Borrowed Time

3/2001

 

Das Spiel

In diesem Adventure übernimmt der Spieler die Rolle des Privatdetektivs Sam Harlow, der gerade eine Morddrohung erhalten hat und nun auf der Flucht ums Überleben kämpft.

Außerdem muss er denjenigen finden, der hinter den Anschlägen auf Sam steckt, und ihn überführen.

 

Ein langweiliger Tag im Büro – mal wieder. Der letzte erfolgreich gelöste Fall lag schon fast 14 Tage zurück. Entsprechend viele leere Whiskyflaschen standen bei mir im Büro herum, und der Aschenbecher quoll vor lauter Zigarettenstummeln über. Als ich mich gerade etwas bequemer gesetzt hatte und aus lauter Langeweile das Telefon anstarrte, klingelte es.

 Na so was! Vielleicht ein neuer Fall? Als ich das Telefon abnahm, krächzte jemand am anderen Ende hinein: „Sam, du bist ein toter Mann!“ Eine Morddrohung! In meinem Beruf nimmt man so etwas besser nicht auf die leichte Schulter, da man sonst sehr schnell sehr tot sein kann ...

 


Der Schauplatz der Handlung

 

Im selben Moment, in dem ich auflegte, bemerkte ich einen Schatten am Fenster. Der Fensterputzer! Im ersten Augenblick befürchtete ich schon das Schlimmste. Ein Glück, dass ich vor dem Abdrücken noch mal genauer hingeschaut hatte ...

Ich beschloss, das Büro zu verlassen, da mich die Schläger, sollte es sie geben, zweifellos hier zuerst suchen würden. Kaum auf der Straße angekommen, entdeckte ich sie schon. Zwielichtige Typen, die zu rennen begannen, als sie mich sahen. Der Anrufer hatte also recht! Ich überquerte schnellen Schrittes die Straße nach Osten und suchte im „Dixie Arms Hotel“ hinter einem Sessel Deckung. Gerade rechtzeitig, bevor die Burschen auf mich schossen. So trafen sie nur den Sessel, und ich hatte genug Zeit, durch die nördliche Tür zu hasten und sie hinter mir zu verriegeln.

Nun blieb mir nur der Weg hinauf in die Dachkammer. Da ich die Mörder hinter mir wusste (sie schlugen bereits die Tür ein), zerbrach ich das Fenster, nahm trotz meiner Eile noch eine Glasscherbe mit und hangelte mich das Stromkabel entlang auf die andere Straßenseite. Ich befand mich nun über der „Dublin Rose Bar“, wo ich jetzt liebend gerne einen Drink zu mir nehmen würde – leider folgten mir meine Wadenbeißer.

 


Die Verfolger sind hartnäckig

 

In meiner Not schnitt ich das Kabel mit der Scherbe durch und war die Verfolger für eine Weile los. Unten in der Bar bekam ich den ersten Hinweis: Mavis, die Bedienung meiner Stammkneipe, sagte mir, dass einer von Farnhams Leuten, Charlie Lebock, eine Bemerkung gemacht haben soll, dass ich keinen Auftrag mehr würde zu Ende führen können. Nach einem Scotch fühlte ich mich besser und begann ein Gespräch mit einem der Gäste. Als der pampig wurde, zeigte ich ihm meine Pistole, woraufhin er etwas gesprächiger wurde. Als ich sie ihm noch einzweites Mal zeigte, wurde er sogar noch gesprächiger und gab mir wertvolle Hinweise. Ich wusste nun, dass Lebock an der nördlichen Hauptstraße wohnte und ich als Passwort „Tinplayer“ sagen musste.

 


Sogar in meiner Stammkneipe
werde ich beobachtet

 

Kurz darauf erhielt ich von Iris, meiner Sekretärin, die Mitteilung, dass meine Ex-Frau Rita entführt worden sei und ich besser mal nach ihrem Appartement sehen solle. Rita – entführt? Die Sache ging wohl nur Farnham und mich was an, aber nicht mein Mädchen. Ich entschloss mich, nach ihrer Wohnung zu sehen.

