Ich befand mich auf dem Rückflug zum Planeten Gamma 5, als mich der Statusbericht meines Raumschiffs „Prestinium“ aufschrecken ließ. Die Kontrolle meldete einen Schaden, und sofort stoppte mein Bordcomputer den „Novadrive“-Antrieb. Ich befand mich im Gravitationsbereich eines Planeten, der mein kleines Raumschiff bereits anzog. Ich reagierte, so schnell es der Schock zuließ, doch zu spät! Mehr als ein widerwilliges Zittern der gesamten „Prestinium“ konnten die Triebwerke bei der Kurskorrektur nicht bewirken. Dann ging alles ganz schnell: Ich stürzte auf den Planeten. Als Letztes sah ich, wie diverse Gebäude und Straßen auf mich zurasten. Also ein bewohnter Planet! Sehr zu meinem Erstaunen war ich nach dem Aufschlag noch am Leben. Ich befreite mich aus dem Wrack, und bevor mein Erstaunen einem hemmungslosen Selbstmitleid weichen konnte, sah ich mich einer Horde seltsamer und nach Menschengeschmack häßlicher Kreaturen gegenüber. Ich erfuhr, daß ich mich auf dem Planeten „Targ“ befand und die Fremden sich „Palyaren“ nannten. Ich hatte zwar schon viel über sie gehört, aber es war das erste Mal, daß ich ihnen begegnete. Voller Stolz erzählte man, daß sie zur Zeit einen ehrenhaften Krieg gegen die Mechanoiden führten. Mit diesem Krieg hatte ich nichts zu tun, und das sollte auch so bleiben, deshalb unterbrach ich die Palyaren und fragte sie, wann das nächste Raumschiff nach Gamma 5 fliege. „Wir sind im Krieg, Mister. Wir können hier keinen einfachen Flugverkehr veranstalten, wie Sie es von unseren Touristik-Planeten her kennen“, sagte einer der Palyaren mit einem gurgelnden Laut, den ich als Lachen deutete. „Aber vielleicht kann Ihnen ja der Schwager des Kommandanten helfen. Der hat im Moment die oberste Befehlsgewalt“, erklärte der Palyar. „Er verfügt als einziger über interstellare Raumschiffe – aber die haben auch ihren Preis!“ Wieder dieses Gurgeln. Leider hatte ich nur 9.000 Einheiten des intergalaktischen Währungssytems bei mir. Das reichte bei weitem nicht. „Du kannst dir das Geld ja verdienen“, sagte der Palyar. „Melde dich einfach in der Leitzentrale bei Bodenstation Koordinate 9/6. In diesen Zeiten werden immer tüchtige Männer gebraucht.“ Also doch in diesen Krieg ziehen? Für 5.000 Einheiten kaufte ich ein veraltetes Vehikel von dem Palyar und machte mich sofort auf den Weg zur Bodenstation. Sie war dank des Bordcomputers schnell gefunden. In der Bodenstation herrschte reges Treiben, das mich allerdings nicht an Kriegsvorbereitungen erinnerte, sondern eher an eine Evakuierung. Da ich mich in dem Gewirr von Gängen nicht verirren wollte, fragte ich einen herumstehenden Palyar nach der Leitzentrale. Hilfsbereit bot er mir an, mich zu führen. Auf dem Weg erzählte er mir noch einige interessante Dinge über die Bodenstation. Es existierten noch andere, die sowohl überirdisch wie auch unterirdisch zu erreichen waren. Die nächste Bodenstation mit den Koordinaten 9/5 war mit diesem Gang-System verbunden. Die anderen Stationen (Koordinaten 11/13 und 81/25) konnte man bequem mit den Teleporterkammern erreichen, die es fast überall gab. Eine weitere Station war fernab des bewohnten Gebietes zu finden. Dorthin konnte man nur mit einem Gleiter gelangen. „Es gibt auch eine Bodenstation, die von den Mechanoiden besetzt ist. Sie befindet sich bei Koordinate 3/0“, hörte ich vom Palyar. „Diese Station war auch über Teleporterkammern zu erreichen, doch wir haben es geschafft, diese Kammern zu sperren, so daß man sie nur in Richtung des Mechanoiden-Komplexes benutzen kann und nicht zurück. Leider konnten wir diesen Vorteil noch nicht militärisch ausnutzen. Außerdem sind einige Türen aus Sicherheitsgründen verschlossen. Sie lassen sich nur mit speziellen Schlüsseln öffnen. Allerdings vermuten wir, daß auch die Mechanoiden über diese Schlüssel verfügen. Manche Räume sind verdunkelt und sollten nur mit einem Photon-Emitter betreten werden“, plauderte der Außerirdische weiter. Mittlerweile hatten wir den kleinen Raum der Leitzentrale erreicht, und der hilfsbereite Palyar verabschiedete sich von mir. Ich betrat den Raum. Ein kleiner, aber dennoch Autorität ausstrahlender Palyar saß an seinem Schreibtisch, schaute kurz auf, um auch gleich wieder mit seinen großen Fischaugen auf den Computer vor sich zu starren. „Was wollen Sie?