Das Drachental

9/2002

 

Das Spiel

Es war einmal im finsteren Mittelalter, als es noch Hexen, Drachen, edle Ritter und Prinzessinnen gab. Da trug es sich zu, dass das Zwergenvolk vom furchterregenden Drachen „Eusebius“ unterjocht worden war und ihm dienen musste.

Niemand war bereit, auszuziehen und die Zwerge zu retten, obschon der König dem edlen Retter seine Tochter zur Frau und obendrein das halbe Königreich geben wollte. Nur ein mittelloser, fahrender Ritter war tapfer genug und wollte es mit dem Untier aufnehmen ...

 

Der Auftrag

Als der tapfere Recke, der auf den Namen Faramir hörte, im Schloss angekommen war, wollte er sich dem König vorstellen, um dessen Segen für sein Vorhaben zu erhalten. Um vor dem König gebührend auftreten zu können, ging Faramir zunächst vom Schlosshof aus in die Waffenkammer des Schlosses. Dort wählte er, da er der meisten Waffen unkundig war, einen Dolch als Waffe. In einer kleinen Kammer nahm er einen Krug an sich und etwas Gold aus einer Truhe, da er nicht völlig mittellos vor König Leopold erscheinen wollte. Um sich vor seiner Audienz etwas zu erfrischen, beehrte Faramir das Badehaus mit seinem Besuch, wo er eine Seife und eine Haarspange entdeckte. Beides sollte ihm später sehr nützlich sein.

Danach trat er vor den König, zu dessen Ehren gerade ein rauschendes Fest gegeben wurde. Ein Zwerg in einem Käfig wurde dem König von einem Gaukler vorgeführt. Allerdings sah er sehr missmutig aus. Scheinbar war er ein Angehöriger des Zwergenvolkes, das von Eusebius unterjocht worden war. Faramir bekam Mitleid mit dem armen Zwerg, so dass er dem Gaukler den Beutel Gold dafür bot, den Zwerg freizulassen. Trotz der neugewonnenen Freiheit blieb der Zwerg niedergeschlagen. Als ihn der König nach seinem Befinden fragte, erzählte er, wie schlecht es den Zwergen unter dem Joch des Drachen ging. Als Faramir daraufhin seinen Entschluss verkündete, die Herrschaft des Drachen beenden zu wollen, bekräftigte der König sein Versprechen, demjenigen seine Tochter zur Frau und das halbe Königreich dazu zu geben, dem es gelänge, Eusebius zu besiegen.

 

Das Königreich Leopolds I.

 

Solcherart in seinem Vorhaben bestärkt, ging Faramir zur Wegkreuzung südlich des Schlosses. Dort legte er Seife und Dolch ab, da er vorhatte, die Hexe zu besuchen, damit sie ihm weiterhelfe. Im Haus der Hexe angekommen, sah Faramir, dass ihr die Haare ins Gesicht hingen, daher gab er ihr die Haarspange aus dem Badehaus. Das stimmte sie freundlich, und sie orakelte:

Den Nachtwald, den Sumpf, die Wüste und das Gebirge musst du überqueren. Trowrebuaz!

Mehr ließ sie sich nicht entlocken, so dass Faramir gezwungen war, sich erst einmal im Lande umzuschauen. Auf einer kleinen Insel, zu der er ohne den Krug schwamm, fand er ein in einem Felsen steckendes Zauberschwert. Es ließ sich jedoch nicht herausziehen. Nichts half, nicht einmal die Eingabe von „Excalibur“! Was nun? Nachdem unser Held alle sinnvollen Wörter gesagt hatte, die er kannte, erinnerte er sich des Orakels der Hexe und sprach:

TROWREBUAZ

Einem solch hohen IQ war selbst das Zauberschwert nicht gewachsen, und so ließ es sich bereitwillig von Faramir aufnehmen.

Wieder am Strand angekommen, ruhte sich unser Held zunächst einmal vom anstrengenden Schwimmen aus. Dann nahm er den Krug wieder an sich und füllte ihn mit Wasser. Schließlich musste er laut Amarilles noch die Wüste durchqueren, und dort gab es sicherlich keines.

