Umgang mit Automatenspielen

1982

 

Ein paar grundsätzliche Regeln für den Umgang mit Münz-Video-Automaten

Der sicherste Weg, sein Geld schnell und mit Frust- statt mit Lustgewinn zu verspielen, ist dieser: Man sieht irgendwo einen neuen Automaten, den man noch nicht kennt, geht hin und schiebt mal schnell 'ne Mark rein. Das ist noch nie gutgegangen, auch nicht in der Zeit der Flipper – und von denen unterscheiden sich die Videospiele, die heute auf den Markt kommen, ungefähr so wie Düsenflugzeuge von Dampfmaschinen.

 

Der coole Video-Gamer macht es anders. Er weiß, daß noch kein Meister vom Himmel gefallen ist, auch beim Videospielen nicht. Und er weiß auch, daß es mittlerweile grundverschiedene Spielemuster gibt, die längst nicht alle für jeden Spieler geeignet sind. Mancher findet sich eben mit »Pac Man« besser zurecht als mit »Defender«, mancher ist Meister beim Rennfahren im »Turbo«, doch kommt mit dem merkwürdigen, unberechenbaren »Qix« überhaupt nicht zu Rande, und es ist oft genug vorgekommen, dass ein »Space Invaders«-Highscore-Man bei der Konfrontation mit »Donkey Kong« regelmäßig nach einer Minute k. o. war.

Es gibt beim Videospielen wie im Leben eine Liebe auf den ersten Blick und Dauerfreundschaften, die ganz allmählich wachsen. Und ebenso sicher ist, dass man mit einem Partner, und sei es eben nur ein elektronischer, den man nicht mag, nie zu immer neuen Höhepunkten kommt. Die erste unserer goldenen – da Geld sparenden – Regeln lautet:

 

Regel Nr. 1

Suchen Sie sich ein Spiel aus, das Ihnen gefällt, das Ihnen auch noch nach ein paar Proberunden noch Spaß macht – und spezialisieren Sie sich auf dieses eine Spiel!

Ehe man mit den Probespielen beginnt, sollte man jedoch möglichst oft anderen über die Schulter schauen, die sich bereits auf dieses Spiel spezialisiert haben, die die Tricks und Kniffe schon beherrschen. Denn Tricks und Kniffe gibt es prinzipiell bei jedem Spiel – weil sich jede Computerelektronik, und sei sie noch so gut programmiert, überlisten und austricksen lässt. Durch Zuschauen jedenfalls kann man eine Menge Geld sparen.

 

Regel Nr. 2

Legen Sie sich fürs Zuschauen ein eigenes Fragen-Programm zurecht und hören Sie nicht eher auf zuzuschauen, bis alle Ihre speziellen Fragen beantwortet zu sein scheinen!

Ein solches individuelles Informationsprogramm für ein neues Space-Spiel könnte zum Beispiel folgende Fragen umfassen:

  1. Wie bewegt sich das Raumschiff des Spielers auf dem Bildschirm?

  2. Wie bekommt es seine Befehle?

  3. Was sind seine Waffen? Schussfolge? Dauerfeuer?

  4. Wer sind die Gegner und wie bewegen sie sich?

  5. Welches sind die gefährlichsten, welches die leichtesten Gegner?

  6. Wo sind besonders hohe Bonuspunkte zu holen?

  7. Gibt es Ersatzraumschiffe o. Ä.? Wofür? Wann? Wie viele?

  8. Wird das Spiel mit neuen Runden schneller? Gefährlicher? Oder ändert sich womöglich das Szenario?

Allein durch Beobachtungen dieser Art kann man schon, ohne eine müde Mark zu opfern, tiefe Einblicke in den Aufbau und die Programmierung jedes Videospiels gewinnen.

 

Regel Nr. 3

Vor Spielbeginn Gerät prüfen! Der aufmerksame Video-Gamer merkt bald, dass es von den erfolgreichen Münzschluckern Kopien gibt. Nicht nur das Spiel selber, auch der Name und die Aufmachung sind zum Verwechseln ähnlich. In der Regel gilt: Das Original ist meist besser als die Nachahmung. Deshalb sollte man sich vor Spielbeginn überzeugen, ob man tatsächlich vor dem echten Automaten steht. Für Ihre Mark haben Sie durchaus ein Recht darauf. Und es ist sicher auch nicht verkehrt, das dem Spielhallen- oder Kneipenbesitzer klar zu sagen.