“ fragte er barsch. Scheinbar interessierte es ihn wenig, daß ich nicht seiner Spezies angehörte. „Ich brauche Arbeit. Ich bin hier notgelandet ...“ Für die Zerstörung der von den Mechanoiden besetzten Anlagen will er mir helfen. Ich erwidere: „Nun, zum Kriegführen habe ich nicht gerade den geeigneten Gleiter, außerdem möchte ich ...“ „Wenn Sie daran kein Interesse haben“, unterbrach mich mein Gegenüber mit einem Blick der Verachtung, „dann wäre uns schon gedient, wenn Sie wichtige Güter in unser Kolonieschiff befördern. Vielleicht schaffen Sie es ja, einen Mechanoiden zu kidnappen. Das würden wir besonders honorieren. Und nun gehen Sie, ich habe noch viel zu tun.“ Mit diesen Worten vertiefte sich der Palyar wieder in seine Arbeit. Ich verließ die Leitzentrale mit einem Gefühl der Resignation. Wo sollte ich die Güter finden, die auf das Kolonieschiff gebracht werden müssen? Ich begann, durch den Komplex der Bodenstation zu schlendern, als ich plötzlich in einem der Räume von einem großen, kräftigen Palyar angesprochen wurde. „He, bist du nicht der Neue, der unser Kolonieschiff beliefern soll?“ Ich bekam einen Kasten mit Medikamenten, der schnellstens auf das Kolonieschiff mußte. Glücklicherweise hatte ich noch meinen Molekulator am Gürtel, sonst hätte ich den Medikamentenkasten nur schwerlich transportieren können. So ein Molekulator ist eine feine Sache. Vereinfacht dargestellt lassen sich damit Gegenstände in ihre Molekülstruktur auflösen und in Form eines Digitalcodes und Energie speichern. Der Vorgang läßt sich natürlich rückgängig machen, und der Gegenstand wird wieder in seine ursprüngliche Form zusammengesetzt. Leider funktioniert das aber nur mit Gegenständen, die eine gewisse Größe und Masse nicht überschreiten – irgendwann wird man aber auch seinen Raumgleiter in der Westentasche tragen können. Schnell molekulierte ich also den Medikamentenkasten und verließ den Raum. Als nächste durchstöberte ich sämtliche Räumlichkeiten und nahm alle Gegenstände mit. Ich schaffte es sogar, einige der Schlüssel für die verschlossenen Räume aufzutreiben. Ich gewöhnte mich langsam an den Gebrauch der Teleporterkammern. Die Bodenstation 11/13 war eine Untersuchung wert: Hier war ein sehr kleiner Gleiter versteckt. Die Palyaren tauften das Gefährt „Cheese“. Er ließ sich molekularisieren und war so der erste Westentaschen-Gleiter! Schon nach dem ersten Ausprobieren stellte sich der Gleiter als verteufelt schnell und wendig heraus. Wie es der dumme Zufall wollte, betrat ich eine dieser Einwege-Teleporterkammern und landete im Stationskomplex der Mechanoiden. Diese Mechanoiden waren in keiner Weise schöner anzusehen als die Palyaren. Sie waren graue, gesichtslose Roboter, die sich zwar geschmeidig bewegten, aber dennoch nicht zu den Androiden unserer heutigen Q-Klasse gerechnet werden können. Erstaunlicherweise benehmen sie sich nicht feindselig. In ihrer Leitzentrale traf ich ihren Anführer, der sich lediglich durch seine metallisch-blaue Farbe von den anderen unterschied. „Was immer Ihnen die Palyaren auch geboten haben“, krächzte der Mechanoid, „wir zahlen Ihnen mehr, wenn Sie die Waren für die Palyaren bei uns abliefern.