, nie für eine kleine Ewigkeit …
der Platz in der Firma, für den er nie würde kämpfen müssen. Seine
Zukunft: absolut gesichert und unklarer denn je. Eigentlich wartete er
darauf, dass eines Tages etwas in sein Leben trat, was ihn dazu
bewegte, sich dafür einzusetzen.
Nie hatte er eine solche
Erregung verspürt wie an dem Tag, als er die Schriftrollen zum ersten
Mal öffnete und begann, die Geschichte eines fremden Landes zu lesen.
Die Geschichte wurde von einem Mann erzählt, der aus Japan kam. Es war
eine Art Erlebnisbericht. Diese Welt schien Japan zu sein; auf der
anderen Seite war sie aber auch fremd.
Den losen Seiten, auf
denen die Sätze seltsam verzerrt aussahen, waren sogar einige Karten
beigefügt, kunstvoll gezeichnet. Er suchte in sämtlichen Atlanten und
Karten nach ähnlichen Ländern oder Stadtnamen, wie sie dort verzeichnet
waren … vergebens.
Dieses Land schien
tatsächlich ein Land der Fantasie zu sein – und doch war die Geschichte
so lebendig geschrieben, als hätte er sie selbst erlebt. Er sah die
Hügel- und Bergketten, die weiten Wüsten und endlosen Meere, sah
seltsame Fabelwesen, die vor seinem geistigen Auge vorbeizogen, sah
immer wieder das Gesicht einer schönen Frau. Diese Frau hatte er nie
zuvor in seinem Leben gesehen, aber in dieser Welt erwachte sie zum
Leben. Toshiro hatte schon viel von Fantasiewelten aus Büchern gehört,
und in Amerika wurden sogar Gesellschaftsspiele verkauft, die
hauptsächlich in fremden Welten spielten. Dort konnte man in das Reich
der Träume flüchten.
Hier schien das anders
zu sein. Er begann regelrecht mit einem Studium dieser neuen Welt, war
fasziniert von den Landstrichen, von den Menschen, den Göttern und von
der Frau. Lange saß er abends noch in dem alten Buchladen und verglich
die Aufzeichnungen mit dem Kartenmaterial. Nicht alle Städte fand er,
doch bald konnte er sagen, dass er sich einigermaßen auskannte mit dem
Spiel der Götter und den Schicksalen der Menschen auf dieser Welt.
Er kam mindestens drei
Mal in der Woche in den Buchladen am anderen Ende von Tokio und sah
Länder, die es nicht gab.
Heute wollte er die
Geschichte wieder durchlesen, und der alte Ladenbesitzer, der ihn
mittlerweile schon kannte, schloss leise die Tür, um nach Hause zu
gehen. Es war Sonntag, und Toshiro hatte viel Zeit.
Er begann zu lesen:
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Verrückte
Welt
Ich schlug die Augen auf und
blickte in das Gesicht eines uralten Mannes. „Ich wusste, dass du
kommst, mein Sohn“, sagte er mit einer weichen Stimme. „Wo bin ich?“,
fragte ich ihn. Alles war so fremd. Ich befand mich in einem kleinen
Raum, der auf den ersten Blick sehr gepflegt aussah. Er war mit kleinen
Matten ausgelegt und spartanisch eingerichtet. „Ich kann mich an nichts
erinnern.“ „Das weiß ich, mein Sohn. Der Alte ist gegangen, der Neue
gekommen. Es ist ein ewiger Kreislauf.“
Er sprach in Rätseln. War er
verrückt? Wo zum Teufel war ich? Das Letzte, an das ich mich erinnern
konnte, waren die beiden Statuen im Museum. Die uralten steinernen
Augen, die mich so lebendig anstarrten. Ich konnte ihnen nicht
widerstehen und ging auf sie zu. Mitten zwischen ihnen tat sich ein
gewaltiger Schlund auf, und mir schien, als würde ich in einen Abgrund
fallen. Dann verlor ich das Bewusstsein. Ich fand mich an einem
unbekannten Strand wieder. Der Alte fand mich wohl dort und nahm sich
meiner an.
„Du musst jetzt schlafen! Du
hast eine lange Reise hinter dir und bist sehr geschwächt.“ Ich konnte
mich nicht entsinnen, lange gereist zu sein. Meiner Meinung nach war
ich überhaupt nicht gereist. Die einzige Reise, die ich unternahm, war
der Flug nach Tokio, wo ich auf der Konferenz der japanischen
Staubsaugervertreter erwartet wurde. Mein Vortrag! O Gott ! Ich muss
doch meinen Vortrag halten! Wie spät war es wohl? „Wie spät ist es?“
fragte ich den Mann und deutete auf mein linkes Handgelenk. Er sah mich
fragend an. „Zeit“, sagte er, „spielt keine Rolle in unserem Land.“
Idiot, dachte ich. Ich musste es mit einem Verrückten zu tun haben.
Normal war das jedenfalls nicht. Warum lag ich eigentlich noch hier?
Meine Kräfte schienen zuzunehmen. Jedenfalls dachte ich es, wurde aber
bald eines Besseren belehrt, als mich ein unangenehmes Schwindelgefühl
daran hinderte, aufzustehen. So sank ich in einen unruhigen Schlaf.
Ich träumte von gewaltigen
Meeren, riesigen Gebirgsmassiven, endlosen Wüsten mit sengender Sonne,
Armeen, die sich bekämpften und schrecklichen Drachen, die alles
vernichteten. Die Bilder waren völlig ohne Zusammenhang, jedoch hatte
ich sie schon einmal irgendwo gesehen.
Als ich aufwachte, war ich
allein im Zimmer. Mein Kopf schmerzte, als wäre er mit einem
kiloschweren Hammer bearbeitet worden. Irgendwo hatte ich doch meine
Aspirin-Tabletten. Da stellte ich fest, dass meine Hose fehlte. Alle
meine Sachen waren weg. Der Alte hatte sie mir weggenommen. Dieb!
Ein raschelndes Geräusch ließ
mich aufhorchen. Da schob sich eine Wand bei Seite und der Alte trat
herein. Er schien sichtlich vergnügt über meine Verwirrung und fragte
mich, ob mein Geist wieder klar sei. Genau das fragte ich ihn auch und
forderte mein Eigentum zurück. „Oh , ihr habt nichts besessen, als ich
euch fand. Niemand betritt Nippon mit Gegenständen der sterblichen
Welt. Aber hier habt ihr einen Schurz, der euch erst einmal genügen
muss. Mehr kann ich euch nicht bieten.“ „Nippon?“ fragte ich
entgeistert. „Wieso Nippon? Ich denke, ich bin in Tokio! Also langsam …
wie weit ist es bis Tokio? Ich habe eine wichtige Konferenz, der ich
beiwohnen muss!“
„Die Konferenz kann warten“,
entgegnete er mir. „Ihr habt jetzt andere Aufgaben …“ „Die Konferenz
kann nicht warten. Sie ist von großer Bedeutung für mich!“ rief ich.
„Ich zahle euch viel Geld dafür, wenn ihr mich zurück bringt.“ „Was ist
schon Geld! Ihr habt doch gar kein Geld! In dieser Welt gilt euer Geld
sowieso nichts. Unsere Währung wird in Goldstücken gezählt.“ Er reichte
mir einen kleinen Lederbeutel, den er aus den Falten seines Gewandes
hervor holte. Ich öffnete ihn und zählte 300 kleine goldene Münzen.
„Kauft euch davon etwas zu
essen und Kleidung“, erklärte er. Ich war ein reicher Mann. 300
Goldmünzen waren umgerechnet … na ja, jedenfalls eine Menge Geld. Ich
würde es mit Sicherheit nicht für Nahrungsmittel oder Hosen ausgeben.
Alter Trottel! „Wie komme ich in die nächste Stadt?“ fragte ich ihn.
Ich hoffte nur, dass ich möglichst bald von hier verschwinden könnte.
„Geht nach Süden. Dann werdet
ihr bald die Stadt Watashibune an der Südküste erreichen.“ Das musste
ja sehr weit von Tokio entfernt sein. Die Stadt war mir überhaupt nicht
bekannt. „Das hört sich ja gut an, nur wo ist denn hier Süden?“ „Wenn
ihr aus meinem Haus tretet, so folgt dem Pfad. Er wird euch sicher dort
hin geleiten.“
„Sehr schön“, sagte ich,
„dann fahrt mich bitte dort hin.“ Der Alte zog die Augenbrauen in die
Höhe … ich verstand: kein Auto! Gequält erwiderte ich: „Habt Dank,
alter Mann.“ „Mein Name ist Toshi-no. Ihr werdet finden, was ihr sucht,
Shimo-san.“ Woher wusste er meinen Namen? Sicher aus meiner
Brieftasche. Ich hatte jetzt immerhin ein gutes Geschäft gemacht. Die
Goldmünzen waren viel mehr wert als alles, was ich überhaupt jemals
besaß.
Ich machte mich also auf den
Weg, und schon bald verschwand Toshi-nos Hütte hinter großen Sanddünen.
