Die Höhle

8/2005

 

Das Spiel

Als erstes Spiel aus der »C64 Retro Line Games«-Serie von Eckhard Borkiet berichteten wir schon in der Cevi-aktuell 04/2005 über »Die Höhle«. Nun endlich hatte ich einmal Zeit, das Spiel komplett durchzuspielen. Hier also der Lösungsweg:

 

Lieber Arthur,

auf der Suche nach dem von Dir beschriebenen Relikt fand ich mich nach langer Wanderung vor jener Höhle wieder, deren Lage Du mir in Deinem letzten Briefe schildertest. Der Eingang schien versperrt, doch ein Blick hinter den in der Nähe des Höhleneingangs wuchernden Busch enttarnte einen kleinen Hebel, nach dessen Betätigung der Eingang entriegelt wurde und von mir geöffnet werden konnte. Der Weg ins Innere der Höhle war nun also frei – ich atmete noch einmal tief durch und begab mich ins unheimliche Dunkel, das mir dort entgegenstarrte.

Im ersten Raum sah ich nur eine verschlossene Truhe und ein Kreuz mit blasphemischen Symbolen. In der Annahme, dass ich dieses Kreuz noch einmal benötigen könnte, steckte ich es ein. Die Truhe jedoch bliebt vorerst verschlossen. Daher ging ich weiter nach Norden in den nächsten Raum: den Altarraum.

Das verkehrte Kreuz auf diesem ließ darauf schließen, dass hier das blasphemische Kreuz abzustellen war – und tatsächlich, nachdem ich es dort abstellte, entriegelt sich ein weiter Gang. Zudem entdeckte ich nun eine Flasche, in der ein Schlüssel steckte. Was blieb mir also anderes übrig als die Flasche zu zerschlagen und den Schlüssel zu entnehmen? Dieser Schlüssel passte in die Truhe aus dem Vorraum, in der ich dann einen großen schwarzen Edelstein fand und mitnahm.

Zurück im Altarraum fiel nun mein Blick auf ein Brett, das bei näherer Betrachtung offenbar einmal eine Schiffsplanke war: Ich erkannte deutlich das eingeritzte Wort »Asara« – lieber Freund, ich nehme an, auch Dir fährt beim Lesen dieses Namens ein kalter Schauer über den Rücken, denn auch Du wirst Dich noch an die schrecklichen Legenden erinnern, die sich um dieses alte, verschollene Schiff ranken. Ich nahm auch dieses Brett an mich und schritt durch den Altarraum weiter und durch einen langen Höhlengang hindurch zu einem Raum mit drei Gängen. Einer führte nach Osten, einer nach Westen und einer nach Norden.

Ich nahm zunächst den östlichen Raum, der voller Gerümpel war. Dort erspähte ich Unglücklicher unter einem Steinhaufen eine Leiche, die einen Schlüssel bei sich trug. Vorsichtig und mit zittriger Hand nahm ich diesen von dem grausam zugerichteten Menschenreste und trat wieder zurück in den Raum mit den drei Gängen, wobei ich nun in den westlichen Raum weiterschritt. Hier gab es nichts weiter Erwähnenswertes außer einer Fackel aus Knochen, die ich an mich nahm. Abermals trat ich in den Vorraum und schritt nun nach Norden, um nach einem weiteren düsteren Höhlengang vor Gefängnisszellen zu stehen. Ich ging nach Westen und öffnete die vor mir liegende Metalltür, als ich hinter mir noch einen Raum entdeckte – offenbar eine Bibliothek.

