So verbessern Sie Ihr Spiel

1982

 

So verbessern Sie Ihr Spiel

Wer sich als Computerspieler verbessern möchte, der muss fast wie ein Leistungssportler an sich arbeiten. Im speziellen Fall der Spiele kommt es auf die Fingerfertigkeit und auf die Konzentrationsfähigkeit an. Gilt es doch, innerhalb von Bruchteilen einer Sekunde Situationen auf dem Bildschirm mit dem Auge zu erfassen, sie geistig zu verarbeiten und dann darauf zu reagieren!

Nehmen wir nun an, der Spieler wäre ein Schnelldenker! Das nützt ihm noch gar nichts, wenn seine Bewegungen – insbesondere die seiner Hände und Finger – zu langsam sind. Die Profis unter den Computerspielern trainieren deshalb regelmäßig Hände, Finger, Augen und die Konzentrationsfähigkeit generell, um schneller reagieren und damit den Gegner auf dem Bildschirm schlagen zu können.

 

Beginnen wir bei den Händen!

Es ist erstaunlich, welche Fortschritte sich schon durch ein kurzes Training der Hände erzielen lassen. Die einfachste, aber sicher auch fundierteste Übung wird mit einer Münze ausgeführt. Dazu wird noch eine Hilfsperson gebraucht.

Diese Hilfsperson lässt eine Münze aus verschiedenen Höhen fallen. Dazu hält sie zunächst die Münze in der zusammengeballten Hand und öffnet sie blitzartig, so dass die Münze herausfällt. Diejenige Person, die ihre Hände trainieren möchte, steht etwa ein bis zwei Fußlängen entfernt und hält die Hände seitlich, locker am Körper. Reagiert wird, wenn die Münze herunterfällt. Dann muss sie blitzschnell aufgefangen werden. Durch die verschiedenen Höhen ergeben sich auch verschiedene Reaktionszeiten.

Stellen wir uns dazu das Geschehen auf dem Bildschirm des Computerspiels vor! Hier löst ein Zufallsgenerator plötzliche Bewegungen des »Computergegners« aus. Die Hilfsperson kann sozusagen Zufallsgenerator spielen und auch unregelmäßig und für den anderen hinsichtlich der Intervalle nicht durchschaubar die Münze fallen lassen. Bei vielen Computerspielen ist neben dem Erfassen mit dem Auge die Reaktion der Hände von großer Wichtigkeit. Werden zum Beispiel Knöpfe oder Tasten mit den Fingern bedient, so stellt sich nach längerem Spiel oft eine Ermüdung oder Verkrampfung der Fingermuskulatur ein. Diese wiederum beeinträchtigt die Bewegungen: Der Spieler wird schlechter. Was ist zu tun? Zuerst einmal muss man wissen, dass der größte Teil der Bedienungsvorgänge mit dem Zeigefinger ausgeführt wird.

Eine gute Möglichkeit, die Muskulatur zu stärken, ist folgende Übung: Machen Sie eine Faust! Nur der Zeigefinger ist nach vorne gestreckt – und zwar so stark, dass es fast schmerzt. Die Finger umklammern einen Gegenstand (Kerze, rundes Feuerzeug usw.), und zwar ganz fest. Jetzt werden mit dem Zeigefinger kreisende Bewegungen um eine in einem Ständer aufrecht stehende Kerze, den runden Griff einer Tür oder einen in einem Schlüsselloch steckenden Schlüssel ausgeführt. Der Zeigefinger kreist dabei ganz knapp über dem Gegenstand, ohne ihn zu berühren. Diese Bewegungen können sowohl im Uhrzeigersinn als auch entgegengesetzt ausgeführt werden. Das Tempo lässt sich steigern, wenn Sie versuchen, einen Gegenstand möglichst schnell zu greifen. Stoppen Sie dabei die Zeit! Es kommt darauf an, die Intervalle möglichst zu verkürzen. Deshalb können Sie zum Vergleich auch messen, wie oft Sie in einer bestimmten Zeit (30 Sekunden, 1 Minute usw.) den Gegenstand gegriffen haben.