Die Landschaft war sehr karg und wüstenähnlich, doch ich erkannte
tatsächlich einen Pfad, der in die angegebene Richtung führte. Nach
etwa zwei Meilen fragte ich mich, ob ich nicht etwas Wasser hätte
mitnehmen sollen, und nach einer weiteren Meile redete ich mir ein,
dass Toshi-no mich herein gelegt hatte. Aber vielleicht hatten wir
beide nur andere Vorstellungen von Entfernungen. Jedenfalls konnte ich
mich nicht entsinnen, dass Japan eine so große Wüste hatte, und es
hatte überhaupt nicht den Anschein, dass ich mich einer Küste näherte.
Meine Kehle war wie ausgetrocknet. Ich setzte mich auf den Boden und
überlegte, ob ich nicht umkehren und den Alten wieder aufsuchen sollte.
Da hörte ich in der Ferne
großes Geschrei. Es schien, als ob jemand um Hilfe rief. Die Schreie
kamen direkt aus Richtung der großen Düne, auf die der Pfad zulief.
Schwerfällig stapfte ich den Sandhügel hinauf. Dort bot sich mir ein
Anblick, wie ich ihn nie zuvor in meinem Leben erlebte: Ich blickte auf
zwei junge Samurais, so wie sie schon vor 400 Jahren gelebt haben
mussten. Noch seltsamer war, dass sie mit einer riesigen Spinne
kämpften. Das war ja absurd. Ich hatte schon von Fata Morganas und
anderen Luftspiegelungen gehört, aber das konnte hier nicht zutreffen,
da solche Phänomene reelle Bilder zeigten. Was ich hier sah, gehörte in
die Welt der Fantasie oder Albträume. Spinnen jagten meines Wissens nur
Insekten und ähnliches Getier. Nie hatte ich gehört, dass sie auch
Menschen angriffen.
Der Kampf tobte unterdessen
weiter. Ich entschloss mich, den Beobachter zu spielen und sah, wie das
Ungeheuer seine Fangzähne tief in den Schwertarm eines Samurai grub.
Der andere lag bereits am Boden und hielt sich den Bauch, aus dem eine
große Wunde klaffte. Schwer verletzt versuchte sich der Samurai mit
seinem Schwert zurückzuziehen. Da geschah etwas Sseltsames: Ich sah,
wie sich der Mann mit der Bauchwunde allmählich auflöste. Es blieb
nichts zurück als ein großer Blutfleck am Boden. Der Kämpfer, der von
den beiden noch zurück blieb, rannte derweil um sein Leben, verfolgt
von dem behaarten Monster. Seltsamer Weise verspürte ich keine Lust,
dem Samurai zu helfen!
Als die Beiden in der Ferne
verschwanden, machte ich mich langsam wieder auf den Weg. Viele Fragen
drängten sich mir natürlich auf. Wie konnte ein Mensch sich in Luft
auflösen? Woher kam das Monster? Warum diese Verkleidungen? Wir lebten
schließlich schon im 20. Jahrhundert. Die einfachste Erklärung dafür
war, dass es sich um eine Halluzination handeln musste. Mein Psychiater
würde sich wieder einmal eine komische Geschichte anhören müssen, wenn
ich nach Hause kam …
Hier und da waren jetzt
einige Palmen zu sehen, was mich stutzig machte. Ich musste sehr weit
nach Süden geraten sein. Vor mir türmte sich jetzt eine gewaltige Düne
auf und ich kletterte hinauf, um einen besseren Überblick zu bekommen.
Von oben sah ich auf das Meer.
Ja, genau! Das Meer. Ich rieb
mir die Augen und traute ihnen nicht. Ich öffnete sie und blickte auf
eine kleine Bucht, umgeben von Palmenhainen. Viele Fischerboote
befanden sich draußen auf dem Meer. Sie waren von jener Bauart, wie man
sie heute nur noch in Museen findet. Die Stadt, von der Toshi-no
berichtete, war eher ein befestigtes Fischerdorf. Überall liefen Männer
und Frauen in altertümlichen Gewändern herum. Jetzt wusste ich, wo ich
war!
Es musste der neue Film von
Akawi Sojara sein, der in den Medien angekündigt war. Das musste es
sein! Es konnte gar nicht anders sein. Nur sah ich keine surrenden
Kameras, geschweige denn ein Filmteam. Plötzlich fiel mir ein, wie ich
aussah. Ich hatte ja nur einen Lendenschurz an. Nun, damit würde ich
jedenfalls nicht in der Menge der Statisten auffallen!
Allmählich machte ich mich
daran, die Düne herunterzuklettern. Als ich am Fuß des Hügels anlangte,
stand ich vor der Dorfmauer. Niemand beachtete mich, was mich nicht
überraschte. Anscheinend wurde gerade gedreht, denn alle Leute gingen
eifrig ihren Geschäften nach. Die Kamera vermutete ich auf den
entfernten Hügeln. Da ich nicht unnötig auffallen wollte, spielte ich
einfach mit. Möglichst unauffällig schlenderte ich zum Stadttor. Dort
schauten mich zwei Stadtwachen skeptisch an. Sie spielten ihre Rolle
gut, ließen mich die Stadt jedoch betreten.
Ich gelangte auf eine Art
Vorplatz, auf dem sich alle möglichen Leute tummelten. In den Ecken
saßen verkrüppelte Bettler, und Frauen liefen mit kleinen Schritten
über die Straße. Überall priesen Händler ihre Ware an. Da gab es Reis,
getrockneten Fisch und seltsam aussehende Früchte, die ich nicht
kannte. Wahrscheinlich bestanden sie aus Plastik und waren nur
Dekoration. Ich beschloss, meine Rolle gut zu spielen und ging auf
einen Händler zu.
„Seid gegrüßt, o Händler“,
begann ich, in der Hoffnung, der Statist würde mitspielen.
„Konnichi-wa, Fremder. Hegt ihr Interesse an meinen Früchten?“ „Oh, sie
sehen herrlich aus. Ich gebe euch 200 Yen dafür.“ Er schaute mich
erwartungsvoll an, schien aber nicht zu verstehen. Da fiel mir ein,
dass der Alte ja meine Brieftasche gestohlen hatte. Ich besaß nur den
Beutel mit den 300 Goldstücken. Es widerstrebte mir jedoch, für eine
Plastikfrucht ein Goldstück zu opfern. Irgendwo hörte der Spaß
schließlich auf. Andererseits hatte ich Hunger und Durst, also schlug
ich vor: „Nun gut. Ihr seid ein harter Feilscher! Ich gebe euch ein
Goldstück dafür.“ „Ein Goldstück?“, fragte er mich mit einem zunehmend
verdutzten Gesichtsausdruck. „Ich nehme dafür 30 Goldstücke und nicht
weniger!“ Damit hielt er die Hand auf. Das war ja eine Frechheit, für
eine Plastiktomate ein kostbares Goldstück zu verlangen. Allmählich
wurde ich wütend. „Für diese Frucht aus Plastik zahle ich euch EIN
Goldstück und nicht mehr!“ rief ich. Unser Handel hatte in der
Zwischenzeit schon mehrere Schaulustige herbei gelockt. Der Händler
entgegnete entrüstet: „Meine Früchte sind nicht aus Plastik! Ich kenne
das Land ja noch nicht einmal! Ich verkaufe seltene Früchte aus
Minami-kado! EIN GOLDSTÜCK! Dann könnte ich euch meine Ware ja gleich
schenken!“
Er begann sich nach der Art
der Händler in die Sache hinein zu steigern. Ich verstand seine
Aufregung nicht und versuchte, mich möglichst unauffällig aus dem Staub
zu machen. Doch jetzt waren auch die beiden Wachen auf unseren Streit
aufmerksam geworden und kamen herbei. Sie senkten ihre langen
Stangenwaffen und richteten die Metallspitzen auf meine Brust. Das war
zuviel!
Wütend rief ich den Wachen
zu, dass ich den Regisseur sprechen wollte. Ohne Wirkung! Eine Wache
fragte mich: „Wo kommt ihr her, Fremder? Ihr seid mir schon am Tor
aufgefallen.“ Ich stellte mich vor: „Mein Name ist Shimo. Ich komme aus
Osaka und bin auf einer Geschäftsreise nach Tokio.“ „Diese Namen sagen
mir nichts“, entgegnete die Wache. „Was sind eure Geschäfte?“ Ich
beschloss, ihm die Wahrheit zu sagen, um endlich zu beweisen, dass ich
nicht in diesen Film hinein gehörte. „Ich verkaufe Staubsauger.“
Die Menge fing an zu murmeln
und zu diskutieren, was wohl „Staubsauger“ wären. Irgend jemand rief
von hinten „Scharlatan“ und „Ketzer!“ Andere Stimmen wurden laut, die
forderten, ich sollte aus der Stadt vertrieben werden, was mir nur
recht war. Da erhob sich eine Stimme über die anderen: „Lasst mich
durch! Platz da!“ Ein junger Krieger erschien und sprach mit der Wache:
„Lasst ihn gehen. Ich bürge für ihn. Es ist mein Neffe aus Funatabi,
der zu Besuch ist.“ „Er sagte, er käme aus Osaka“, warf die Wache ein.
