Libelle des Todes So oder ähnlich beginnt wohl jeder Pilot bei der Kampfhubschrauber-Simulation „Gunship“ von Microprose. Aber zuerst darf ich mich mal vorstellen: Mein Name ist Colonel Dr. P.; Pilot an Bord des derzeit modernsten Kampfhubschraubers der Welt, des Apache. Er verfügt über vier Waffensysteme gegen Luft- und Landziele sowie ein modernes Abwehrsystem. Kein Wunder, immerhin kostet ein einziger Helikopter eine ganz hübsche Summe in Millionenhöhe. Na ja, wie jede Karriere in der US-Armee begann auch meine ganz unten, nämlich als „Sergeant“ auf einem Übungsplatz, wo man erst einmal mit dem Heli umzugehen lernt und mit Übungsmunition herumballert. Ich kann euch sagen, es ist gar nicht so einfach, dieses Vehikel in der Luft zu halten, geschweige denn, damit zu fliegen. Trotzdem war mein Vorgesetzter mit mir zufrieden, und ich wurde zur Belohnung gleich in Südostasien eingesetzt, wo ich genug Gelegenheit hatte, meine Waffensysteme zu testen. Die erste schwierigere Mission erhielt ich einige Zeit später: Eine befreundete Luftlandetruppe sollte hinter feindlichen Linien landen, und ich mußte nun das Gebiet von feindlichem Gerät säubern – auf gut deutsch: alles kaputtballern, was mir vor meine Kanone kommt. Ich belud meinen Apache mit „Hellfires“ gegen gepanzerte Bodenziele, zwei „Sidwinders“ gegen feindliche Hubschrauber und 1.200 Schuß Munition für meine Bordkanone. Angekommen, gelang es mir gleich, ein feindliches Hauptquartier niederzubrennen. Leider bemerkte ich nicht die Flugabwehrkanone, die auch gleich das Feuer auf mich eröffnete. „Tiefer“, schoß es mir durch den Kopf, aber es war schon zu spät. Zwar ging mein Heli „tiefer“, aber leider sehr unkontrolliert und vor allem blitzschnell. Die Flak hatte mir nämlich einen der beiden Motoren und den Hauptrotor weggeschossen. Glücklicherweise überlebte ich und konnte mich in die Nähe eines befreundeten Bunkers retten. Nicht auszudenken, wenn die mich gekriegt hätten ... Mein Chef war über den Verlust des Hubis weniger erfreut, und so war erst einmal Kartoffeln schälen angesagt (Gott sei Dank kein Latrinendienst). Doch wie es mit negativen Erfahrungen so ist, es kamen auch bald erste positive: Meine erste wichtige Auszeichnung, die „Silver Star“-Medaille erhielt ich im Nahen Osten. Solche Auszeichnungen werden Piloten für ganz besondere Leistungen innerhalb eines Auftrags verliehen. So gibt es Medaillen für Tapferkeit oder für besonders gute Kameradschaft. Im Nahen Osten sollte ich ein für den Feind strategisch wichtiges Nachschubdepot zerstören. „Das ist ja leicht; nur ein einziges Ziel“, dachte ich mir. Der Flug zum Missionsziel verlief auch ganz ruhig. Das Depot befand sich in zwei Kilometern Entfernung genau auf meiner Schußlinie; leider noch zu weit für meine Bordkanone. „Hellfir„“-Raketen kann man leider nicht für solche Ziele einsetzen, die können nur schwergepanzerte Ziele zerstören. Auf 500 m herangekommen, schoß ich, was die Bordkanone hergab. Plötzlich signalisierte mir mein Bordcomputer das Näherkommen einer „Hind“, das ist das feindliche Gegenstück des Apache. Um den aus dem Luftraum zu befördern, mußte ich viel höher aufsteigen. Leider konnte mich dadurch der Radar eines feindlichen Raketenwerfers erfassen. Der machte