Hier war außer den vielen Büchern noch eine Schaufel zu finden. Zudem sah ich ein Bild an der Wand, das eine grausige Gestalt zeigte, die aus einem Brunnen stieg. Dieses Gemälde brannte sich mir sofort ins Gedächtnis. Und als ich gerade den Raum wieder verlassen wollte, dachte ich, es könnte nicht schaden, noch einen Blick in die Bücher zu werfen, die hier standen. Was soll ich sagen, in einem las ich etwas von den »alten Herrschern«, die vor Jahrmillionen aus der Schwärze des Alls gekommen waren, um die Erde zu ihrem Reich zu machen …

Als ich das Buch zurückstellte, fiel mir auf, dass das Regal recht leicht zu verschieben war. Also schob ich es beiseite und entdeckte einen anderthalb Meter langen Stock, den ich mitnahm – ich wusste noch nicht so recht, wozu, aber er war sicher nicht umsonst so geschickt hier versteckt worden. Ich verließ anschließend die Bibliothek und schritt durch die Metalltür hindurch weiter nach Norden. Hier waren überall Gefängniszellen. Wer hier warum gefangen gehalten wurde, teurer Freund, vermag ich nicht zu sagen.

Schreckliches müssen sie wohl getan haben, wenn Sie diesen Ort verdient hatten – WENN sie ihn denn verdient hatten. Ich ging weiter zur Zelle Z5, östlich, wo ich verbogene Gitterstäbe bemerkte. Du kannst Dir sicher vorstellen, dass dieses Bild nicht eben zu meiner Beruhigung beitrug, doch dennoch schritt ich weiter nach Osten zur Zelle Z4, in der ich ein kleines schwarzes Päckchen entdeckte. Mit der Hand vermochte ich es nicht zu erreichen, doch mit dem Stock, den ich noch bei mir trug, konnte ich es so nah an die Gitterstäbe heranholen, dass ich es schließlich mit den Händen greifen konnte.

Darin fand ich Streichhölzer, die ich unversehens dazu nutzte, meine Knochenfackel zu entzünden – was für eine feine Sache doch so eine Fackel ist, dort unten in Finsternis und Kälte! Weiter östlich sah ich eine Höhlengrotte, in der sich ein Brunnen befand. Soweit ich im fahlen Schein der Fackel erkennen konnte, zog sich eine Blutspur bis zum Brunnen … ich zögerte. Ich hatte das Bild aus der Bibliothek vor Augen, in der eine grässliche Gestalt aus einem Brunnen trat – war es dieser Brunnen?

Wie in Trance griff ich in meine Hosentasche und zog den Edelstein heraus, um ihn auf den Brunnenrand zu legen. Irgend etwas in mir sagte mir, ich müsse dort hinunter – doch wie nur? Womöglich musste ich mich zunächst weiter umsehen. So ging ich wieder westlich aus der Grotte und von Zelle Z4 aus südlich zur Zelle Z5, wo ich im Osten einen Durchgang zu einem unterirdischen Teich entdeckte.

Darauf schwamm ein Gemälde. Ich schritt also ein paar Meter in den Teich und untersuchte das Bild. Es zeigte eine Gestalt, die vor einem Menschen mit einem emporgehaltenen Steine zurückwich – einem solchen, wie ich ihn am Brunnenrande niedergelegt hatte. Als ich das Bild gerade aufnehmen wollte, verschlang der Teich es. Erschrocken zog ich mich aus dem Teich zurück. Was trieb hier nur sein Unwesen? War es gar der Teufel persönlich?

Ich ging südlich zum Ufer des Teiches. Hier war weiter oben ein noch unerreichbares Felsplateau zu sehen, und etwas blitzte im Schlamm. Mit der Schaufel grub ich danach und fand einen Hammer. Was sollte ich nun damit anfangen? Da erinnerte ich mich an das Holzfass im Raum mit dem Gerümpel, wo ich auch schon den Verliesschlüssel fand. Womöglich käme ich dort weiter, dachte ich, und tatsächlich: nachdem ich das Faß zerschlagen hatte, fand ich ein Seil, das ich an mich nahm. Damit konnte ich in den Brunnen hinabsteigen, lang genug schien es zumindest zu sein.