„Dort lebte er, bevor er nach Funatabi kam.“ „Nun gut, Kamisori-san“ –
die Waffen erhoben sich – „pass nächstes Mal besser auf ihn auf. Wir
mögen keinen Streit in der Stadt.“
Die Menge begann sich zu
verlaufen und Kamisori trat an mich heran. „Hier könnt ihr nicht
bleiben. Ich werde euch mit in mein Haus nehmen. Folgt mir!“ Mit diesen
Worten schritt er voran und bog bald in eine Seitengasse ein. Ich war
froh, endlich aus dieser Situation heraus zu kommen und lief ihm
hinterher. Er legte ein zügiges Tempo vor und ich hatte Mühe, mit ihm
mitzuhalten.
Schließlich hielt er vor
einem kleinen Haus, kniete nieder und schob eine Shoji-Wand bei Seite.
Er lud mich ein, in das Haus zu gehen, was ich schließlich auch tat.
Ein süßlicher Geruch umfing mich in dem halb dunklen Raum. Kamisori
deutete auf eine Matte in der Mitte des Raumes. Ich hockte mich hin und
sah mich im Zimmer um. An einer Wand stand ein großes Bassin mit
Wasser, daneben eine kleine Kommode mit vielen Schriftrollen. Scheinbar
hatte ich es mit einem Gelehrten zu tun. Nachdem Kamisori sich gesetzt
hatte, begann ich: „Was ist hier los? Wo bin ich eigentlich? Wieso war
der Händler so aufgeregt? Warum hat man mich mit Waffen bedroht? Wo …“
„Trinkt eine Tasse Tee mit
mir, Shimo-san. Ich kann euch nicht alle Fragen auf einmal
beantworten.“ Damit holte er eine Kanne Tee vom Feuer und füllte zwei
kleine Tonschälchen. Ich hatte so etwas schon einmal in Nagoja erlebt,
als ich mit Freunden einer Teezeremonie bei wohnte. Kamisori reichte
mir ein Schälchen. Nach einer Weile begann er:
„Ihr seid hier nicht in eurer
Stadt, Shimo-san. Nicht in eurer Stadt, nicht in eurem Land, nicht in
eurer Welt. Ihr seid durch die Astralebene hindurch in unser Land
gekommen, in eine Welt jenseits der Zeit, umgeben von einem unendlich
tiefen Abgrund. Hier gelten andere Gesetze als auf der Erde. Diese Welt
ist eine Welt im Reiche der Fantasie, wie einige Leute behaupten. Man
nennt sie „Nippon“ – das Land der aufgehenden Sonne, das Land der alten
Götter Japans.“
Planlos
Plötzlich passierte es! Ich
verbrannte mir die Zunge. Kamisori fuhr fort: „Hier sind die 300
Goldstücke, die ihr besitzt, so viel wert, dass ihr euch gerade etwas
zu essen, Kleidung oder Waffen kaufen könnt.“ „Waffen? Ich brauche
keine Waffen!“ „Ihr braucht sehr wohl Waffen, denn nicht jeder ist euch
wohl gesonnen. Die Szene am Marktplatz hätte für euch ebenso gut übel
ausgehen können. Seht euch vor! Wenn ihr mein Heim verlasst, dann sorgt
dafür, dass euch solche Sachen nicht wieder passieren. Ich kann euch
künftig nicht mehr helfen.“ „Wer seid ihr?“ fragte ich ihn. „Ich bin
der Heilkundige der Gegend. Toshi-no gab mir den Rat, mich eurer
anzunehmen. Er meinte, ihr wäret ziemlich durcheinander. Verständlich,
nach solch einer Reise.“ „Ihr habt mit Toshi-no gesprochen?“ fragte
ich, weil ich mir nicht vorstellen konnte, dass der alte Greis vor mir
die Stadt erreicht hatte.
„Ja. Es gibt viele
Möglichkeiten, mit Leuten zu sprechen. Nicht alle sind euch bekannt.
Toshi-no und ich stehen mittels einer magischen Kugel in Verbindung.“
„In unserer Welt nennt man sie Telefon“, sagte ich spöttisch. Aber
irgendwie begann ich ihm zu glauben. Seine Geschichte würde viele Dinge
erklären, die mir bis jetzt widerfahren waren. „Tel-ef-on?“ fragte
Kamisori. „Vergesst es! Was, schlagt ihr vor, sollte ich jetzt machen?
Eigentlich habe ich keine Lust, mich hier noch länger aufzuhalten.“
„Oh, ich verstehe. Ihr wollt in eure Welt zurückkehren … Ja, also ich
weiß nicht, ob das geht. Viele zogen aus, um wieder zurück zu finden,
doch niemand schaffte es. Jedenfalls ist es mir nicht bekannt.“
Das waren ja schöne
Aussichten. Gefangen in einer Welt, von der es keine Rückkehr gab. Ich
konnte aber nicht hier bleiben. Es musste einen Weg geben, um zurück zu
kommen – genauso, wie es einen Weg gab, der mich hierher brachte. Ich
musste ihn finden. Für immer auf dieser Welt zu bleiben, stellte ich
mir übel vor. Ich war ein Mann des zwanzigsten Jahrhunderts. Nur: Um
den Weg zurück zu finden, brauchte ich Informationen über Nippon.
„Erzählt mir von dieser Welt,
Kamisori“, sprach ich. „Oh, Nippon ist eine große Plattform im
Universum. Wenige waren an seinen Grenzen, aber die, die zurück kamen,
erzählten von einem großen Abgrund, in den sich das Meer ergießt. Es
gibt verschiedene Klimazonen. Wir leben hier in der gemäßigten Zone,
weiter oben im Norden erstrecken sich riesige Gletscher und Eisberge.
Dort befindet sich das Land der Ubas, der Eishexen. Viele dunkle
Geschöpfe hausen in einer Burg namens Yugure, die von Dämonen bewohnt
wird. Wenn ihr über das Meer nach Süden fahrt, so gelangt ihr auf den
Kontinent der Sonne. Die Erzählungen, die uns aus dem entlegenen Süden
erreichten, widersprachen sich meist. Einige berichteten von einem
brennenden Land, andere von dem Land des schwarzen Nebels. Ich war nie
darauf aus, dem nach zu gehen.“
Das konnte ich gut verstehen.
Kamisori erzählte einiges über diese fremde Welt. Es gab vier große
Burgen der Götter. Davon stand die größte Burg im Norden. Hier sollte
Benten leben. Benten war die Schöpferin der Welt. Plötzlich kam mir der
Gedanke, diese Göttin einmal aufzusuchen. Vielleicht konnte sie mir
helfen. Was blieb mir auch anderes übrig, als diese Idee im Kopf zu
behalten, hatte ich doch sonst kein anderes Ziel vor mir. Kamisori
erzählte viel und bot mir schließlich am späten Abend an, die Nacht in
seinem Heim zu verbringen. Dieses Angebot nahm ich natürlich dankend
an. Erst spät schlief ich ein.
Am nächsten Morgen weckte er
mich sehr früh und meinte, ich sollte mich bald auf den Weg in die
Stadt machen, wo ich mich für eine lange Reise rüsten sollte. Ich
berichtete ihm von meinem Gedanken, das Schloss der Göttin Benten
aufzusuchen, und fragte ihn, welchen Weg ich einschlagen sollte. „Das
ist schwer zu sagen. Ich rate euch, die Küste entlang zu gehen. Dann
werdet ihr bald an die Mündung des Flusses Kawa kommen. Folgt dem
Flusslauf in Richtung Norden, wo ihr bald zur Burg Takedo kommt und die
Stadt Akuji seht, die in ihrer Nähe liegt.“ „Habt Dank, Kamisori-san.
Ihr habt mir sehr geholfen!“ „Lebt wohl, Shimo-san. Mögen die Götter
euch beschützen!“ Das hoffte ich auch, denn sonst würde ich meine Reise
umsonst machen. Ich verließ also das Haus meines Retters und begab mich
in die Stadt.
Watashibune wirkte wie
ausgestorben, als ich aus dem Haus trat. Kein Wunder, denn die Sonne
ging gerade auf. Ich bog rechts in eine breite Straße ein,
wahrscheinlich die Hauptstraße, und hörte ein Geräusch, das aus einer
alten Schmiede zu kommen schien. Auf der linken Seite lag ein Haus, aus
dem die Geräusche kamen, und ich sah durch die offene Tür einen Mann in
Mönchskutte ein glühendes Stück Metall bearbeiten. Als er mich
bemerkte, verbeugte er sich. Ich hatte so etwas schon einmal in alten
Samuraifilmen gesehen und versuchte, die Geste zu erwidern.
„Bei mir bekommt ihr die
feinsten Waffen in Watashibune. Habt ihr Interesse, einige zu
erstehen?“ fragte mich der Mönch. „Nun … ich wollte mich eigentlich nur
umschauen“, entgegnete ich. „Welche Waffen führt ihr denn?“ Nun wurde
der Schmied geschäftig. Er ging zu einem Regal und nahm eine große
Stangenwaffe herunter. „Dies hier“, begann er zu erklären, „ist eine
Sasumata. Der beste Stahl der Gegend und Fingerfertigkeit am
Schleifstein machen sie zu einer furchtbaren Waffe.“ Die Waffe
erinnerte mich an die Wache, die mich mit solch einer gebogenernKlinge
bedroht hatte. Sie war sicher ein gefährlicher Spieß. „Was kostet sie?“
fragte ich neugierig. „1.450 Goldmünzen“, antwortete der Händler. Ich
dachte an den Vorfall mit der Plastikfrucht und beschloss, diesmal
keinen Ärger zu provozieren. „Ich danke euch für eure Freundlichkeit,
aber ich habe im Augenblick nicht soviel bei mir. Erlaubt mir, ein
anderes Mal wieder zu kommen.“„Selbstverständlich. Aniwoji ist stets zu
euren Diensten.“
Wieder die
Verbeugungszeremonie. Als ich die Schmiede verließ, atmete ich auf.