Zum schnelleren Erfassen von Zusammenhängen auf dem Bildschirm gibt es eine Reihe von möglichen Trainingsaufgaben. Eine Hilfsperson kann zum Beispiel jeweils über einer Stuhllehne von hinten blitzschnell Spielkarten hochhalten und sie auch gleich wieder verschwinden lassen. Die Karte ist in ihrem Wert (Farbe, Wertigkeit usw.) zu bestimmen.

Mit Lehnen gleicher Stühle lässt sich eine längere Wand aufbauen. Die Karten können so jeweils an unterschiedlichen Stellen hoch gehalten werden.

 

Das richtige Beobachten des Spielfelds

Man kennt sie: die Werbebilder, die vor dem Fernsehschirm sich auf dem Fußboden »lümmelnde« Kinder und Erwachsene samt Spielcomputer zeigen. Das mag »Relaxing«, Entspannen nach der Tagesarbeit, sein. In dieser Lage kann man zwar Computer spielen, aber sicher nicht lange. Was auf den Werbebildern so schön entspannend aussieht, entpuppt sich schon nach kurzer Zeit als verdammt anstrengend … Wer konzentriert spielen möchte, dem wird die »Fußbodenstellung« kaum behagen. Ja, es werden sich bald Gliederschmerzen einstellen. Auch das Wechseln von einer Körperhaltung in die andere bringt nur für kurze Zeit Linderung.

Wer sich zum guten oder gar sehr guten Computerspieler hinaufarbeiten will, der sollte sich gleich das richtige Beobachten des Computerspielfeldes einprägen. Spielprofis wissen es längst: die kommerzielle Datenverarbeitung im Büro hilft mit ihren – meist aus der Arbeitsmedizin abgeleiteten – Gesetzen, auch vor dem Bildschirm eines Computerspiels so zu sitzen, dass eine optimale Konzentrationsfähigkeit gegeben ist. Achten Sie deshalb besonders auf Folgendes:

  • Sitzen Sie wie im Büro vor dem Bildschirm, wenn Sie es beim Computerspiel zu Höchstleistungen bringen möchten! Eine verkrampfte Haltung zieht
    Kopf-, Rücken-, Kreuz- und Nackenschmerzen nach sich. Es kann sogar zu Gelenkkrankheiten kommen.

  • Die soviel zitierten Augenleiden als Folge intensiven Computerspiels treten sicher nicht so häufig auf, wie oft behauptet wird – vorausgesetzt natürlich, man spielt nicht ständig im Halbdunkeln oder bei viel zu ungenügender Beleuchtung.

  • Sind die Lichtquellen schlecht, so kann es zum Brennen und Tränen der Augen kommen. Gelegentlich stellt sich auch ein Augenflimmern ein.

  • Computerexperten weisen auf den Kontrast zwischen Gerät und Umgebung hin, ebenfalls auf den Kontrast der Schrift bzw. der Zeichen zum Bildschirmuntergrund. Als gutes Verhältnis wird 8:1 angegeben. Die Leuchtdichte der Zeichen ist also rund zehnmal so groß wie die des Untergrundes.

  • Achten Sie auf die Beleuchtung und auf helle Flächen wie Wände, Fenster und weiße Kleidung! Sie hellen das Zeichenumfeld auf und mindern somit den Kontrast.

  • Stellen Sie Ihr Computerspiel so, dass Sie beim Spielen nicht gleichzeitig in ein helles Fenster sehen! Günstig ist seitlicher Lichteinfall. Sollte eine derartige Stellung des Computerspiels nicht möglich sein, so stellt das Abdunkeln der Fenster eine Notlösung dar.

  • Auch die Spiegelungen rückwärts gelegener Fenster können hinderlich sein. Es muss nicht unbedingt eine helle Leuchtstofflampe sein, die Ihnen Licht beim Computerspiel spendet. Diese Lampen rufen meist Blendeffekte hervor.

  • Arbeitsmediziner empfehlen kleinen Personen, das Gerät so zu stellen, dass sich die Bildschirmoberkante nicht oberhalb der Augenhöhe befindet. Es gilt: Die Sehachse soll bei rund 15° Neigung des Kopfes auf die Bildschirmmitte treffen.

  • Schon bei der Auswahl des Geräts sollten Sie darauf achten, dass die Figuren auf dem Bildschirm einigermaßen scharf herauskommen. Das gilt insbesondere für den Rand des Bildes.