“ Ich verließ den Komplex der Mechanoiden über den Hangaraufzug und gelangte wieder auf die Oberfläche von Targ. Ich beschloß, nun zum Kolonieschiff zu fliegen, das zirka 64.000 Fuß hoch in einer geostationären Umlaufbahn direkt über Targ schwebte. Trotz dieser Höhe war das Kolonieschiff vom Boden aus als kleiner Punkt am Himmel zu sehen. Ich flog also mit meinem neuen Minigleiter zum Kolonieschiff, landete an der Oberseite und betrat es durch einen Aufzug. Ich erreichte einen Hangar, dessen Türen verschlossen waren. Glücklicherweise hatte ich den richtigen Schlüssel für die restlichen Räumlichkeiten bei mir. Als man hier von den Gegenständen hörte, die ich bei mir hatte, bot man mir sofort beträchtliche Geldsummen. Allerdings nicht genug. Für eine ganze Reihe von Gegenständen hatten mir die Mechanoiden bereits mehr geboten. Also verkaufte ich den Palyaren nur die Objekte, an denen die Mechanoiden kein Interesse hatten. Auf dem dritten Deck des Kolonieschiffs fand ich das Zimmer des „Schwagers“, der leider nicht da war. Das paßte mir ganz und gar nicht, denn ich wollte mit ihm über den Kauf des interstellaren Gleiters sprechen. Man riet mir, mit einer speziellen Konsole Funkkontakt aufzunehmen. Ich verließ also das Kolonieschiff wieder und begab mich zu Bodenstation 9/6. Nachdem ich dort den Kommunikationsraum erreicht hatte, mußte ich feststellen, daß die Funkkonsole defekt war. Dank meiner technischen Kenntnisse konnte ich sie mit Hilfe einer gefundenen Antenne wieder instandsetzen. Ich bekam Funkkontakt mit dem „Schwager“, der schon über alles Bescheid wußte. Er war recht kurz angebunden. Als Preis für den interstellaren Gleiter verlangte er 999.999 galaktische Einheiten. Das war Wucher! Aber eine andere Chance hatte ich ja nicht ... Also begab ich mich sofort zur Mechanoidenstation und verkaufte die restlichen Palyarengüter. Dann machte ich eine sensationelle Entdeckung: Mit Hilfe eines Küchenutensils, das ich im Kolonieschiff gefunden hatte, war es mir möglich, selbst die größten Objekte zu molekularisieren. Und dann hatte ich einen genialen Gedankenblitz: Wenn ich schon das ganze Zeug hier hin- und hertransportierte, dann konnte ich ja noch etwas ganz anderes mitnehmen, und mit einem Lächeln auf den Lippen betrat ich den Kommandoraum der Mechanoiden ... Die Palyaren ließen sich den gefangenen Mechanoidenführer einiges kosten, als ich ihn im Verhörraum des Kolonieschiffs wieder remolekularisierte. Jetzt habe ich genug Geld für mein Ticket nach Hause. Auf meinem Flug nach Targ nahm ich nochmals per Funk Kontakt mit dem „Schwager“ auf. Dabei entdeckte ich einen mir noch unbekannten Gebäudekomplex, dessen Räume alle durch verschlossene Türen gesichert waren. Dank meiner Schlüssel war es kein Problem, diesen Bereich zu erkunden. Ich gelangte in einen Hangar, in dem ein beschädigter interstellarer Gleiter stand. Ich untersuchte ihn, um festzustellen, ob ich ihn reparieren konnte. Alle notwendigen Ersatzteile hatte ich schon einmal irgendwo in der Palyarstation gesehen. Ich verließ den Hangar mit dem Aufzug und stellte verdutzt fest, daß ich mich bei Koordinate 3/15 befand. Diese Station konnte man über den Hangaraufzug nur mit einem Sicherheitspaß betreten. Glücklicherweise hatte ich diesen Paß gerade in der Bodenstation gefunden. Jetzt stand mein Plan fest: Ich würde das Schiff reparieren und mit dem verdienten Geld verschwinden. Gesagt, getan! Die Ersatzteile wurden zum Hangar 3/15 gebracht und damit schnell das Schiff repariert. Nach Abschluß der Reparaturen rein ins Schiff und anschnallen. Ohne noch einen weiteren Gedanken an diesen Ort zu verschwenden, starte ich die Maschinen und bin im Nu im Orbit – auf dem Weg nach Gamma 5.
(Longplay aus der 64'er 8/1996; Autor: Markos Temeldis) |