Kaiser

11/2004

 

Das Spiel

Der Kaiser grüßt Euch! Der Kaiser – das sind Wir (gemeint ist das königliche „Wir“), Unsere Allerdurchlauchtigste Majestät Hoggett I., von Gottes Gnaden Bewahrer des Zepters, Bezwinger der Hungersnöte und Halter des Reichsapfels, und der Weg dorthin war ein schweres Stück Arbeit!

Höret denn Unseren Bericht, auf dass er der Nachwelt auf ewig erhalten bleibe und Unser Name unauslöschlich in die Annalen der Weltgeschichte eingehe ...

 

Wie es begann

Geboren wurden Wir in einem kleinen Ort in Hessen, wo Unser bürgerlicher Name „Haraldus Hoggettus“ war. Unser Vater wurde auf Grund verschiedener verwandtschaftlicher Verflechtungen und einiger mysteriöser Todesfälle Regent von Hessen, weshalb Wir als Thronfolger eine harte Jugend verbrachten. Nach seinem allzu frühen Tode – Gott hab’ ihn selig – wurden Wir Regent, da Unsere älteren Brüder aus ungeklärten Umständen frühzeitig ihr Leben ließen.

Wir waren nun der Herr von Hessen, und zwar im wörtlichen Sinne: Unser Titel lautete „Herr Hoggettus von Hessen“.

Unverzüglich begannen Wir damit, das marode Land auf Vordermann zu bringen. Jedes Jahr hatten die Minister vor Uns zu erscheinen, um ihre Order entgegen zu nehmen:

Zunächst ließen Wir den Landwirtschaftsminister erscheinen. Ihm gaben Wir Befehl, im laufenden Jahr grundsätzlich für ausreichende Getreidevorräte zu sorgen und notfalls – koste es, was es wolle – das nötige Getreide einzukaufen, damit die Speicher gefüllt wären. An das hungernde Volk sei immer so viel wie möglich zu verteilen, damit es sich mehre und Einwanderer ins Land kämen.

Der Finanzminister hatte dafür zu sorgen, dass stets ausreichend liquide Mittel in der Staatskasse waren.

Der Justizminister wurde von Uns gehalten, stets maßvoll zu urteilen. Hier konnte ich die Politik meines Vaters fort führen, da sie sich bewährt hatte. Allzu große Härte ließ viele Untertanen auswandern, was Wir nicht dulden konnten.

Der Kriegsminister hatte lediglich dafür zu sorgen, die Miliz aufzubauen, was er auch ohne Unser Zutun zufrieden stellend durchführte. Er hatte jedoch die feindlichen Heere genauestens zu beobachten und entsprechend deren Stärke Unser Heer zu halten, damit wir den Feinden im Falle eines Krieges keinen allzu leichten Sieg schenken würden. Wir selbst wollten keinen Krieg vom Zaune brechen, da die damit verbundenen Vorteile (natürlich nur im Falle eines Sieges) allzu teuer erkauft wären und ich die Steuergelder statt in die Armee in die Wirtschaft zu investieren beliebte.

 


Mithilfe der Statistik weiß man über die Konkurrenz Bescheid

 

Der Industrieminister hatte so viele Marktplätze und Kornmühlen wie möglich zu bauen. Schnell merkten Wir, dass Wir nur je eine Kornmühle und einen Marktplatz pro 1.000 Hektar Land bauen konnten. Dies nutzten Wir aus und bauten so viele wie möglich, ohne Uns zu verschulden. Erst, als Wir nichts mehr bauen konnten, kauften Wir zusätzliches Land von Unseren Nachbarn – natürlich nur, wenn es günstig zu haben war (maximal 30 Taler pro Hektar).

Zu Beginn Unserer Regentschaft behielten Wir zirka 5.000 Taler am Ende des Jahres, um damit im nächsten Jahr, so es notwendig werden sollte, Getreide einzukaufen. Von 1710 bis 1725 hielten Wir zu diesem Zwecke 10.000 Taler, von 1725 bis 1735 hielten Wir 20.000 Taler und ab 1736 dann 30.000 Taler zu diesem Zwecke zurück. Unser braver Finanzminister legte alles Guthaben, welches Wir am Jahresende besaßen, zu zehn Prozent Zinsen per Anno an, so dass sich Unser Geld vermehrte. Legten Wir einmal einen höheren Betrag zurück, machte sich das im nächsten Jahr bereits bemerkbar.

Da Unsere Untertanen auf diese Weise wohl genährt waren, vermehrten sie sich entsprechend und brachten Uns gute Steuern ein. Zudem sprach sich Unsere sorgende Politik schnell im Auslande herum, und viele Bürger anderer Staaten suchten ihr Glück bei Uns.

Dem Landwirtschaftsminister gab ich explizite Order, nur im allerdringlichsten Notfalle Getreide zu verkaufen, und auch nur, wenn genügend davon im Speicher war. Es war ansonsten für das kommende Jahr bereit zu halten.

Im Laufe Unserer Regentschaft zeigte sich, dass das Land z dicht bebaut war, wenn alle 1.000 Hektar eine Kornmühle und ein Marktplatz gebaut wurden. So stiegen nämlich die Preise für Land, und es stand nur noch wenig Land für den Ackerbau zur Verfügung. Daher beschlossen Wir, nur noch alle 2.000 Hektar eine Kornmühle und einen Marktplatz zu errichten

 


Gute Politik wird belohnt

 

Nach einigen Jahren gingen Wir daran, eine repräsentative Wirkungsstätte zu errichten. Unser Land besaß zu diesem Zeitpunkt bereits 15 Kornmühlen und 15 Marktplätze und umfasste 30.000 Hektar an Boden. Als nach einigen Jahren der Palast fertig war und Wir uns dort eingelebt hatten, beschlossen Wir, dem Volke Unseren Dank mit dem Bau einer Kathedrale zu zeigen (dort sollte einige Jahre später Unsere Krönung zum Kaiser vollzogen werden). Der Bau begann in den Jahren um 1735 und 1746. Damals umspannte Unser Reich bereits 50.000 Hektar Land.

Anno Domini 1756 regierten Wir bereits 100.000 Hektar Land, besaßen 50 Kornmühlen, 50 Marktplätze und nahmen in guten Jahren 50.000 Taler an Steuern ein (die Unkosten für Miliz und Armee bereits abgezogen!).

Kurz nachdem Unsere Staatskasse zu platzen drohte (sie fasste 100.000 Taler), wurden Wir vom deutschen Volke gebeten, die Krönung zum Kaiser an Uns vollziehen zu lassen.

Zu dieser Zeit waren Wir durch Unsere umsichtige Herrschaft bereits in den höchsten deutschen Adel aufgestiegen: Vom Herrn über Baron, Landgraf, Markgraf, Fürst, Herzog, Kurfürst bis zum König. Als Kaiser nun währt Unsere segensreiche Regentschaft trotz der Unbill meiner Nachkommen und Neider bereits mehrere Jahre, und gerade zieht das Volk vor dem Palaste auf, um Uns für ein weiteres Jahr friedvoller Regierung zu danken ...

 


So sollte das Spiel nicht enden

 

(Longplay aus der GO64! 11/2004; Autor: Harald Horchler)