Iron Lord

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Das Spiel

Seit mein Vater vor vielen Jahren von meinem Onkel ermordet wurde, kenne ich bloß einen Gedanken: Rache! Ich war damals drei Jahre alt, als meines Onkels Monster-Horden das Schloß überfielen und alle Bewohner niedermetzelten. Nur ein enger Vertrauter meines Erzeugers konnte mit mir auf dem Arm entkommen. Doch jetzt ist die Zeit gekommen, meinen Vater und sein Volk zu rächen ...

Blutige Rache

Als ich in meiner ehemaligen Heimat ankam, traten mir die Tränen in die Augen: Gewalt und Unrecht, Intrigen und Mord regierten das Land. Mein Quartier bezog ich in der Ruine unseres Schlosses. Dies war der einzige Ort, wo ich vor meinem habgierigen Onkel halbwegs sicher war. Ich beschloß zunächst, den alten Einsiedler zu besuchen, der sein Lager südlich der Ruine hatte. Als er mich sah, erhellte ein Lächeln kurz sein abgemagertes Gesicht. Du bist gekommen? Endlich hat die Unterdrückung ein Ende!, sagte er erleichtert. Ich kam mir in diesem Augenblick sehr wichtig vor, aber was war ich in Wirklichkeit? Ein rachebesessener Ritter, allein gegen die große Armee des durchtriebenen Onkels. Nach meinem Versprechen, den Einsiedler bald wieder zu besuchen, verabschiedete ich mich. Ich hatte vor, in die nahegelegenen Dörfer zu reiten, um die Stimmung im Volk auszukundschaften.

 

 

Nach einem beschwerlichen Marsch durch finstere Wälder erreichte ich völlig erschöpft Chatenay Malabry. Ich sehnte mich nach einem bißchen Ruhe, aber es kam anders: Kaum hatte ich das Dorf betreten, wurde ich auch schon vom ersten Schergen meines Onkels besucht. Es war eine sehr harte Begegnung, nur mit Müh' und Not konnte ich den Haudegen besiegen. Im Dorf traf ich einen Heilkundigen, der mir seine Hilfe anbot. Ich mußte ihm aber erst eine kleine Probe meines Könnens abliefern. Wie es der Zufall wollte, war um diese Zeit ein Bogenschieß-Wettbewerb ausgeschrieben. Hier konnte ich meine Fähigkeiten voll entfalten ... dachte ich. Aber was war es für eine Blamage, als ich nur den äußersten Rand der Zielscheibe traf! Ich faßte mich aber und forderte meinen Gegner erneut heraus. Da hatte ich mir etwas vorgenommen. Drei Wettkämpfe mußte ich gewinnen, um den heißersehnten Pokal nach Hause zu tragen. Bei jedem Wettkampf wurde die Zielscheibe in sechs verschiedenen Entfernungen aufgestellt die es zu meistern galt. Ich wählte meinen Schußwinkel auf 30 Grad und visierte das Ziel genau an. Mit einer Stärke von 38 traf ich auch gleich ins Schwarze. War das ein Triumph! Die Stärke, mit der ich schoß, erhöhte ich bei jeder Entfernung um 10. Also 38, 48, 58, 68, 78 und 88. Mit sehr viel Anstrengung erkämpfte ich mir den Pokal und eine Menge Geld. In der Aufregung vergaß ich tatsächlich, bei dem Heilkundigen vorbeizuschauen und marschierte voller Stolz in die nächste Stadt.

 

 

Hier traf ich auf einen Wirt, der mir erzählte, daß er die besten Weine der Region besitze. Davon überzeugte ich mich dann auch einige Stunden lang und marschierte nicht mehr ganz gerade in einen nahegelegen Laden. Hier wurden einige wichtige Utensilien wie zum Beispiel eine Rüstung angeboten. Auf dem Weg zu einer Mühle wurde es plötzlich Ernst: Ein offensichtlich verwirrter Ritter griff mich an. Nach einem kurzen Handgemenge und viel Säbelgerassel war alles vorbei. Als ich an der Mühle ankam, klagte mir der Müller sein Leid: Der Wirt schulde ihm noch Geld für einen Sack Mehl, wo er das Geld doch selbst so dringend brauche. Ich hörte mir die Klage an und versprach, mich um die Sache zu kümmern. Mein Weg führte mich weiter in die Stadt der Mörder. Hier mußte ich wieder einen feindlichen Ritter alle machen, bevor ich die Stadt betreten durfte. In der Spielstube fand gerade ein Wettbewerb im Armdrücken statt. Da ließ ich mich natürlich nicht lumpen, hatte doch Mutter Natur bei mir kräftig ausgeteilt: kräftige Arme, ein mächtiger Brustkorb und ausladende Schultern. Ich stieß zunächst auf einen Gegner, der nicht sehr ernst zu nehmen war. Anders sah es da mit seinen Nachfolgern aus. Besonders der dritte. Die anwesenden Gäste staunten nicht schlecht, als ich dennoch als Sieger aus dem Wettkampf hervorging. Viele beglückwünschten mich zu meinem Erfolg. Besonders fiel mir eine Kellnerin auf, die mir ständig zulächelte. Nach einem langen und angeregten Gespräch mit der Schönen gab sie mir ein Amulett. Ich bedankte mich bei ihr und ritt ins nahegelegene Kloster.