Ehe man anfängt zu spielen, sollte man kontrollieren, ob der Automat in Ordnung ist, ob zum Beispiel der Joystick einwandfrei in die Ruhelage zurückspringt. Manche Spieler meinen, wenn sie den Steuerknüppel mit aller Gewalt nach vorne schieben, würde auch ihr Raumschiff schneller – und ruinieren damit den Kontakt oder den Federmechanismus.

Manchmal treten Probleme mit statischer Elektrizität auf, beim Berühren der Metallteile bekommt man einen Schlag oder das Spiel spielt verrückt. Dagegen kann man sich schützen, indem man zu Anfang mit der Münze in der Hand erst einmal Metallteile des Apparates berührt und sie dadurch »erdet«.

Wenn sich erst nach dem Einwerfen der Münze oder mitten im Spiel herausstellt, dass der Automat Macken hat und das Spiel nicht einwandfrei abläuft, dann sollten Sie sich nicht scheuen, denjenigen, unter dessen Obhut sich der Automat befindet, auf den Fehler hinzuweisen – und Ihr Geld zurückzuverlangen! Wenn jemand einen Automaten nicht aus dem Verkehr zieht, von dem er weiß, dass er nicht intakt ist, begeht er Betrug!

 

Regel Nr. 4

Trainieren bringt die Punkte! Wenn Sie die ersten –zigtausend Punkte erreicht haben, dürfen Sie sich ruhig freuen und in dem Glauben wiegen, dass Sie Ihr Spiel jetzt meistern. Aber freuen Sie sich nicht zu früh. Diese tückischen Automaten haben die Eigenschaft von ihren Erbauern mit auf den Weg bekommen, umso schneller und schwieriger zu werden, je höher der Score steigt. Lassen Sie deshalb, wenn Sie sich in den Rang eines »Fortgeschrittenen« hochgespielt haben, ruhig mal ein paar Mark springen, nur um ganz spezielle Spielsituationen zu studieren – trainieren Sie zum Beispiel bei »Donkey Kong« den Umgang mit dem Hammer, bis Sie sich vor Feuer und Fässern sicher fühlen. Erst wenn man die echten Klippen eines Spieles sicher meistert, ist man auf dem Weg zum wirklichen Experten.

 

Regel Nr. 5

Lassen Sie sich helfen, wenn Sie mit einer schwierigen Situation in Ihrem Spiel nicht zu Rande kommen. Oft hilft es, wenn ein Experte Ihnen die beste Lösung Ihres Problems ein einziges Mal vorspielt.

 

Regel Nr. 6

Konzentrieren Sie sich beim Spielen! Die meisten Videospiele sind Strategiespiele. Und alle erfordern sie Geschick. Ebenso wichtig aber fürs Erreichen von Spitzen-Scores ist die Konzentration. Beobachten Sie mal einen Spitzenspieler. Er sieht nicht und hört nicht, was um ihn herum vorgeht. Er ist voll mit dem Spiel beschäftigt. Bei manchen Spielen sind schnelle Fingerbewegungen sehr wichtig, bei anderen gibt oft die Reaktionsgeschwindigkeit den Ausschlag.

Aber generell gilt: Ohne Konzentration läuft gar nichts. Dafür sind unsere kleinen elektronischen Gegner, die Chips und Mikroprozessoren, einfach viel zu schnell.

 

Regel Nr. 7

Bleiben Sie immer cool beim Spielen! Es bringt nichts, wenn Sie zum Beispiel bestimmte Spezialwaffen wie die »Warps« bei »Phoenix« oder die »Smart Bombs« bei »Defender« zu früh einsetzen. Bleiben Sie ruhig und behalten Sie den Überblick. Und warten Sie ab, bis Sie eine wirklich lohnende Punktzahl abkassieren können. Genausowenig nützt es, wenn Sie dem Automaten wütend einen mit der Faust verpassen, weil er Sie wieder mal reingelegt hat. Nur wer wirklich cool bleibt, wird ein echter Video-Meister.

 

(Entnommen aus: Blumenschein, Peer; Blumenschein, Ulrich: Videospiele. Tips und Strategien, wie man sie meistert – Ratschläge für den Kauf. Mit 29 Abbildungen. Knaur, München1982)