Auf dem Tisch entdeckte ich eine Kerze und eine Schachtel Streichhölzer. Danach wurde es dunkel. Ein Stromausfall? Nein, es war ja Tag! Ich hatte einen Schlag auf den Kopf bekommen und baumelte nach dem Erwachen an der Zimmerdecke! Alle Versuche mich zu befreien schlugen fehl, bis ich versuchte, mit Streichhölzern und Kerze den Strick durchzubrennen. Es klappte! Ein Glück, dass ich so sportlich bin ...

In Ritas Küche fand ich im Mülleimer eine Quittung über eine Brandsalbe. Hmmm ..., das half mir nicht weiter. Als ich versuchte, den Ofen zu verschieben, verbrannte ich mir die Finger. So ein Mist! Trotzdem hatte es sich gelohnt, denn hinter dem Ofen fand ich einen Schlüssel. Mit meinen verbrannten Fingern konnte ich allerdings nicht mehr viel ausrichten. Was macht man, wenn man verbrannte Finger hat? Man geht zum Arzt. Also nichts wie hin. Da ich ein guter Kunde von Dr. Lafferty bin, wurde ich gleich ins Behandlungszimmer geführt. Der Doktor ließ sich jedoch viel Zeit, und so untersuchte ich seinen Schreibtisch. Die dort gefundenen Bandagen legte ich mir selbst an. Dr. Lafferty ließ immer noch auf sich warten, daher verließ ich leise seine Praxis. Immerhin konnte ich meine Hände wieder gebrauchen, so dass der Zweck des Arztbesuches erfüllt war.

 

Jede Menge zwielichtige Gestalten tummeln sich in der Stadt

 

Was nun? Rita entführt, ich selbst verfolgt von Farnhams Schlägern, verbrannte Hände – nur Lisa, meine 45er, hielt scheinbar noch zu mir. Um meine Gedanken zu sammeln, streifte ich durch die Stadt. Dabei merkte ich, dass es meinen Händen schon besser ging und mich die Bandagen behinderten. Ich warf sie weg. In einem Müllhaufen entdeckte ich einen Knochen, den ich mitnahm. Meiner Erfahrung nach liebten Hunde solche Knochen, vielleicht konnte er mir also noch mal nützlich werden.

Als ich im Westen der Stadt an einer verkommenen Baracke vorbeischlenderte, erkannte ich Fred Mongo, einen Handlanger Farnhams, der aus der Baracke kam. Schnell versteckte ich mich. Als Mongo verschwunden war, brach ich in die Hütte ein, um herauszufinden, was er dort gewollt hatte. Vielleicht war dort Rita gefangen? Die Tür hielt meinen breiten Schultern nicht stand und krachte aus den Angeln. In der Hütte fand ich Mavis, die Bedienung aus der Dublin Rose, die dort gefesselt und geknebelt auf einem Stuhl saß. Nachdem ich sie befreit hatte, erzählte sie, dass Mongo sie entführt habe, um aus ihr herauszupressen, was ihr 
eine Frau namens Doris Maglam erzählt hatte. Mavis war mir keine Hilfe, da sie von der Entführung noch zu mitgenommen war. Ich entdeckte aber ein Buch und eine Tube mit Brandsalbe. Die Salbe von Rita?

Im Buch, einer öden Detektivgeschichte, steckte als Lesezeichen eine Notiz: Eine Parkquittung. Mavis erzählte, dass Mongo jemanden wegen eines Autos treffen wolle. Jetzt hatte ich endlich eine heiße Spur!