 

 

Mit dem Amulett ging ich zu dem Söldner, der hier wohnte. Dieser erzählte mir, daß er mir helfen würde, wenn ich kämpferische Erfahrungen aufweisen könne. Kleine Geschenke versüßen die Freundschaft, dachte ich bei mir und machte mich auf, die Rüstung beim Händler in der Stadt zu erwerben. Dieser erleichterte mich um satte 500 Goldstücke. Mit der Rüstung im Handgepäck ritt ich zurück zu Genosse Söldner. Der war über mein Geschenk so erfreut, daß er mir sofort die Hilfe seiner Leute anbot und mir zusätzlich eine schöne Kette preiswert verkaufte. Auch einem weiteren Bewohner des Gemäuers stattete ich einen kurzen Besuch ab: dem Abt. Dieser erzählte mir, daß er nicht wisse, was er machen solle. Alle seine Mönche seien urplötzlich an einer unbekannten Krankheit erkrankt. Da fiel mir der Heilkundige ein, bei dem ich vorbeikommen sollte, sobald ich den Bogenschieß-Wettbewerb für mich entschieden hätte. Ich sattelte mein Pferd und begab mich zurück nach Chatenay Malabry. Der Heilkundige war sehr hilfsbereit und gab mir eine Heilmixtur, die helfen sollte. Er behauptete, diese Mixtur habe sogar schon bei Mumien gewirkt, die mindestens 300 Jahre alt gewesen und danach kreuz und quer durch die ganze Sahara gerannt seien. Der Heilkundige wollte als Gegenleistung meinen Pokal. Nach längerem Verhandeln gab ich schließlich auf. Die kostbare Mixtur brachte ich auf dem schnellsten Weg zum Abt. Dieser begleitete mich daraufhin zum Burgherrn. Dankbar versprach auch er mir seine Unterstützung.

 

 

Nun galt es noch, das Versprechen, das ich dem Müller gegeben hatte, einzuhalten. Ich begab mich also wieder zum Barkeeper. Der war so beeindruckt von meinem Heldenmut, daß er sich glatt dazu überreden ließ, seine Schulden bis auf den letzten Heller zu begleichen. Erneut machte ich mich auf den Weg zum Müller, um ihm die eingetriebenen Schulden zu überreichen. Die Unterstützung des Müllers war mir nun auch gewiß. Doch irgendwas fehlte noch! Hatte mich nicht der Ladenbesitzer gebeten, eine bestimmte Kette für ihn zu besorgen? Die hatte ich ja vom Söldner. Also auf, bevor die Sonne endgültig unterging. Die Augen des Händlers glänzten beim Anblick des Geschmeides. Voller Freude verkündete er mir, daß er mir seine Leute bis in den Tod anvertraue. Ich fühlte, daß ich jetzt stark genug war, um gegen meinen Onkel anzutreten. Doch vorher ritt ich in die Stadt, um meiner Freundin einen kleinen Besuch abzustatten und ein wenig zu würfeln. Gesagt, getan. Conrad, dem Zocker, leierte ich das letzte Goldstück aus der Tasche natürlich mit meiner hausgemachten Methode: immer zehn Prozent des Vermögens setzen. So wird man früher oder später ein sehr reicher Ritter. Es war eine vergnügliche Nacht zumindest für mich.

 

 

Auf dem Heimweg zur Ruine wurde ich noch von einem der gefürchtetsten Mitstreiter meines Onkels, dem schwarzen Ritter, angegriffen. Aber ich verkaufte meine Haut sehr teuer, 10.000 Goldstücke war der Mindesteinsatz. Soviel hatte der schwarze Mann nicht, und so mußte er mit langer roter Nase und einem verbeulten Panzer unverrichteter Dinge wieder abziehen. Im Morgengrauen trommelte ich meine Truppen zusammen und holte zum vernichtenden Schlag gegen meinen verhaßten Onkel aus. Ich bezwang seine gewaltige Armee und drang in den gefürchteten Dungeon meines Onkels ein. Hier liquidierte ich seine Elitetruppe. Zu guter Letzt stand ich dann meinem Onkel im entscheidenden Zweikampf gegenüber. Mit meiner Erfahrung und meiner Macht war aber das kein Hindernis mehr ...

 

 

Dies alles liegt nun schon 20 Jahre zurück. Mein Reich ist aufgeblüht. Gerechtigkeit herrscht und ein Thronfolger ist auch schon da (erinnert euch an die Kellnerin ...).

 

(Longplay aus dem 64'er-Sonderheft Top-Spiele 5“; Autor: Frank Böttger)