Aber woher sollte ich soviel Gold bekommen? Doch ich ließ mich nicht so
leicht entmutigen. Nach wenigen Metern kam ich wieder auf den
Marktplatz. Mein erster Gedanke galt dem Obsthändler, dem ich
eigentlich nicht wieder begegnen wollte, und ich schaute mich
vorsichtig um. Er war nirgends zu sehen. Schnell ging ich die
Hauptstraße hinunter. In der Ferne schimmerte das Meer rot in der
aufgehenden Sonne. Dort musste der Hafen liegen. Ein Greis kam mir von
dort entgegen und beobachtete mich misstrauisch. Ich verbeugte mich und
sprach ihn an: „Verzeiht, alter Mann, ich bin gerade in Watashibune
angekommen und suche einen Waffenhändler. Könnt ihr mir sagen, wo ich
einen finde?“ „Das kann ich“, krächzte er. „Geht zu Aniwoji. Er ist der
einzige Waffenhändler in Watashibune, den ich kenne. Er macht gute
Waffen aus edlem Stahl.“ „Vielen Dank. Ihr habt mir sehr geholfen.“
Sehr gut! Von dem kam ich
gerade. Also musste ich mich wohl ohne Waffe auf den Weg machen. Ich
überlegte, was man noch mit auf die Reise nehmen musste … Natürlich
etwas zu essen und zu trinken! Der Alte war schon weiter gegangen, also
lief ich ihm hinterher. „Wo bekomme ich etwas zu essen?“ platzte ich
heraus. Er musterte mich streng und antwortete: „Folgt mir, o
Hilfloser. Ich führe euch zu Chumoko, die es versteht, euch ein
besonderes Mahl zu bereiten.“ Wir gingen die Straße langsam wieder
hinauf. Wenn ich sage, wir gingen, so war das eine Übertreibung. Wir
schlichen, da ich mich dem Tempo des Alten anzupassen hatte. „Wie heißt
ihr, mein Junge?“ fragte er nach einer Weile. „Man nennt mich Shimo.“
„Woher kommt ihr, Shimo-san?“ „Aus Osaka, einer Stadt, die weit von
hier liegt.“ „Ich bin zwar weit gereist in meinem Leben, doch diese
Stadt ist mir nicht bekannt.“ Woher auch! „Wohin soll eure Reisen denn
führen, Shimo-san?“ fuhr er fort. Wie hieß doch gleich die Burg ? „Nach
Taka-du“, antwortete ich. Der Alte begriff erstaunlich schnell. „Ah,
Takedo. Nun, ihr werdet eure Gründe haben.“ Er deutete auf ein
langgezogenes Haus und meinte: „Wir sind da. Tretet ein.“
Ich schob die Shoji-Tür auf
und blickte in einen Raum, der scheinbar ein großes Esszimmer war.
Überall standen niedrige Tische und lagen Sitzkissen. Eine überaus
hässliche Frau erschien am anderen Ende des Raumes. Sie war in blaue
Gewänder gehüllt und besaß eine weiß-bläuliche Hautfarbe. „Ich bin
Chumoka“, krähte sie mit einer Stimme, die mir das Blut in den Adern
gefrieren ließ. Als sie näher kam, wurde ich von einer eisigen
Luftwolke erfasst. „ÄIch … äh … ich möchte etwas zu essen haben“,
brachte ich stotternd hervor. Sie verzog ihr Gesicht zu einer
schrecklichen Grimasse. Die Augen verengten sich zu Schlitzen, die Nase
blähte sich auf und ihre Mundwinkel verzogen sich bis an die Ohren. Sie
schien zu lächeln. Mir war alles andere als zum Lachen zu Mute, und ich
erwiderte schnell: „Ich bin in Eile … Könntet ihr es bitte einpacken?“
„Aber selbstverständlich“, gluckste sie und verschwand hinter einem
Vorhang. Ich atmete auf. Der Alte war nirgends zu sehen; er war sicher
sofort getürmt. Beladen mit vielen kleinen Päckchen, Paketen und einem
kleinen Beutel, der die Päckchen wohl aufnehmen sollte, kehrte sie
zurück. Wir handelten ziemlich schnell einen Preis von 90 Goldstücken
aus, und ich sah zu, dass ich aus dem Haus kam. Dies war meine erste
Begegnung mit einer Uba, einer Eishexe.
Draußen hatte die Sonne schon
ein gutes Stück vom Himmel erobert, als ich auf den Marktplatz trat.
Sofort empfingen mich finstere Blicke zweier Wachen, deren Gesichter
mir vertraut vorkamen. Mit einer etwas schnelleren Gangart hielt ich
auf das Tor zu, war bald aus der Stadt heraus und am Rande der Wüste.
Kamisori hatte mir geraten,
mich an der Küste entlang der Flussmündung des Kawa zu nähern. Die
Sonne begann gerade mit ihren warmen Strahlen den Wüstensand
anzuheizen. Langsam setzte ich mich in Bewegung und folgte der
Küstenlinie. Dies erwies sich als sehr wohl tuend, da ich mich ab und
zu im Meer abkühlen konnte. Gegen Mittag machte ich Rast und öffnete
meinen Beutel mit den Essensrationen. Ich fand getrocknete Fische,
einige Portionen mit Sojabohnen und natürlich Reis. Die 90 Goldstücke
konnten hier auf dieser Welt nicht viel Wert sein. Auf der Erde hätte
man davon viele Wochen leben können. Hier konnte ich davon gerade zwei
Tage überleben. Nein, ich wollte noch nichts essen. Die Nahrung durfte
nicht verschwendet werden, dazu war sie zu kostbar. Nach einer kleinen
Pause machte ich mich wieder auf den Weg. Ab und zu stieg ich auf eine
hohe Sanddüne, um mir einen besseren Überblick über die Landschaft zu
verschaffen. Ich hatte die Bucht gerade umrundet und befand mich auf
der gegenüber liegenden Seite von Watashibune. Richtung Norden
erstreckte sich die in sengender Sonne flimmernde Wüste, und als ich
nach Südwesten blickte, bemerkte ich einen dunklen Streifen am
Horizont, der von einem Gebirge zu kommen schien. Kamisori hatte davon
berichtet, dass hinter dieser Gebirgskette das Kloster Hayagake-do lag.
Dort hatte er in seinen jungen Jahren gelernt, wie man sich, ohne müde
zu werden, bewegen konnte. Auf diese Weise konnte er bis zu 48 Stunden
lang wach bleiben. Diese Fähigkeit war nur durch eine spezielle
Ausbildung zu erlangen und kostete natürlich viel Gold. Doch
Hayagake-do war nicht mein Ziel, und so wanderte ich weiter, bis ich am
Abend die Mündung des Flusses Kawa erreichte.
Laut Legende befand sich in
seinem Knotenpunkt die Burg Takedo, unter dessen Gemäuern die Urquelle
des Lebens lag. Irgendwo musste ja schließlich das Wasser her kommen,
das sich wieder in den Abgrund ergoss. All diese Informationen hatte
ich von Kamisori, der seltsame Dinge über die Welt zu wissen schien,
von denen bestimmt die Hälfte erlogen war.
Mein Ziel war die große Brücke
des Kawa, die ich am nächsten Tag zu erreichen hoffte. Von dort
gelangte man in das Land der sieben Seen und zum Baum des ewigen
Lebens. Doch dazwischen lag noch eine Nacht, die ich zu überleben
hatte, denn Kamisori warnte mich vor den Geschöpfen der Wüste, die des
Nachts aktiv wurden. Da gab es schwarze Wolken, die einen im Schlaf
überraschten, und große Vampire. Mein Problem bestand darin, dass ich
keine Waffe bei mir hatte. Eigentlich war es ein Glück, dass ich
niemandem auf dem Weg begegnete. Nun galt es, einen Schutz für die
Nacht zu finden. Dies erwies sich als äußerst schwierig, da es nirgends
eine Art Höhle oder ein Gestrüpp gab, wo man Schutz hätte finden
können. Mir blieb nichts anderes übrig, als mich im Sand einzugraben
und mich auf mein Glück zu verlassen.
Mitten in der Nacht weckten
mich seltsame Geräusche auf. Die Monde warfen ein Dämmerlicht auf den
Strand und enthüllten ein großes Wesen mit einem schlangenartigen
Körper. Es sah so aus, als ob es an den Strand gespült worden sei und
jetzt nicht mehr ins tiefere Wasser kam. Der Form nach zu urteilen
musste es sich um eine Seeschlange handeln. Solche Fabelwesen waren mir
natürlich nur aus Büchern bekannt, daher wusste ich auch, dass sie der
Legende nach Abkömmlinge der gewaltigen Drachen waren, die Japan einst
heim gesucht hatten. Es musste verletzt sein, denn es wand und krümmte
sich noch lange, bevor der Körper erschlaffte.