 


„Hawkeye“, ein blinder Kioskbesitzer,
mit „Kaiser Billy“, seinem Hund

 

Vorsichtshalber holte ich zunächst Ritas Quittung aus ihrer Wohnung, da es sich vielleicht um ein Beweisstück handelte. Dann suchte ich den Parkplatz in der Hoffnung auf, Mongo allein zu treffen und mich ein bisschen mit ihm zu „unterhalten“. Dort sah ich, dass Mongo und Jake, der Parkplatzwächter, sich gerade stritten. Um etwas Ruhe zu schaffen, machte ich beide mit meiner Lisa vertraut, woraufhin beide ruhiger wurden. Jake erzählte mir, dass Mongo etwas aus einem Wagen, der nicht ihm gehörte, holen wollte: Handschuhe und drei leere Ölkanister! Etwas überrascht nahm ich beides an mich, nachdem ich den Knochen abgelegt hatte. Jake rief die Polizei, und ich hielt Mongo mit der Lisa in Schach. So warteten wir friedlich auf die Polizei.

Die Cops Jones und Hardcase wollten Beweise sehen, bevor sie Mongo verhafteten. Ich zeigte sie ihnen: Handschuhe, Kanister, Brandsalbe und die Quittung. Damit war Mongo überführt. Da er aber im Kittchen Gesellschaft haben wollte, raunte er mir, bevor er abgeführt wurde, noch zu, dass er in Ritas Wohnung einen Schlüssel für das Schließfach 999 im Postamt versteckt habe. Darin werde ich genügend Belastungsmaterial finden, damit auch Farnham längere Zeit gesiebte Luft atmen würde.

Ein kleiner Erfolg für mich! Ah, das tat gut! Da ich den Schlüssel schon gefunden hatte, begab ich mich, nachdem ich den Knochen wieder eingesteckt hatte, sofort ins Postamt. Mongo hatte die Wahrheit gesagt, der Schlüssel passte zu Schließfach 999. Darin befand sich ein Zettel mit einem Gedicht:

 

In the country,

In the city,

Under the father’s eye,

Dig six feet

And you’ll have

All that money can buy.

6316



??? Hatte ich es nicht schon schwer genug? Musste ich mich auch noch mit halbwahnsinnigen Dichtern herumschlagen? Mir sagte das Gedicht jedenfalls nichts. Scheinbar musste ich irgendwas ausgraben ...

Ich war mit meinem Latein am Ende, und meine Luckies waren mir auch schon längst ausgegangen. Da ich nicht mehr weiterkam, beschloss ich, mich in die Höhle des Löwen zu wagen und mit Farnham zu reden. Vielleicht konnte ich mich mit ihm einigen?

Farnhams Gorilla sagte, Farnham würde mich bereits erwarten, und führte mich zu ihm – nicht ohne mir meine Lisa abzunehmen. Das Gespräch gestaltete sich jedoch schwierig, und ich ging wieder. Draußen bekam ich mein Baby zurück. Immerhin wusste ich jetzt, dass man Farnhams Hunde mit dem Wort „HIYO“ beruhigen konnte. Wenigstens etwas!

 


Farnhams Schoßhündchen

 

Nach einigem Nachdenken (was mir übrigens, bedingt durch akuten Nikotinmangel, immer schwerer fiel) beschloss ich, in Farnhams Haus einzudringen. Meiner Meinung nach wurde Rita dort gefangengehalten. Im Garten des umzäunten Hauses beruhigte ich Farnhams Hunde mit dem Wort „HIYO“, zückte die Waffe und rannte die Tür ein. Darin sah ich Rita und Wainwright, den Besitzer von G & W, bewacht von einem Schläger. Der gab jedoch sofort auf, als er in den Lauf meiner 45er blickte. Ich befreite beide. Wainwright rief sofort die Polizei. Eine Unterhaltung mit ihm warf etwas Licht in die ganze Sache, und ich erhielt zum Beweis einen Report von ihm. Als ich Shuman, den Schläger, danach befragte, enthüllte der noch mehr Details über den Fall. Jetzt war alles klar!
Als die Polizei eingetroffen war, ließ ich Rita und Wainwright bei ihnen zurück und widmete mich wieder dem Problem „Farnham“ zu.