seinem Namen dann auch alle Ehre und warf mit Raketen nur so um sich. Zwei davon trafen mich, eine weitere konnte ich mit einer sehr heißen „Fackel“, einer „Flare“, ködern. Zuvor war es mir gelungen, das Depot zu zerstören. Die Hind trickste ich mit einer „Sidewinder“-Rakete aus, und schwer beschädigt erreichte ich mit nur noch einem Triebwerk und defektem Heckrotor die Heimatbasis. Nach diesem überaus erfolgreichen Luftfeldzug wurde ich zum „Major“ befördert. Während die Anfänger noch reguläre Missionen fliegen, in denen der Schwierigkeitsgrad sehr niedrig ist, betraute man mich mit Aufträgen von höherem Risiko. Ich flog in die verschiedensten Gebiete der Erde; zum Beispiel in Vietnam oder in Westeuropa, nahm ab und zu eine mehr oder weniger heikle Spezial-Freiwilligenmission in gefährliche Gebiete an und erhielt zur Belohnung einige Medaillen. Das alles brachte mir die Beförderung zum „Colonel“ – dem höchsten Fliegerrang. Ich bekam sogar für besondere Tapferkeit die „Distinguished Service Cross“-Medaille verliehen. Mein Chef kam auf mich zu: „Ich brauche einen Freiwilligen ...“. Wie oft hatte ich das schon gehört; solche Missionen rauben einem den letzten Nerv, außerdem geht häufig der eine oder andere Helikopter gänzlich verloren. „Es wird schon schiefgehen“, dachte ich mir und nahm trotzdem an. Ich sollte in Westeuropa, einem der heikelsten Gebiete, ein gesamtes Panzerbataillon zerstören. Mit nur einem Hubschrauber! Gegen die modernsten Panzer des Feindes belud ich den Apache mit 16 Hellfire-Raketen und zusätzlichem Futter für die Bordkanone. Gegen Mitternacht startete ich ... In 50 Fuß Höhe, geschützt gegen Radarabtaster, alle Störer eingeschaltet, kroch ich meinem Ziel entgegen. „Target“ ... den ersten Panzer hatte mein automatisches IHADDS-Zielerfassungssystem im Visier. Mit einer „Hellfire“ machte ich kurzen Prozeß. Leider gab der Feind Alarmstufe „ROT“, und gleich darauf tastete mich der Radarstrahl eines Raketenwerfers ab. Geistesgegenwärtig warf ich einen Köder ab. Mit einer weiteren Hellfire zerstörte ich noch einen Panzer. Die Aktion war allerdings so geräuschvoll, daß mich eine Flak bemerkte. Ein trockener Schuß, und aus war's mit meiner Zieloptik. Mit nur noch knapp der Hälfte meiner Raketen schoß ich aus Leibeskräften zurück. Wenn nur nicht das Malheur mit den Treibstofftanks passiert wäre: Die Flak ballerte mir zunächst den linken Motor in Stücke und durchsiebte danach zu allem Überfluß meinen Kerosintank. Wenigstens hatte ich meine Mission erfüllt. Nur der Heimweg – mit schwindendem Treibstoffvorrat – stand mir noch bevor. Eine kleine Infanterie-Einheit wollte mir zwar noch ein paar Steine in den Weg legen, aber mit denen hatte ich kaum mehr Probleme (nachts sind die so gut wie blind). Mit kleinen Verletzungen, einem Wrack an Fluggerät, aber mit Ruhm bekleckert landete ich auf einer befreundeten Basis. Ziel erreicht! Nach diesen Strapazen überreichte man mir die „Congressional Medal of Honor“, Amerikas höchste Auszeichnung für besondere Verdienste zur Wahrung des Friedens und der Freiheit usw. Wie's weiterging? Tja, im Moment mache ich Urlaub auf Teneriffa, natürlich auf Kosten der Air Force.
(Erfahrungsbericht aus dem 64'er-Sonderheft „Top-Spiele 5“; Autor: Oliver Pott) |