Am nächsten Morgen bot sich
mir ein schreckliches Bild: Es war tatsächlich eine Seeschlange
gewesen. Sie war an den Folgen eines Kampfes gestorben. Das jedenfalls
zeigten die langen Wunden an Kopf und Bauch. Ich mochte lieber nicht
daran denken, welches Wesen noch stärker sein konnte als die
Seeschlange. Ich überwand meine Übelkeit und trat näher. Der Bauch war
aufgerissen, und es lagen verstreute Taschen und Bündel herum. Ich
traute meinen Augen nicht. Dieses Monster schien schon viele Menschen
auf dem Gewissen zu haben. Ich hütete mich wohl, die Schlange noch
weiter zu untersuchen, und öffnete nur zwei Taschen. Ich hatte Glück,
denn ich fand 40 Goldmünzen und einen Dolch, der mir fürs Erste gute
Dienste leisten mochte.
Zufrieden machte ich mich auf
den Weg, immer an der Küste entlang Richtung Norden. Das westliche Ufer
kam im Laufe des Tages näher und verriet, dass ich die Flussmündung
schon lange hinter mir gelassen hatte. Ich folgte dem Flusslauf also
weiter und bemerkte, wie am anderen Ufer die Berge den Hügelketten von
Yo-sing wichen, welche sich später in bewachsene Hügel mit dunklen
Wäldern verwandelten.
Die Sonne stand schon tief,
als ich die Brücke über den Kawa erreichte. Hier würde ich Schutz für
die Nacht finden. Außerdem war ich bewaffnet. Mit meinem Dolch traute
ich mich natürlich nicht, eine Seeschlange anzugreifen, aber
unerwünschte Besucher kleinerer Größe würde er schon abhalten. Die
Brücke überspannte den Fluss in einer Breite von etwa 100 Metern und
war aus Bambusholz gefertigt. Ein gewaltiges Bauwerk, wie mir schien.
An seinen Pfeilern schien ein gemütliches Plätzchen zu sein, und ich
begann, die kleine Böschung herunter zu klettern.
Unten herrschte bereits ein
Halbdunkel, und ich hörte meinen Angreifer erst, als es zu spät war.
Etwas unsachte wurde mein Bein weggezogen und es legte sich eine lange
Klinge an meine Kehle, die mir allmählich die Luft nahm. „Was wollt ihr
hier?“ zischte eine Stimme aus dem Halbdunkel. Ich war sprachlos.
„Antwortet!“ Der Druck wurde stärker. „Ich habe ein Nachtlager
gesucht“, brachte ich hervor. Das entsprach ganz den Tatsachen. „Woher
kommt ihr?“ fragte die Stimme. Ich sagte mir, dass ich diesmal wohl
einen Ort nennen sollte, der meinem Gegner bekannt war. „Aus
Watashibune.“ „Wohin wollt ihr?“ „Ich bin auf dem Weg nach Takedo und
suche die Göttin Benten.“ Der Griff lockerte sich ein wenig, und ich
bekam etwas mehr Luft. „Wer schickt euch?“ mein Gesprächspartner war
sehr neugierig. „Mich schickt niemand. Ich komme von Kamisori, einem
ehrbaren Heilkundigen der Stadt, der mich auf den Gedanken brachte,
nach Takedo zu gehen.“ „Kamisori!“ rief der Angreifer. Ich sah mein
kurzes Abenteuer schon beendet und erwartete jeden Moment meinen
Eintritt ins Nirwana. „Wie geht es ihm?“ rief mein Angreifer freudig
überrascht und nahm das Schwert von meiner Kehle. „Gut“, sagte ich
gequält und rieb mir den Hals. Jetzt begann ich zu fragen: „Wer seid
ihr?“ Der Mann trat ins Licht. „Mein Name ist Yodako. Verzeiht bitte
meine Unhöflichkeit, aber die Zeiten sind schlecht. Wenn ich jedoch
gewusst hätte, dass ihr ein Freund von Kamisori seid … Er verneigte
sich.
Yodako war ein Mann mittleren
Alters, etwa Mitte 30, groß gebaut, gekleidet in eine reich beschlagene
und bestickte Rüstung. An einer Seite trug er ein Katana. Dies waren
seine einzigen sichtbaren Waffen. Ich verneigte mich ebenfalls und
stellte mich vor. „Kamisori-sans Freunde sind auch meine Freunde“,
entgegnete er, wobei ich mir vornahm, dies nicht laut infrage zu
stellen. Kamisori hatte mir zwar aus der Klemme geholfen, aber deshalb
war er nicht mein Freund. Vielleicht war man auf dieser Welt schneller
der Freund eines anderen, als ich dachte. Es hatte jedoch ohne Zweifel
auch Vorteile. „Lasst uns das Nachtlager bereiten“, schlug er vor und
holte zwei Decken hervor, in die wir uns rollten.
Lange lagen wir wach, und er
erzählte mir von seinen Abenteuern. Bei Akuji hatte er sein Schiff
liegen, dessen Kapitän er war. Weit war er gereist, und viele Länder
hatte er gesehen. Ich versuchte mitzuhalten und berichtete ihm von
meiner zweitägigen Reise. Das beeindruckte ihn jedoch wenig, und er
fuhr fort, von Ochi-na zu erzählen, wo der Tempel des Buddha Amida
stand.
„Was habt ihr außer eurer
Reise noch erlebt, Shimo-san?“ wollte er gespannt wissen. Ich
beschloss, ihm nichts von meinem Beruf als Staubsaugervertreter zu
erzählen, sondern berichtete ihm von den beiden Statuen. „Erzähle mir
von ihnen.“ „Sie waren aus uraltem Stein. Mir kamen die Statuen sehr
lebendig vor, obwohl sie doch so verwittert waren. Die Schrifttafeln
wiesen sie als König und Königin aus. Der König trug in der rechten
Hand eine Sasumata, die Königin hatte langes, gewelltes Haar. Sie sahen
sich an und schienen doch ihre Umwelt zu beobachten. Die rechte Hand
der Königin war abgebrochen. Viele Gelehrte stritten sich um die
Entstehungsepoche. Auch ist der Künstler völlig unbekannt geblieben.“
„Wo standen die Statuen, Shimo-san?“ fragte Yodako mich. „In einer
Stadt namens Tokio, die ihr nicht kennt“, antwortete ich, „ich fand sie
dort in einem Museum.“
Toshiro blickte von den losen
Blättern auf. Er kannte das Museum! Er kannte auch die Statuen und den
Streit der Wissenschaftler um das rätselhafte Auftauchen dieser
Figuren! Wieso war ihm das nicht bei seinen früheren Lesungen
aufgefallen? Wie war das möglich? Die Beschreibung der Statuen passte
genau auf die beiden Figuren im Geschichtsmuseum. Dies war nur zwei
Straßen weiter. Toshiro wollte noch heute Abend in das Museum, um sich
den König und die Königin genauer anzuschauen. Jetzt wollte er erst
einmal weiter lesen:
„Beschreibe sie genauer“,
drängte Yodako. Ich versuchte mein Bestes, und seine Mine hellte sich
auf. „Ich kenne die Beiden. Das müssen der alte Tenno Subarashii und
seine schöne Prinzessin Kikori Shiramoto sein.“ Die Namen sagten mir
überhaupt nichts. „Eine Prinzessin?“ „Kikori Shiramoto verschwand vor
einigen hundert Jahren. Viele Gelehrte und Weise machen sich noch heute
Gedanken über sie. Mit ihr verschwand der König Subarashii ebenso
plötzlich aus dem täglichen Geschehen. Sie soll sehr schön, aber auch
einsam gewesen sein … jedenfalls tat der Zauberer Tama-shita alles, um
ihr Herz zu gewinnen und wollte für sie sogar den Spiegel der Erde aus
dem Fels schneiden, woran er kläglich scheiterte. Im übrigen lehnte sie
ihn sowieso ab, auch als er ihr anbot, den Stein von Toshi aus
Hayashi-tori zu holen. Aus lauter Kummer verzog er sich schließlich in
die Höhlenlabyrinthe von Kokoro-kazan, wo er bald starb.“
Langsam erstarb die
Unterhaltung, und wir schliefen bald ein. Am nächsten Morgen entdeckte
ich vier leblose Körper am Fuß der Brücke. Ungläubig betrachtete ich
sie und kam zu der Erkenntnis, dass es sich, der Kleidung nach, um
Ninjas handeln musste. Yodako gähnte, und ich erzählte ihm von meinem
Fund. „Feiglinge und Anfänger!“ schimpfte er, „Wer nachts kämpfen will,
der muss die Kunst der Infravision beherrschen. Sie waren eine leichte
Beute.“ Er hatte sie also tatsächlich getötet, während ich schlief. Ich
war jedoch neugierig geworden und löcherte ihn weiter: „Was ist
Infravision?“
Nun begann Yodako zu erzählen:
„Ich lernte sie auf einer Reise in den fernen Süden kennen. Damals
wagte ich mich weit über den Kontinent der Sonne hinaus und hatte
bereits die Stromschnellen von Shin-en hinter mir gelassen. Ich wollte
den Süden erforschen und den südlichen Rand der Welt sehen. Ein böser
Wind trieb mich jedoch vom Kurs ab, direkt in die Mündung eines kleinen
Flusses. Da die Vorräte aufgebraucht waren, hoffte ich, dass ich eine
menschliche Siedlung finden würde. Ich fuhr sehr lange, und die
Felswände auf beiden Seiten wuchsen bis zum Himmel. Schließlich
gelangte ich in einen großen See, der von Lavafeldern umgeben war. In
der Mitte lag eine kleine Insel, auf der sich ein Kloster angesiedelt
hatte. Es heißt Arfni-do, und dort lernte ich unter Leitung der Mönche
die Kunst des Sehens in der Nacht. Es ist sehr hilfreich, da man die
Feinde in der Dunkelheit an ihrem roten Schimmer leicht erkennt. Wenn
man sehr geübt ist, dann bemerkt man fremde Wesen auch schon hinter
Wänden. Doch nun lasst uns aufbrechen, denn gen Abend sollten wir auf
meinem Schiff sein.“
Wir setzten uns wieder in
Bewegung und überquerten die große Brücke. Am anderen Ufer angelangt,
fanden wir uns am Rande eines Waldes wieder. „Wenn ihr durch diesen
Wald geht, dann kommt ihr bald in das Gebiet der sieben Seen. Dort soll
im Sumpfland eines von 13 magischen Toren stehen. Um es zu benutzen,
braucht man jedoch ein geweihtes, hölzernes Symbol, das genau in eine
Vertiefung passen muss. Es ist jedoch sehr gefährlich, in ein solches
Tor zu schreiten. Viele, die es versuchten, kamen nicht zurück.