 


George Washington, der Landesvater

 

Ich hatte nur noch zwei Hinweise, um Farnham zu überführen: Das Passwort „TINPLAYER“ und das Gedicht mit der Nummer. Ich las noch einmal das Gedicht. „Under the father’s eye“ ... Da kam mir eine Idee. Die Statue im Park stellte George Washington dar. Könnte der nicht der „Vater“ des Landes sein? Im Süden der Statue befand sich eine kleine, mit einem Zahlenkombinationsschloss gesicherte Hütte. Ich probierte die Kombination „6316“, und die Tür der Hütte ließ sich öffnen! Mit Hilfe der dort gefundenen Schaufel grub ich vor der Statue, „under the father’s eye“, ein Loch und – fand einen Aktenkoffer! Ich wollte gerade einen Triumphschrei ausstoßen und war nahe daran, Mongo im Stillen zu danken, als ich einen Ausruf vernahm, der mir das Blut in den Adern gefrieren ließ:

„Da ist er!“

Farnhams Leute hatten mich entdeckt! In meiner Not rannte ich zum Müllhaufen und versteckte mich im Müll. Ein streunender Hund wollte mich verbellen, aber ich gab ihm gerade noch rechtzeitig den Knochen, worauf er daran nagte und sich still verhielt. Die Schläger rannten vorbei. Puh!

Im Koffer fand ich eine Menge Bargeld und einen Ordner mit Unterlagen, die für Farnham sehr unangenehm werden konnten. Nun blieb nur noch Lebock. Wie ich zu Beginn des Abenteuers erfahren hatte, wohnte er im Norden der Stadt. Sein Gorilla, Rocco, ließ mich zu ihm, als ich ihm die Parole „TINPLAYER“ genannt hatte. Lebock war überrascht mich zu sehen. Kaum war ich drin, verriegelte ich die Tür, um mich ungestört mit ihm zu unterhalten. Er rief zwar sofort nach Rocco, aber der Anblick meiner Lisa brachte ihn zum Schweigen. Da Lebock stumm blieb, untersuchte ich in aller Eile den Raum, aus den Augenwinkeln ständig Lebock beobachtend. Im Kamin fand ich einen angesengten Fetzen Papier, den ich mitnahm.

Kurz darauf brach Rocco die Tür auf und stürmte ins Zimmer. Ich flüchtete in ein Nebenzimmer, sah einen Kerzenhalter, nahm ihn und wartete auf Rocco, um ihn damit niederzuschlagen ...

Es klappte! Rocco lag bewusstlos auf dem Boden, aber ich wusste Lebock und Farnhams Schläger mir auf den Fersen. So schnell ich konnte, verschwand ich durch die Küche ins Freie. Mir blieb keine Wahl: Wenn ich leben wollte, musste ich schnellstmöglich zur Polizei. Dort angekommen, atmete ich erst einmal durch. Hier war ich in Sicherheit! In Ruhe konnte ich den Ordner aus dem Koffer und den Papierfetzen lesen.

Aha! Das sollte reichen, um Farnham ein Wiedersehen mit Mongo zu ermöglichen. Ich beschuldigte ihn und fuhr mit zwei Polizisten zu Farnham. Dem zeigte ich den Koffer, den Ordner, den Papierfetzen und, mit einem leichten Triumphgefühl, den Bericht. Das überzeugte Hardcase und Jones. Farnham wurde sofort verhaftet. Nicht schlecht für die Arbeit eines einzigen Tages!

Ich kaufte eine Packung Luckys sowie eine Flasche Bourbon und machte mich auf den Weg zu Rita, um den Tag gebührend ausklingen zu lassen ...

 


Nicht so, sondern ...

so sollte das Abenteuer enden!

 

(Longplay aus der GO! 64 3/2001; Autor: Harald Horchler)