  • Auch Sitzen will gelernt sein. Als Faustregel gilt: Der Oberschenkel soll bei großflächigen Sitzen waagerecht sein. Richtig sitzt man, wenn sich die flache Hand zwischen Oberschenkel und vorderem Drittel der Sitzfläche durchschieben lässt.

  • Auch auf die Höhe des Tisches kommt es an. Sie ist dann richtig, wenn bei waagerechtem Unterarm, also einem rechten Winkel mit dem Oberarm, die mittlere Reihe der Tasten in Höhe der ausgestreckten Hand liegt.

 

Schritt für Schritt eine bessere Taktik

Jeder hat seine eigene Taktik. Vergleicht man jedoch dieses individuelle Spiel, so wird man schnell erkennen, dass vieles nach dem gleichen Schema abläuft. Wer sich also im Spiel verbessern möchte, der sollte von anderen lernen – von jenen, die bereits Meister vor dem Bildschirm sind.

  • Wenn Sie zum Beispiel in so genannten Spielhöllen Ihr Glück versuchen möchten, dann können Sie eine Menge Geld sparen, wenn Sie eine Zeit lang nur beobachten. Suchen Sie sich einen guten Spieler aus und prägen Sie sich seine Taktik ein! Durch dieses Beobachten lernen Sie auch gleich die Spielregeln, die ja in den meisten Spielsalons nicht ausliegen.

  • Bedenken Sie immer, dass das, was auf dem Bildschirm geschieht, ganz detailliert in einem Programm – der Software – festgelegt ist! Wenn Sie
    dieses Programm nur einigermaßen gründlich durchlesen, werden Sie schnell das Computerspiel beherrschen.

  • Wenn Sie zum ersten Mal spielen, dann denken Sie nicht gleich daran, möglichst viele Punkte zu machen, sondern das Spiel zu durchschauen!

  • Viele Videospiele werden mit Steuerknüppeln, Steuertasten usw. in Bewegung gesetzt. Dazu gibt es oft noch Drucktasten oder Druckknöpfe, mit denen zum Beispiel Bewegungen bzw. Kommandos wie »Schießen« ausgeführt werden. Versuchen Sie, sich schon vor dem Spiel mit diesen Hilfsmitteln vertraut zu machen! Je sensibler Sie sind und desto schneller Sie diese Hilfsmittel in Funktion setzen können, um so besser und wirkungsvoller wird Ihr Spiel sein.

  • Die Gebrauchsanweisung zu vielen Geräten, aber auch zu vielen Spielen mag oft mangelhaft und schwer verständlich geschrieben sein. (Das liegt
    oft an der Übersetzung.) Trotzdem: Studieren Sie vorher die Betriebsanleitung, und prägen Sie sich alles genau ein!

  • Viele Spiele werden zu zweit oder mit noch mehr Personen gespielt. Gerade am Anfang kann ein Mitspieler, der schon Erfahrung hat, dem Neuling
    helfen, sich schneller in die Materie Videospiele einzuarbeiten.

  • Spiele lassen sich oft nicht gleich in ihrer Systematik durchschauen. Lernen Sie deshalb, strategische Zusammenhänge und Entscheidungsprozesse anzuwenden!

  • Behalten Sie immer die Übersicht! Gerade bei den Weltraumspielen ist es nicht damit getan, dass man ein feindliches Raumschiff abschießt. Meist folgen in kurzen Abständen – oft auch gleichzeitig – neue Feinde aus dem Weltraum. Wer sich also auf nur einen Angreifer konzentriert, kann ihn vielleicht treffen, wird aber selbst von anderen Feinden abgeschossen.

  • Verzweifeln Sie nicht, wenn Sie am Anfang gegenüber anderen Spielern zu langsam agieren! Wissenschaftler, die das Verhalten von Videospielern
    untersucht haben, kamen zu der Feststellung, dass mit der Zahl der absolvierten Spiele auch das Punktekonto steigt.

  • Die meisten Spiele haben verschiedene Schwierigkeitsgrade. Arbeiten Sie sich langsam hoch!

 

(Aus: Kerler, Christine: So gewinnt man gegen Video- und Computerspiele. Verlag Falken, Niedernhausen/Ts. 1982, ISBN 3-8068-0644-6)