Meistens fand man sie auf anderen Kontinenten und in anderen Ländern
wieder. Aber das soll uns jetzt nicht interessieren.
Wir ließen den Wald hinter uns
und kamen an einen Seitenarm des Kawa. Der Fluss war aber noch zu
breit, als dass man ihn schwimmend überqueren konnte. Er kam aus den
Bergen, die jetzt schon bedrohlich nahe waren und sich hoch auftürmten.
Yodako erzählte von einem großen Labyrinth, das in den Schluchten
verborgen war, das Labyrinth von Ra.
„Weiter oben ist eine Brücke“,
deutete er mir. Die Brücken in Nippon waren anscheinend alle aus
Bambus. Hier hatten wir ein Bauwerk vor uns, das mich stark an eine
Hängebrücke erinnerte. Gegen Abend hatten wir den Fuß des Gebirges von
Ra hinter uns gelassen und bemerkten vor uns einige Lichter in der
Dunkelheit. „Das muss mein Schiff sein. Meine Leute halten sicher schon
Nachtwache. Es ist eine zuverlässige Besatzung, die schon so manche
Gefahren auf See überstand.“ Freudig lief er voraus, und schon kam das
Schiff in Sicht. Es sah aus wie eine kleine Galeere. In der Mitte hatte
es einen Mast mit gerefften Segeln. Zu beiden Seiten ragten zehn Ruder
gen Himmel. Am Ufer war der größte Teil der Mannschaft versammelt und
bereitete gerade das Abendessen zu. Als wir näher kamen, wurden wir
freudig begrüßt.
Ich wurde anfänglich noch
skeptisch betrachtet, jedoch legte sich das Misstrauen, als Yodako mich
vorstellte. „Wolltet ihr nicht nach Takedo, Shimo-san?“ „In der Tat“,
antwortete ich, „ich suche die Göttin Benten, welche mich in meine
Heimat zurück bringen soll.“ Da meldete sich ein Mannschaftsmitglied zu
Wort und meinte: „Ich stand schon einmal vor Bentens Thron. Damals
hörte ich, dass sie Menschen half, die ihr Rätsel lösten. Einige
schafften es sogar und gingen glücklich nach Hause. Ich konnte ihr
Rätsel nicht beantworten. Deswegen sprach sie einen Fluch über mich,
und ich verließ die Insel. Erst nach einem Kampf merkte ich, dass sich
die Wunden nicht mehr schlossen. Lange musste ich suchen, um einen
Heilkundigen zu finden, der mich von dem Fluch befreite. Ich fand ihn
in Ubamachi, im hohen Norden auf der Insel der Ubas. Die Ubas sind ein
schreckliches Volk, und ich betrat die Stadt nur ungern. Doch dort lebt
eine Hexe namens Yotsusho. Sie erlöste mich, und ich konnte wieder
genesen. Deshalb glaube ich nicht, dass euch Benten helfen wird.“
Es wurde ruhig am Lagerfeuer,
und ich überlegte, was ich jetzt machen sollte. Meine Hoffnungen auf
eine Rückkehr waren damit erst einmal zerstört. Doch Yodako bot mir
plötzlich an: „Kommt mit uns, Shimo-san. Oya dato-san hat recht. Sie
würde euch nicht helfen. Ich bringe euch nach Shin-en, der Stadt am
Rande der Welt. Dort lebt ein Freund von mir. Sein Name ist Kyaku. Er
ist der Besitzer des Cafés am Rande des Universums und sieht oft Dinge,
die sehr seltsam sind.“ Das wäre ja zumindest einen Versuch wert. Vor
allem war ich gespannt darauf, wie der Rand einer Welt aussah. Dankbar
nahm ich das Angebot an.
„Dann lasst uns schlafen
gehen“, entschied Yodako und stand auf, um an Bord des Schiffes zu
gehen. Die Hälfte der Mannschaft folgte ihm, und ich schlief zum ersten
Mal wieder in einem warmen Schlafstätte.
Die große
Reise
Sehr früh am nächsten Morgen
brachen wir auf. Yodako gab Befehl zum Segel hissen und wir legten ab.
Oya dato, der gestern von Takedo und Benten berichtete, war der
Steuermann, und er lenkte das Schiff in die Mitte des Flusses. Wir
mussten die Ruderer zu Hilfe nehmen, da wir stromaufwärts fuhren. Wie
schon erwähnt befindet sich unter Takedo die Urquelle des Wassers und
des Lebens. Bald konnte man erkennen, dass sich der Strom teilte.
Yodako und ich standen an der Reling.
„Genau vor uns liegt die Burg
Takedo, Shimo-san. Man kann sie schon ausmachen, ihre Fahnen sind groß
und weithin sichtbar. Rechts im Hügelland liegt das Dorf Ukosa. Dort
soll sich der Eingang zum verborgenen Wald befinden. Er enthält meines
Wissens auch eines der vielen magischen Tore.“ „Welchen Weg nehmen
wir?“ fragte ich neugierig. „Wir werden den Gebirgsstrom Okawa entlang
fahren. Dann müssen wir im Stromtal von Yamabito unsere Vorräte
auffrischen.“
Jetzt war Takedo schon viel
deutlicher zu erkennen. Es war eine gewaltige Festung mit unzähligen
Zinnen, Türmchen, vielen Toren und Burggräben. Am linken Ufer sah man
die Stadt Akuji im Schutz der Berge und Wälder liegen. Takedo war auf
einer kleinen Insel erbaut worden, am Fuße eines gewaltigen Berges.
Umgeben wurde die Festung von Sumpfland. Überall sah man Wasser
ausströmen und sich in die vier Seitenarme ergießen. Wir änderten
unseren Kurs und hielten direkt auf den Okawa zu, der bald im Gebirge
verschwand.
Yodako führte mich unter Deck
in seine Kabine. Dort öffnete er eine kleine Schatulle und holte einige
Schriftrollen heraus. „Hier sind meine Aufzeichnungen über all meine
Reisen“, erklärte er. „Wenn ihr mehr über unsere Welt erfahren wollt,
so lest sie.“ Ich war begeistert. Sofort setzte ich mich. Das würde mir
die lange Seefahrt verkürzen. Yodako verschwand wieder an Deck, und ich
hatte Ruhe, um seine Aufzeichnungen zu studieren. Zu meiner Freude
waren auch mehrere Karten einiger Länder beigefügt sowie ein grober
Umriss der Welt. Yodako war scheinbar weit gereist.

Der „große Umriss der Welt“. Nach
Klick auf das Bild gibt's eine große Karte (1,3 MB)
Ich begann zu lesen und war
überrascht, als Yodako wieder herein kam und berichtete, dass wir
gerade in Yamabito anlegten. Ich legte die Unterlagen also wieder
zurück und kam an Deck. Dort wurden gerade die Vorbereitungen zum
Anlegen getroffen. Yamabito war eine Stadt, die in einem Seitental des
Okawa lag. Sie war umgeben von einem Wassergraben. Die Bewohner
begrüßten uns sehr freudig. Mir schien, dass diese Freude doch etwas
übertrieben war, und sprach Yodako darauf an.
„Das ist normal. Sie leben in
einem abgeschiedenen Tal und freuen sich über jede Art von Besuch.