Etwas weiter im Süden forderte Ladislaus Graubart von Schwarzeneck den zukünftigen Drachentöter zu einem Zweikampf förmlich heraus, da er Faramir nicht seiner Wege ziehen lassen wollte. Statt gegen Drachen musste Faramir also gegen schwarze Ritter antreten! Mit dem magischen Schwert war es jedoch für Faramir kein Problem, ihn zu töten. Dabei schlug er ihm nicht zuerst Arme und Beine ab, um ihm keine Gelegenheit zu geben, ihn zu blenden ...

 

Wenn einer eine Reise tut ...

Im Westen lag ein verlassenes Dorf. Hier zeigte sich scheinbar bereits die unheilige Herrschaft des Drachen. In einem Haus saß ein alter Mann und schnitzte. Da der alte Mann durstig war, gab ihm der hilfsbereite Recke seinen gefüllten Krug und erhielt dafür die Flöte, die der Mann gerade geschnitzt hatte. Den Krug füllte Faramir erneut, um in der Wüste nicht zu verdursten. Dann nahm er die Seife, die er gut am Wegrand versteckt hatte, wieder auf und erntete im Kräutergarten der Hexe eine Zwiebel.

In einem alten Steinbruch entdeckte Faramir ein Seil, mit dem er zur Wiese ging. Vorher legte er im Steinbruch sein Zauberschwert ab. Auf der Wiese traf er einen pfeifenden Kobold.

Ein Kobold pfeift eine Melodie
Sehr selten: ein musikalischer Kobold

Die Melodie lernte Faramir, der Musik sehr mochte, auswendig und zog weiter. Als er den Sumpf erreichte, ging er über die Baumstämme und erreichte nach kurzer Zeit die Wüste. Dort trank er das mitgenommene Wasser, wanderte weiter und erreichte schon bald die Ausläufer eines Gebirges. Als er auf einen Zyklopen traf, spielte er die Melodie des Koboldliedes auf der Flöte, da er von den Minnesängern wusste, dass Zyklopen gute Musik sehr mochten.

In einer nahegelegenen Höhle entdeckte Faramir eine Inschrift mit einer wichtigen Botschaft, die er sich gut einprägte.

 

Eusebius!

Im Gebirge benutzte Faramir das mitgebrachte Seil, um weiterzukommen. Der Raubvogel mochte viel lieber Pflanzen als Menschen, daher bot der Drachentöter dem Tier die Zwiebel an. Kurze Zeit später langte Faramir, der jüngste von sieben Brüdern, im völlig zerstörten Dorf der Zwerge an und sah auch den feuerspeienden Drachen.

Der Drache Eusebius
Mit Eusebius ist nicht zu spaßen

In einer Höhle entdeckte er jedoch einen Kessel mit Wasser. Damit wollte Faramir den Feuerstrahl des Drachens löschen. Daher warf er die Seife hinein, rührte gut um und wartete, bis sich die Seife aufgelöst hatte. Dann gab er den Kessel dem Drachen ...

Da niemand einen seifenblasenspeienden Drachen fürchtet, hatte Faramir seine Aufgabe erfüllt und konnte zu seiner Prinzessin zurückkehren. Es fehlte jedoch noch ein standesgemäßes Hochzeitsgeschenk. Vielleicht war das Zauberschwert standesgemäß? Im Steinbruch angelangt, stolperte Faramir über einen Stein. Darunter lag ein Diamant versteckt, welcher die Liebe der Prinzessin zu ihm erst richtig anfachen würde ...

Die Kunde von Faramirs Sieg hatte sich schnell wie ein Lauffeuer verbreitet. Daher war die Prinzessin bereits in ihrem Hochzeitsstaat, als Faramir im Thronsaal des Schlosses ankam. Nun wusste auch er, warum ihm der König seine Tochter zur Frau geben wollte!

Nach einiger Überlegung und mit Blick auf das halbe Königreich freite Faramir die Prinzessin trotz der unübersehbaren optischen Mankos und schenkte ihr, wenn schon nicht sein Herz, so doch wenigstens den Diamanten.

Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.

 

(Longplay aus der GO64! 9/2002; Autor: Harald Horchler)