Also ging ich zurück zu der Höhlengrotte und stieg hinab in den Brunnen. Den Edelstein ließ ich am Brunnenrande liegen. Die Fackel war mir eine große Hilfe beim Hinabsteigen, ohne sie hätte mir Schlimmes passieren können. Dort unten war alles ausgetrocknet, und im Sand blitzte mich etwas an – als ich danach grub, stellte sich heraus, dass es ein Dolch war. Ich nahm diesen an mich und stieg wieder auf – oben hörte ich merkwürdige Laute, doch als ich oben angekommen war, war weit und breit nichts zu sehen. Den Edelstein steckte ich auch wieder ein.

Wohin sollte ich jetzt gehen? Hier unten, dachte ich, war doch nun soweit alles erforscht. Ich überlegte eine Weile. Da fiel mir ein, dass ich ja am Ufer des unterirdischen Sees ein Felsplateau gesehen hatte, das nach oben führte, wenn meine Erinnerung mich nicht trog. Ich schritt also schnell zurück zum Ufer, wo sich mir plötzlich eine grausige Gestalt von unbeschreiblicher Hässlichkeit in den Weg stellte. Ich erstarrte vor Angst. Was sollte ich tun? Das Geschöpf der Unterwelt kam auf mich zu. Ich griff in meine Jacke und hatte den Dolch schon in der Hand, da erinnerte ich mich an das Bild, das ich im See gesehen hatte – der Edelstein!

So nahm ich diesen an des Dolches statt hervor, und das Ungetüm wich zurück. Ich zitterte am ganzen Leibe, doch als ich mich beruhigt hatte, warf ich das Seil über das Plateau, an dessen oberen Ende es sich verfing, und stieg hinauf. Dort angekommen erblickte ich hinter einem Felsen eine Strickleiter, die noch weiter nach oben führte. Ich erklomm auch diese Steige und fand mich im Garten vor einem alten Hause wieder. Als Erstes wollte ich durch die Tür hinein, doch diese schien nicht nur abgeschlossen, sondern auch von innen versperrt.

Da sah ich eine an die Hauswand gelehnte Leiter. Ich lehnte sie so an das Haus, dass ich das obere Dachfenster des Hauses erreichen konnte und dort einstieg, nachdem ich es geöffnet hatte. Auf dem Dachboden des Hauses gab es nichts außer einem Bett und einem merkwürdigen Flakon, der mich nicht weiter kümmerte. Ich untersuchte das Bett, konnte aber nichts Besonderes finden. Doch durch die Ritzen des Bodens drang ein schwacher Lichtschein zu mir vor. Also schob ich das Bett beiseite, und eine Tür im Boden tat sich mir auf, die ich hinabstieg – zu meinem Glück, mein Freund, hatte ich noch das Brett bei mir, das ich benutzen konnte, um nicht in die zahlreichen Löcher dort unten im Wohnraume zu fallen. Ein schrecklicher und unbeschreiblicher Geruch verwirrte meine Sinne.

Noch als ich mich umsah – wozu ich kaum kam – hörte ich immer wieder merkwürdige Geräusche, und mit einem Mal stand ein Kultist in einer roten Robe im Raume – er musste wohl aus dem Boden emporgefahren sein. Ich starrte ihn nur kurz an, seine Augen konnte ich nicht sehen. Dann zog ich rasch den Dolch hervor und traf ihn damit genau ins Herz – mit einem grölenden Schrei verschwand der Kultist daraufhin im Dunkel der Tiefe eines der Löcher im Boden, aus denen er wohl auch gekommen war.

Zurückgelassen hatte er jenes Relikt, das wir demnächst genauer zu untersuchen haben werden, wenn ich zu Dir reise. Ich hoffe, Du hattest nicht allzu große Mühe, meine Schrift zu lesen, die ich – mittlerweile daheim – mit zittriger Hand geschrieben habe. In ein paar Tagen mach ich mich auf den Weg zu Dir, bitte gedulde Dich noch so lange, mein Herz und meine Sinne brauchen nun ein wenig Erholung.


Dein Freund

James

 

(Longplay aus der Cevi-aktuell 8/2005; Autor: Boris Kretzinger)