Deshalb bekommt man hier auch billig Verpflegung. Sie selbst klagen
stets über Langeweile. Da kommen Besucher gerade gelegen, da sie oft
Neuigkeiten aus aller Welt bringen. Früher war Yamabito ein
Handelszentrum, als es noch einen Pass über die Berge gab. Doch dieser
wurde nach einem Beben zerstört. Seitdem fristen sie ein ödes Dasein.“
Die Einwohner kamen nun in
großen Massen zum Anlegeplatz. Die Mannschaft war sehr freundlich und
erzählte viele Geschichten, die sie erlebt hatte. Es war schon später
Nachmittag, und am Abend waren die Vorräte wieder aufgefüllt mit
Dörrfisch, Reissäcken und Frischwasser. Die Nacht verbrachten wir auf
dem Schiff, obwohl wir von den Bewohner Yamabitos eingeladen wurden, in
ihren Häusern zu übernachten. Yodako lehnte dies jedoch ab und erklärte
mir, dass wir am Morgen früh aufzubrechen hatten und dass nicht allen
Einwohnern zu trauen war. Es gab dort einen geheimen Ninja-Clan, der
uns hätte gefährlich werden können. Er wollte kein Risiko eingehen. So
blieben wir an Bord, und ich vertiefte mich am Abend in Yodakos
Aufzeichnungen.
Von seiner weitesten Reise
hatte er mir schon berichtet: Sie führte in den heißen Süden der Welt,
in die Schule von Arfni-do. Insgesamt erhielt ich den Eindruck, dass
Nippon klimatische Verhältnisse aufwies, die auf der Erde undenkbar
waren. Der Norden schien eisig kalt zu sein. Je weiter man in den Süden
vordrang, desto heißer wurde das Klima. Ich wurde an der Südküste des
größten Kontinents an Land gespült. Wie ich auf den Karten sah, gab es
noch einen weiteren Kontinent im Süden, der durchgehend von einem
subtropischen Klima beherrscht wurde. Ausgedehnte Palmenwälder und
Dschungelregionen überzogen dieses Land. Der Kontinent wurde der
Kontinent der Sonne genannt, dem sich die Sonneninsel der Göttin
Amaterasu-Omi-no-Kami im Westen anschloss. Yodako erzählte mir einmal,
dass sie die Tochter von Benten war, jener Göttin, die die Welt
erschuf. Keiner konnte die Insel betreten, da sie nur von Bergen
umgeben war. An der Küste lag das Dorf Kami-no-mura.
Vor langer Zeit überflutete
eine große Welle das Land und vernichtete fast eine ganze Stadt. Der
Kontinent war stets der Dorn im Auge eines sehr mächtigen Gottes, der
Hachiman genannt wurde. Yodako senkte stets seine Stimme, wenn er von
ihm sprach. Hachiman vernichtete auch das Dorf Yogan-Haikyo an der
Südküste des Kontinents der Sonne. Er beschwor einen Vulkan herauf, der
das Dorf in Schutt und Asche verwandelte.
Nachdem Yodako in Arfni-do die
Kunst des Sehens in der Nacht erlernt hatte (was ihn im Übrigen zwei
Jahre des Lernens kostete), zog er weiter. Er fuhr den langen
Gebirgsfluss zurück und bemerkte auch jetzt wieder die vielen Pässe,
die seitlich in die südlichen Regionen führten. Doch Yodako setzte
seinen Weg fort, und als er die Mündung des Flusses verließ, um auf das
offene Meer zu fahren, sah er am Horizont die große Insel von Yaku. Er
landete an einem Waldstück und rüstete eine Expedition aus. Hier kamen
ihm seine soeben erlernten Fähigkeiten zu Gute, denn er machte sehr
frühzeitig eine Gruppe von Behemoths aus, die auf Beutezug waren. Er
umging sie geschickt und fand sich am Rande eines Lavafeldes ungeheuren
Ausmaßes wieder. Doch es schien ein Weg durch die Lavamassen hindurch
zu führen. Er führte direkt in das Innere des Vulkans hinein. Die
Gruppe, bestehend aus fünf Samurais, fand auf diese Weise die Stadt
Kokoro-Kazan. Es war schwer hinein zu kommen, da viele Höhlenlabyrinthe
den Berg durchzogen. Sehr bald gab er entmutigt auf und trat den
Rückweg an. Dann nahm er schließlich seine Reise wieder auf und segelte
gen Norden, wo er bald in das überschwemmte Land des Sonnenkontinents
kam. Dort lebte Yodako ein Jahr in Janguru. Mir fielen schon fast die
Augen zu, und so schloss ich die Schatulle wieder und verstaute sie an
ihrem Platz. Dann ging ich in meine Kabine und schlief ein.
Am nächsten Morgen weckte mich
das unsanfte Schütteln des Schiffes auf. Yodako hatte also schon
abgelegt. Als ich an Deck kam, sah ich das verbissene Gesicht von
Oya-dato, der krampfhaft versuchte, das Schiff von den Felsen
fernzuhalten. Wir waren in die Stromschnellen des Okawa geraten. Die
Berge waren hier nicht mehr so hoch, und man konnte in der Ferne einen
Waldstreifen ausmachen. Die Hälfte der Besatzung stand an der Reling
und genoss die Fahrt mit grünlichen Gesichtern. Eine seefeste Besatzung!
Jetzt blieben die Berge hinter
uns, und der Strom trieb uns stetig auf das offene Meer hinaus. Ein
dunkler Wald umgab uns jetzt. So fuhren wir etwa eine Stunde, als
plötzlich das Meer in Sicht kam und der Strom uns förmlich ausspuckte.
Wir fanden uns in einer riesigen Bucht wieder; im Nordosten sahen wir
einen Vulkan glimmen. Yodako ließ das Segel setzen und nahm Kurs auf
das offene Meer, Richtung Südost. Ich stieg wieder in die Kabine, um
mit meinen Lesungen fort zu fahren.
Nachdem Yodako ein Jahr lang
in Janguru lebte, packte ihn wieder die Abenteuerlust, und er kaufte
sich ein Schiff bei dem ortsansässigen Bootsbauer. Eine Besatzung war
schnell angeheuert, und so setzte er die Reise fort. Es dauerte
ziemlich lange, bis er aus dem Gewirr der Sümpfe und Flüsse heraus auf
die offene See kam. Bald erreichte er den Felsenkranz von Hayagake-do
und orientierte sich an der Küste, die er entlang fuhr. Das Gebiet der
sieben Seen lag rechts von ihm, und er segelte sehr lange Richtung
Norden, bis er endlich das bewaldete Kap erreichte, in der die Stadt
Ochi-na lag. Sie befand sich am Fuße des Gebirges von Ra. Vom Meer aus
war sie nicht zu sehen. Nach längerem Aufenthalt segelte Yodako in den
Seitenarm des Kawa, der von der Burg Takedo ausging. Die Fahrt ging
vorbei an dem Seiten-Tal des Labyrinths von Ra, an dessen Ende
Fujokawa, die Burg des Gottes der Erde, lag. Hier sollte auch der
Eingang zum Labyrinth sein, das ein Geheimnis barg.
Schließlich fuhr er den Kawa
hinunter und verließ das Schiff, um in Tokoro-chian den Weisen
Yosutebito zu besuchen. Auf dem Rückweg war ich ihm begegnet. Ich
verschloss die Aufzeichnungen wieder und betrat das Deck des Schiffes.
Wir hatten die Bucht inzwischen schon hinter uns gelassen und befanden
uns auf offener See.
Da die Fahrt sehr eintönig
verlief, fragte ich Yodako, ob er nicht Papier und Feder hätte, damit
ich etwas schreiben könne. „Natürlich, Shimo-san. Was gedenkt ihr denn
zu Papier zu bringen?“ „Ich werde, ähnlich wie ihr, meine Geschichte
niederschreiben für den Fall, dass ich nicht zurück kehren kann. Dann
werde ich sie in den Abgrund werfen, in der Hoffnung, dass sie jemand
in Raum und Zeit finden und lesen wird.“ „Ein sehr weiser Entschluss,
Shimo-san. Kommt mit! Ich werde euch das nötige Material geben.“ Damit
ging er voran und brachte mir die gewünschten Utensilien. Am späten
Abend erst unterbrach ich meine Aufzeichnungen und legte mich bald
darauf zur Ruhe. Die Wellen des Meeres sorgten dafür, dass ich sehr
schnell in einen wohltuenden Schlaf verfiel.
Gegen Mittag wachte ich wieder
auf und stellte an Hand des Kartenmaterials fest, dass wir die ganze
Nacht hindurch gesegelt sein mussten, denn wir drangen schon weit in
den Süden vor. Vor uns lag die verwunschene Insel. Hier tobte einst ein
Krieg zwischen den Menschen und dem Gott Hachiman. Dabei ging es um
eine kleine Perle, die sehr mächtige Kräfte zu haben schien. Die
Menschen versteckten sie vor Hachiman, und er musste schließlich
aufgeben. In einem letzten Akt von Wut verfluchte er die Insel und ließ
einen tödlichen Sumpf darauf wachsen, dessen Dämpfe eine schwächende
Wirkung entfalteten. Die Perle von Ki fand man bis heute nicht. Auf der
Insel überlebten die Menschen nur noch in zwei Siedlungen:
Mawari-michi, die große Stadt, und Sawa-byoki, das Dorf an der
Südspitze.
Wir änderten den Kurs und
steuerten zwischen den Südinseln hindurch den Kontinent der Sonne an.
Als es zu dämmern begann, ließ mich Yodako an Deck holen und zeigte
nach Steuerbord. „Seht ihr die große Nebelwolke am Horizont?“ „Ja, in
der Tat. Was ist das?“ „Das ist das Heim von En-no-gyoja. Der Meister
bewohnt auf einer Insel ein kleines Heim und bildet dort Shugenjas aus.
Die Insel taucht niemals aus dem Nebel auf. Nur Auserwählte können sie
betreten. Alle anderen schickt der Meister in einen Schlaf und lässt
das Schiff in eine Strömung fahren, die es von der Insel
wegführt.“„Seid ihr jemals dort gewesen?“ „Ja. Mir widerfuhr genau das,
wovon ich eben berichtete.“ „Was lehrt der Meister die Leute, die zu
ihm kommen?“ fragte ich neugierig. „Ich weiß es nicht. Es ist ein
streng gehütetes Geheimnis der Shugenjas.“
Langsam versank die Nebelinsel
im Dunkel der Dämmerung. Ich ging wieder an die Arbeit. „Land in
Sicht!“ rief der Ausguck am Bug des Schiffes. Ich eilte nach oben. Zwei
Tage waren jetzt schon vergangen, seit wir an der Insel des Nebels
vorbei segelten. Jetzt war der Kontinent der Sonne in Sicht. Es war
schwül geworden, und die letzte Nacht wurde ich fast von Moskitos
aufgefressen. Die Berge, die ich ausmachte, mussten das Ostgebirge
bilden, welches den Kontinent wie ein Schildwall umgab. Weit konnte es
nicht mehr sein, bis wir nach Shin-en kamen. Jetzt mussten wir
vorsichtig manövrieren, da es auch hier schon tückische Strömungen gab,
die einen in den Abgrund ziehen konnten.
Gegen Mittag hatten wir das
Ostgebirge so weit umrundet, dass im Süden eine Landzunge in Sicht kam,
auf der eine Stadt lag: Shin-en. Endlich waren wir dort! Von Backbord
kamen seit geraumen Stunden seltsam tosende und rauschende Geräusche.
Dort war die Sicht auch durch Nebelschwaden erschwert. Das war der
Abgrund! Nie war ich dem Rand der Welt so nahe. Die Landzunge schien
sich sehr weit in den Abgrund vorzuwagen, sie schien ihn fast zu
berühren.
Dann legten wir an. Es
herrschte ein reges Treiben in Shin-en. Viele Geishas liefen hin und
her und Händler priesen ihre Ware an. Groß war Shin-en nicht. Yodako
schritt voran, nachdem er seine Mannschaft Instruktionen gegeben hatte.
Er ging ziemlich zielsicher die Straße hinunter. Viele Geschäfte konnte
ich ausmachen. Waffenschmiede, Beschwörer und Sklavenhändler. Es gab
sogar eine Attraktion in der Stadt: Ein Samurai bot eine Bootsfahrt in
einem großen, künstlichen Bassin an. Das besondere daran war, dass es
sich hierbei keineswegs um natürliches Wasser handelte, sondern um ein
Wasser, das Schatten warf. Man konnte nicht in das Becken schauen, da
die Sicht wie von einer dunklen Wand versperrt wurde. Viele Leute
standen Schlange und wollten eine Bootsfahrt machen. Yodako meinte, es
wäre nichts Besonderes. Man würde sich höchstens wie in einem dunklen
Tunnel vorkommen.
Am Ende der Straße lag das
Restaurant. Yodako nannte es „das Café am Rande des Universums“. Die
Tür stand offen, und es kamen viele Stimmen aus dem Inneren.
Zielstrebig betraten wir das Café und setzten uns an ein leeren Tisch.
Uns wurde Tee gebracht, und Yodako verlangte, den Inhaber, einen
gewissen Kyaku, zu sprechen. Bald darauf trat ein kleiner Mann an
unseren Tisch. Er war sehr jung und trug weiße Gewänder. „Konnichi-wa,
Yodako-san“, begann er, „Was führt euch zu mir?“ „Mein Weggefährte
Shimo-san benötigt euren Rat“, erwiderte Yodako und begann mein Problem
zu schildern. Kyaku setzte sich nachdenklich an unseren Tisch und hörte
aufmerksam zu. Dann begann er:
„Ich fürchte, ich kann euch
dabei nicht helfen! Es ist wahr, dass ich viele Dinge über die
unendlichen Tiefen des Abgrundes weiß, aber mein Wissen erstreckt sich
nur über Dinge, die unsere Welt betreffen. Viele Leute sind in den
Abgrund gesprungen, einige aus Verzweiflung, andere aus Überzeugung, in
eine andere Daseinsebene vorzustoßen. Natürlich hat nie jemand etwas
über ihr Schicksal berichten können. Des Nachts scheinen manchmal ferne
Geräusche aus dem dicken Nebel zu ertönen und seltsame Bilder entstehen
aus den Schwaden, doch können das auch Einbildungen sein, die der ewige
Lärm des fallenden Wassers und die bizarren Formen des Nebels
hervorrufen. Ich weiß leider keinen Rat für euch, Shimo-san.“
Dann wurde es sehr ruhig an
unserem Tisch, und alle schauten betroffen zu Boden. Sollte ich denn
nie wieder in meine Welt zurückkehren? Nie wieder meine alten Freunde
sehen?
„Tragt ihr euch immer noch mit
dem Gedanken, eure Schriften in den Abgrund zu werfen?“, fragte Yodako
leise. „Das werde ich tun. Vielleicht findet sie jemand. Vielleicht
wird diese Geschichte einmal mein Verschwinden aus meiner Welt erklären
können.“ Ich zog die Papierrollen unter meinem Gewand vor. An Bord
hatte ich die Landkarten kopiert und den Schriftstücken beigefügt,
damit meine Geschichte nicht leer im Raum stand.
Kyaku stand auf und deutete
auf eine große Doppeltür am Ende des Raumes. Langsam setzten wir uns in
Bewegung und traten hinaus ins Freie. Eine kleine Plattform mit
Geländer ragte fast bis an die Nebelwand heran. Unter uns toste das
Wasser und ergoss sich in die Tiefe.
Diese Zeilen, die ich jetzt
schreibe, sind die Letzten. Wenn sie jemand liest, werde ich wohl im
Lande Nippon herum ziehen, immer auf der Suche nach einer Möglichkeit
zur Rückkehr. Vielleicht sind diese Zeilen ja einmal in dem alten
Buchladen zu finden, der in einer Seitenstraße von Tokio stand, in dem
alles anfing.
Toshiro wurde schwindelig.
Buchladen? Könnte es DIESER Buchladen sein? Saß Shimo vielleicht einmal
an diesem Tisch? Es wäre möglich. Hier endeten die Zeilen. Sie hatten
ihren Weg in diese Welt gefunden. War das der Weg? Hatten die Leute
recht, die in den Abgrund sprangen? Waren vielleicht die Menschen, die
immer von einer anderen Welt jenseits der Fantasie redeten, keine
Spinner, die man in psychiatrische Anstalten stecken musste? Sie
konnten ihren Weg ebenso gefunden haben wie diese Pergamente.
Das alles klang so unmöglich,
aber es traf zu. Die Statuen entsprachen genau der Beschreibung. Die
Prinzessin! Was war mit ihr geschehen? Er musste sie suchen, aber
wieso? Sein gesunder Menschenverstand sagte ihm, dass er fantasierte.
Wie sollte er das jemals bewerkstelligen? Vielleicht war es eine Art
Vorwand, um nach Nippon zu gelangen … Toshiro war fest entschlossen, in
das Museum zu gehen, um die Säulen zu untersuchen.
Draußen war es dunkel. Er
schaute auf die Uhr: Es war schon nach Zehn. Das Museum musste
geschlossen sein. Er trat hinaus auf die Straße. Seine Schritte wurden
schneller. Außer Atem kam er am Museum an … geschlossen. Toshiro ging
aufs Ganze. Er umrundete das Gebäude und warf kurzer Hand die Scheibe
mit einem Ziegelstein ein. Wieso tat er das? Wenn er sich irrte, würde
er viel zu erklären haben. Die Alarmanlage schrillte los. Rasch
schlüpfte er durch das Fenster und befand sich in einer spärlich durch
Leuchtreklame erhellten Museumshalle. Ein paar Momente der Orientierung
vergingen. Viel Zeit hatte er nicht. Er durchquerte zwei Hallen und
blieb wie angewurzelt vor zwei riesigen Statuen stehen. Die eine hielt
eine große Stangenwaffe, der anderen fehlte der rechte Arm. Sie
beobachteten ihn. Sie sahen ihn nicht direkt an, aber sie beobachteten
ihn. Toshiro hörte Schritte in der Eingangshalle. Wer sollte ihn jetzt
noch aufhalten? Zwischen den Säulen war eine Stelle undurchdringbarer
Schwärze. Das musste es sein … Zielstrebig schritt er darauf zu. Dann
fiel er in eine unvorstellbare Tiefe, vorbei an Sternen, Planeten,
Sonnensystemen, durch Galaxien hindurch in eine schwarze Tiefe. Er
verlor das Bewusstsein.
Als Toshiro die Augen öffnete,
sah er sich unbekleidet an einem Fluss liegend. In der Ferne sah er
Berge und Wälder. Am anderen Ufer stand eine Burg mit unzähligen
Türmchen und Zinnen. Viele Burggräben und Tore schützten die Festung.
Er hatte das alles schon einmal gesehen …
Folgende Spielhilfen
könnt ihr hier aufrufen:
(Inoffizielles Longplay
11/2003; Autor: Thorsten Sommermann 11/2002)
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